15. Eine Lehrerin vor der Wahl

Von Mo Wen, China

Als die Sonne im Westen unterging und die Dämmerung hereinbrach, stand die Tür eines kleinen Bauernhauses offen. Am Türknauf war ein weißes Tuch befestigt, und ein letzter Sonnenstrahl fiel auf die unverputzte rote Backsteinmauer des Hofes.

Mitten im Raum stand ein Sarg, vor dem ein siebenjähriges Mädchen, ein neunjähriger Junge und eine Frau vom Land um die dreißig knieten.

„Mama, warum sind keine Verwandten gekommen, um uns zu helfen, wo doch etwas Schlimmes in der Familie passiert ist?“ Die zarte Stimme des kleinen Mädchens durchbrach die Stille im Haus.

„Weil dein Vater krank war und unsere ganzen Ersparnisse aufgebraucht sind, verachten uns unsere Verwandten und schauen auf uns herab, weil wir arm sind. Von jetzt an, ohne euren Vater, sind wir auf uns allein gestellt, nur ihr zwei und ich, eure Mutter. Ihr beide müsst hart arbeiten, um euch zu beweisen, damit niemand auf euch herabschauen kann. Meine Hoffnung ist, dass ihr eines Tages erfolgreich seid, etwas aus euch macht und unser Schicksal ändert!“ Die Mutter wischte sich die Tränen ab, ihre Augen waren voller Entschlossenheit, als sie diese ernsten Worte an ihre beiden kleinen Kinder richtete.

Dieses siebenjährige Mädchen war An Ran.

Diese Szene aus ihrer Kindheit brannte sich tief in An Rans Herz ein. Von klein auf wusste An Ran, dass sie hart arbeiten musste, um sich zu beweisen; danach zu streben, sich von der Masse abzuheben und die Bewunderung anderer zu gewinnen, war ihr Lebensziel. An Ran war in der Schule besonders fleißig, sie glaubte, nur durch eifriges Lernen eine vielversprechende Zukunft haben zu können. Während der Grundschulzeit gehörte An Ran fast jedes Jahr zu den drei Besten ihrer Klasse.

Als An Ran dreizehn Jahre alt war und die Mittelschule besuchte, gab eine Nachbarin ihrer Mutter das Evangelium des Allmächtigen Gottes der letzten Tage weiter. An diesem Tag begleitete An Ran ihre Mutter, um gemeinsam ein Video über Gottes anfängliche Schöpfung anzusehen. Von diesem Tag an wusste An Ran, dass die Menschen von Gott geschaffen wurden und dass es zwischen Himmel und Erde und allen Dingen einen Herrscher gab, der die gesamte Menschheit führte und für sie sorgte. An Ran wurde es warm ums Herz – Gott war so wunderbar!

Mit fünfzehn musste An Ran die Schule abbrechen und arbeiten gehen, da das Geld für die Schule fehlte. Obwohl An Ran wusste, dass es gut war, an Gott zu glauben, dachte sie, sie sei noch jung und die Zukunft liege noch weit vor ihr. Sie wollte kein gewöhnliches Leben führen, ohne etwas geleistet zu haben, weil sie dachte, sonst würde sie niemand respektieren. Also beschloss sie, hart zu arbeiten und Geld zu verdienen, um eine anständige und angesehene Arbeit zu finden. Sie dachte, solange sie sich einen Namen machen könne, würde sie vor anderen glanzvoll dastehen und niemand würde mehr auf sie herabsehen. An Rans Gedanken drehten sich nur darum, wie sie schnell etwas aus sich machen konnte. Daher konnte sie in ihrer Freizeit nur gelegentlich an Versammlungen teilnehmen.

Eines Abends, als An Ran siebzehn war, lag die schwüle Hitze des Tages noch in der Luft. Klick. Rums. Das Geräusch einer sich öffnenden und schließenden Tür, eine Reihe schneller, effizienter Bewegungen, gefolgt von eiligen Schritten. Ihre Cousine war zurück.

„Was ist los? Gibt es etwas Dringendes?“ fragte An Ran.

„Ich habe gute Nachrichten für dich. Unsere Schule sucht dringend Lehrer. Ich habe dich bei der Schulleitung ins Gespräch gebracht. Wenn du die Stelle bekommst, ist der Job nicht nur angesehen, sondern auch gut bezahlt.“ Als sie diese Neuigkeiten hörte, war An Ran auf der Stelle versucht. Seit ihrer Kindheit hatte sie gehofft, eines Tages herauszuragen und sich einen Namen zu machen. Nun bot sich ihr diese großartige Gelegenheit, in den Lehrberuf einzusteigen, der als eine respektable Karriere galt. Sie wusste, dass man nur an einer Schule arbeiten konnte, wenn man Hochschulabsolvent war oder zumindest einen Fachschulabschluss hatte. Sie dachte bei sich: „Wie hätte ich ohne die Hilfe meiner Cousine je die Chance auf einen Job an einer Schule bekommen? Später kann ich dann die Prüfung für die Lehrbefähigung ablegen und eine geprüfte Lehrerin werden, dann kann ich Ruhm und Gewinn erlangen, oder? Wenn dieser Tag kommt, wird niemand mehr auf mich herabschauen.“ Bei diesem Gedanken sagte An Ran ohne zu zögern zu.

Als sie das Haus ihrer Cousine verließ, überschlugen sich An Rans Gedanken und sie überlegte: „Wenn ich künftig an einer Privatschule arbeite, habe ich nur alle zwei Wochen frei und werde sicher nicht an Versammlungen teilnehmen können. Gottes Werk geht bald zu Ende. Wenn mein Job meine Teilnahme an den Versammlungen beeinträchtigt, wird das schädlich für mein Leben sein.“ Doch dies war die Gelegenheit, ihren lang gehegten Traum, sich aus der Masse hervorzutun, zu verwirklichen. An Ran wollte sie nicht verstreichen lassen. Nach langem Überlegen entschied sie sich doch für den Job. Sie tröstete sich mit dem Gedanken, dass es schon in Ordnung wäre, solange sie in ihren Ferien mehr von Gottes Worten lesen und an Versammlungen teilnehmen würde; das würde wahrscheinlich keine allzu großen Auswirkungen haben.

Gegen Ende der Sommerferien bekam An Ran die Stelle tatsächlich und wurde, genau wie sie es sich gewünscht hatte, Grundschullehrerin. Endlich hatte An Ran die Bühne gefunden, um ihre Träume zu verwirklichen. Sie war voller Begeisterung und stürzte sich mit Leib und Seele in diese Arbeit.

Im Frühherbst begrüßte die Schule die neuen Schüler, und der Schulhof war erfüllt von ausgelassenem Geplapper und Gelächter. Mit gerunzelter Stirn und einem Stapel Arbeitshefte im Arm eilte An Ran zum Schulgebäude. Dabei dachte sie: „Der Konkurrenzkampf zwischen den Klassen ist an dieser Schule besonders hart. Die Testergebnisse der Klassen jedes Lehrers stehen im Mittelpunkt der Gespräche von Schulleitung und Fachbereichsleitern. Ich habe keinerlei Erfahrung im Unterrichten. Als ich anfing, hatten die Klassen, die ich unterrichtete, die schlechtesten Noten des ganzen Jahrgangs. Wenn ich mit den anderen Klassen mithalten will, muss ich noch viel mehr Zeit und Energie investieren.“ An Ran fasste einen Entschluss: „Ich muss ihre Noten verbessern und eine hervorragende Lehrerin werden, die von den Eltern der Schüler gelobt wird.“ Bei diesem Gedanken holte An Ran unwillkürlich tief Luft. „Was für ein immenser Druck!“

Von da an funktionierte An Ran wie ein aufgezogenes Uhrwerk und wagte es keine Sekunde, sich zu entspannen. Überstunden und lange Nächte wurden zur Routine; abends korrigierte sie Hausaufgaben und gab den schwächeren Schülern Nachhilfe, um ihre Noten zu verbessern. Nach einigen Monaten stiegen An Rans Klassen vom letzten Platz auf den ersten und zweiten Platz auf. Bald darauf folgten das Lob der Eltern und die hohe Anerkennung der Schulleitung, was An Rans Eitelkeit ungemein befriedigte. Sie war überglücklich, lief mit erhobenem Kopf umher und fühlte sich stolz, wenn sie Leuten aus ihrem Dorf begegnete. Sie war überzeugt, dass all ihre Mühsal es wert wäre, egal wie hart und anstrengend es sein mochte.

Doch hinter ihrer glänzenden Fassade verbargen sich endlose Bitterkeit und Leiden, von denen nur sie allein wusste.

„Ich habe es dir so oft gesagt, kannst du dir nicht eine weniger anstrengende Arbeit suchen? Schau dich doch an, in nur anderthalb Jahren hast du mehr als sechs Kilo abgenommen. Ständig nimmst du Medikamente, bekommst Spritzen und arbeitest dich bis zur Erschöpfung. Willst du dich umbringen? Du glaubst an Gott, wie kann es für dich in Ordnung sein, dass du nicht einmal zu den Versammlungen gehst? Wenn das so weitergeht, wirst du dann noch die Wahrheit verstehen und gerettet werden können?“ An Rans Mutter saß an ihrem Bett, ihre Augen voller Mitleid, und machte ihr Vorwürfe.

„Mama, ich weiß, dass dieser Job mich zu sehr einspannt und mir keine Zeit für Versammlungen lässt, aber …“ Bevor sie aussprechen konnte, begann An Rans Hals zu schmerzen.

Ihre Mutter drehte sich um und reichte ihr ein Glas Wasser. Nachdem ihre Mutter gegangen war, blickte An Ran auf das vergangene Jahr zurück. Der offene Konkurrenzkampf und die versteckten Machtkämpfe unter den Kollegen, die häufigen langen Nächte und der Arbeitsdruck hatten dazu geführt, dass An Ran unter Schlaflosigkeit litt und oft von Albträumen geplagt wurde, wenn sie es doch schaffte, einzuschlafen. Ihr Immunsystem war extrem geschwächt, und sie nahm fast täglich Medikamente. Das hohe tägliche Arbeitspensum ließ An Ran weder Zeit noch Energie, um vor Gott zu kommen. Sie fühlte sich wie eine Maschine, die unaufhörlich lief und außer der Arbeit kaum noch etwas kannte. Manchmal dachte sie: „Sollte ich den Job wechseln? Wenn das so weitergeht, schadet das wirklich meinem Lebensfortschritt. Aber wenn ich kündige, ist dann nicht der Traum, herauszuragen – den ich ja seit meiner Kindheit habe –, völlig zerstört? Werde ich je wieder eine so gute Gelegenheit bekommen?“ Die bewundernden Blicke von Verwandten und Freunden, das Lob der Eltern von meinen Schülern und der Schulleitung – all das war es, wonach An Ran sich gesehnt hatte. Sie dachte: „Man sagt doch, ‚Menschen müssen das nötige Rückgrat haben, um für ihre Würde zu kämpfen‘. Man lebt doch, um sich zu beweisen und Respekt zu verdienen, oder? Was hat das Leben für einen Sinn, wenn man sein ganzes Leben lang unbedeutend bleibt?“ An Ran stand auf, ging zurück an ihren Schreibtisch, nahm den Stift und schrieb weiter an ihren Unterrichtsplänen. Sie hatte sich entschieden, dass sie diesem Job nicht entsagen konnte, und dachte, solange sie ihre arbeitsfreien Tage gut nutzte, um Gottes Wort zu essen und zu trinken und öfter an Versammlungen teilzunehmen, würde das keinen Unterschied machen.

Während des Frühlingsfestes 2011, als An Ran gemeinsam mit ihrer Mutter das Haus putzte, konnte sie plötzlich ihren rechten Arm nicht mehr heben und wagte nicht, den Kopf zu senken. Als sie es doch versuchte, hörte sie ein knackendes Geräusch. An Ran war verängstigt und wusste nicht, was sie tun sollte.

„Sie haben eine Schultersteife und eine zervikale Spondylose. Beides sind berufsbedingte Erkrankungen. Wenn Sie nicht bald mit der Behandlung beginnen, könnte das in Zukunft zu einer Lähmung führen. Außerdem ist Ihre körperliche Konstitution besonders schlecht, Sie müssen also sofort mit der Behandlung beginnen“, riet ihr der Arzt in der Praxis mit ernstem Ton.

Nachdem sie die Worte des Arztes gehört hatte, bekam An Ran schreckliche Angst: „Ich bin doch erst neunzehn. Mein Leben hat gerade erst begonnen, und es gibt noch so viele Träume, die ich verwirklichen will. Wenn sich meine Schultersteife und die Spondylose verschlimmern, wie soll ich dann die Zeit, die vor mir liegt, überstehen? Werde ich überhaupt noch normal unterrichten und arbeiten können?“ Allein der Gedanke, dass ihr Traum, herauszuragen, zerplatzen könnte, widerstrebte An Ran zutiefst, und sie konnte nicht anders, als zu klagen: „Warum ist mein Leben so bitter? Warum kann ich meine Wünsche nicht verwirklichen? Bin ich dazu bestimmt, dass man mein ganzes Leben lang auf mich herabschaut?“ Sie konnte die Tränen nicht zurückhalten.

Der Himmel war grau, als ob es bald schneien würde. Der kalte Wind pfiff und ließ die Menschen zittern, als wären sie in einen Eiskeller gefallen.

An Ran kauerte sich mit frustriertem Gesicht auf ihrem Bett zusammen. Sie fühlte sich, als hätte sie keine Zukunft mehr und verlor für alles den Antrieb. In ihrem Schmerz konnte sie nur im Gebet vor Gott kommen: „O Gott, ich bin plötzlich so schwer krank geworden und habe Angst. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Das letzte Jahr habe ich die ganze Zeit gearbeitet und kaum an Versammlungen teilgenommen. Ich weiß, das entspricht nicht Deiner Absicht, aber ich kann es nicht ertragen, meine Arbeit aufzugeben. Ich empfinde mein Leben als bitter und verstehe nicht, warum mir all das passiert. Bitte erleuchte mich, damit ich aus diesem Schmerz herausfinde.“

Zu dieser Zeit waren Winterferien, und An Ran verbrachte ihre Zeit entweder bei Versammlungen oder zu Hause, wo sie Gottes Worte las. Besonders gern sah sie sich Evangeliumsfilme und -videos an. Als sie sah, wie im Zeitalter der Gnade viele Missionare weite Reisen nach China unternahmen, ihren Familien und Ehen entsagten und alle möglichen Arten von Verfolgung erduldeten, um dennoch unermüdlich das Evangelium zu predigen und sich bereitwillig für den Herrn aufzuwenden, ohne ihre Wahl zu bereuen, fühlte sich An Ran zutiefst inspiriert. Sie dachte bei sich: „Sie glaubten mit solchem Eifer an den Herrn Jesus, und ich habe heute Gottes dritte Werkphase angenommen und die Wiederkehr des Herrn Jesus willkommen geheißen. Ich habe mehr von Gottes Worten gehört und mehr Wahrheiten und Geheimnisse verstanden als sie. Ich habe so viel Bewässerung und Versorgung durch Gottes Worte genossen, also sollte ich umso mehr das Evangelium predigen und für Gott Zeugnis ablegen.“ An Ran erinnerte sich an viele Brüder und Schwestern in ihrem Umfeld, die Ehe und Arbeit aufgegeben hatten, um aktiv in der Kirche ihre Pflichten zu tun und Gottes Liebe zu vergelten. Sie selbst glaubte nun schon seit einigen Jahren an Gott und genoss Seine Gnade, aber anstatt ihre Pflichten zu tun, schaffte sie es nicht einmal, regelmäßig an den Versammlungen teilzunehmen. Sie fragte sich, ob sie ein Mensch war, der wirklich an Gott glaubt. Als sie an die Schwestern zurückdachte, mit denen sie sich früher versammelt hatte und die nun alle ihre Pflichten in der Kirche taten, während sie selbst nach Reichtum, Ruhm und Gewinn strebte, fragte sich An Ran: „Warum kann ich nicht aufhören, nach Reichtum, Ruhm und Gewinn zu streben?“

Eines Tages las An Ran einen Abschnitt aus Gottes Worten: „Das Schicksal des Menschen wird von Gottes Händen gelenkt. Du bist nicht in der Lage, dich selbst zu lenken: Selbst wenn sich der Mensch ständig für sich selbst abhetzt und geschäftig ist, bleibt er unfähig, sich selbst zu lenken. Wenn du deine eigenen Perspektiven wissen könntest, wenn du dein eigenes Schicksal lenken könntest, würde man dich dann noch als ein geschaffenes Wesen bezeichnen? Kurz gesagt, unabhängig davon, wie Gott wirkt, gilt Sein gesamtes Werk dem Menschen. Das ist genauso, wie die Himmel, die Erde und alle Dinge von Gott erschaffen wurden, um dem Menschen zu dienen: Gott hat den Mond, die Sonne und die Sterne für den Menschen gemacht, Er hat die Tiere und die Pflanzen für den Menschen gemacht, Er hat Frühling, Sommer, Herbst und Winter für den Menschen gemacht und so fort – all diese Dinge wurden für die menschliche Existenz gemacht. Ungeachtet dessen also, wie Gott den Menschen züchtigt und richtet, geschieht das alles um der Errettung des Menschen willen. Auch wenn Er den Menschen seiner fleischlichen Hoffnungen beraubt, dient das noch immer der Reinigung des Menschen, und die Reinigung des Menschen erfolgt um der Existenz des Menschen willen. Der Bestimmungsort des Menschen ist in den Händen des Schöpfers – wie also sollte der Mensch sich selbst lenken können?(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Die Wiederherstellung des normalen Lebens der Menschen und ihre Hinführung zu einem wundervollen Bestimmungsort). An Ran verstand, dass das Schicksal des Menschen in Gottes Händen liegt und nicht dem eigenen Verlangen unterworfen ist. Sie erkannte, dass sie nur ein unbedeutendes geschaffenes Wesen war und nicht kontrollieren konnte, welche Erfahrungen sie im Leben machen würde. Doch sie hatte immer alles auf ihre eigene Art machen wollen und sich nicht Gottes Herrschaft und Seinen Anordnungen unterworfen. Sie hatte auch geglaubt, sie sei vom Pech verfolgt, weil sie krank wurde und ihren Job nicht fortsetzen oder herausragen konnte. Sie dachte bei sich: „Ist das nicht ein Hadern mit Gott?“ Als An Ran über das vergangene Jahr nachdachte, wurde ihr klar, dass sie sich durch ihren Fokus auf die Arbeit immer weiter von Gott entfernt hatte. Wäre sie nicht krank geworden, hätte sie sich weiterhin völlig auf ihre Arbeit und das Geldverdienen versteift, ohne Zeit oder Energie, um vor Gott zu kommen. Jetzt konnte sie trotz ihres körperlichen Leidens zur Ruhe kommen und Zeit damit verbringen, Gottes Wort zu lesen, was eine gute Sache war. An Ran war bereit, sich zu unterwerfen und Gottes Absicht zu suchen.

Als die Wintersonne hervorkam, war ihre Wärme besonders einladend. Das Sonnenlicht erfüllte jeden Winkel des Hofes und hüllte ihren Körper in Wärme.

An Ran saß im Hof, lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und las leise diese Worte Gottes: „Jetzt ist die Zeit, da Mein Geist große Werke vollbringt, und die Zeit, da Ich Mein Werk unter den heidnischen Nationen beginne. Mehr noch ist es die Zeit, da Ich alle geschaffenen Wesen unterteile. Ich ordne jedes seiner jeweiligen Gruppe zu, damit Mein Werk schneller fortschreiten kann und besser in der Lage ist, Ergebnisse zu erzielen. Und so ist das, was Ich nach wie vor von dir verlange, dass du dein gesamtes Wesen Meinem ganzen Werk opferst und erst recht, dass du das ganze Werk, das Ich in dir verrichtet habe, klar erkennst und ganz genau wahrnimmst und deine ganze Energie aufwendest, damit Mein Werk noch bessere Ergebnisse erzielen kann. Das ist es, was du verstehen musst. Sieh davon ab, mit anderen zu konkurrieren, nach einem Plan B zu suchen oder dich um Bequemlichkeit für dein Fleisch zu bemühen, um zu vermeiden, dass du Mein Werk verzögerst und deiner wunderbaren Zukunft Steine in den Weg legst. Das zu tun würde dir bei weitem keinen Schutz bringen, sondern könnte nur Vernichtung über dich bringen. Wäre das nicht töricht von dir? Das, dem du heute frönst, ist genau das, was deine Zukunft ruiniert, während der Schmerz, den du heute erträgst, genau das ist, was dich beschützt. Du musst dir dieser Dinge deutlich bewusst sein, um nicht Versuchungen zu erliegen, bei denen es dir schwerfallen wird, dich aus ihnen zu befreien, und um zu vermeiden, in den dichten Nebel hineinzugeraten und die Sonne niemals wiederfinden zu können. Wenn der dichte Nebel aufklart, wirst du dich im Gericht des großen Tages wiederfinden(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Das Werk der Verbreitung des Evangeliums ist ebenso das Werk der Rettung des Menschen). Während sie über Gottes Worte nachdachte, verstand An Ran allmählich, dass sie seit ihrer Kindheit immer danach gestrebt hatte, sich von der Masse abzuheben, in dem Wunsch, ihr Schicksal mit ihren eigenen Händen zu verändern. Sie hatte immer gedacht: „Man muss sich in der Welt einen Namen machen und die Bewunderung der Menschen gewinnen, sonst ist das Leben bedeutungslos. Was hat das Leben für einen Sinn, wenn man zur Unterschicht gehört?“ In ihrem Streben nach Ruhm und danach, sich von der Masse abzuheben, hatte An Ran hart gearbeitet, um Geld zu verdienen. Und nachdem sie Gottes Werk der letzten Tage angenommen hatte – obwohl sie wusste, dass diese Phase des Wirkens darauf abzielte, die Menschen zu reinigen und umzuwandeln, dass es die letzte Phase von Gottes Werk war, eine einmalige Gelegenheit, und dass sie die Chance auf Rettung verlieren würde, wenn sie sie verpasste – entfernte sie sich dennoch von Gott, um nach Reichtum, Ruhm und Gewinn zu streben. Für sie machten die Erfüllung ihrer Ideale und ihres Verlangens und das Streben danach, sich von der Masse abzuheben, den Wert des Lebens aus. Dafür hatte sie unermüdlich gearbeitet und sich bitterlich im Strudel von Ruhm, Gewinn und Reichtum abgemüht, was sie letztendlich körperlich völlig zermürbt und zu tiefem Schmerz geführt hatte. Am wichtigsten war, dass sie sich von Gott entfernt und Ihn verraten hatte, um herauszuragen und um dieser sogenannten guten Zukunft willen, und dabei die Gelegenheiten, an Versammlungen teilzunehmen und die Wahrheit zu erlangen, versäumt hatte. War das nicht genau das, was Gottes Worte besagten: „Das, dem du heute frönst, ist genau das, was deine Zukunft ruiniert“? Das Streben nach Reichtum, Ruhm und Gewinn führt nicht in eine gute Zukunft; vielmehr schadet und ruiniert es einen! An Ran erkannte, dass diese Krankheit ihr zwar Schmerzen bereitete, aber auch ihr Streben nach Ruhm und Gewinn blockierte. Äußerlich schien die Krankheit ihre Träume zu zerstören, aber insgeheim hatte sie sie beschützt. Durch diese Krankheit konnte An Ran vor Gott kommen, über ihren eigenen Weg nachdenken und wirklich über ihr Leben nachsinnen – was war wichtiger: nach der Wahrheit und dem Leben zu streben, oder nach Ruhm und Gewinn? In diesem Moment hatte An Ran eine Erkenntnis und dachte an die Worte in der Bibel: „Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht; und siehe, es war alles eitel und Haschen nach dem Wind“ (Prediger 1,14). „Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?(Matthäus 16,26). Reichtum, Ruhm und Gewinn können vorübergehendes Vergnügen bringen, einem Ansehen und die Achtung anderer verschaffen, doch man versäumt so die Gelegenheit, die Wahrheit und die Errettung zu erlangen, was letztlich bedeutet, dass man sein Leben verspielt. Was für einen Sinn hat das?

An Ran las einen weiteren Abschnitt aus Gottes Worten: „Der Allmächtige hat Erbarmen mit diesen Menschen, die zutiefst gelitten haben; gleichzeitig ist Er diesen Menschen, die überhaupt kein Bewusstsein haben, abgeneigt, da Er zu lange warten muss, bevor Er eine Antwort der Menschen erhält. Er will suchen, dein Herz und deinen Geist suchen und dir Wasser und Nahrung bringen, damit du erwachst und nicht mehr durstig oder hungrig bist. Wenn du dich erschöpft fühlst und etwas von der Trostlosigkeit dieser Welt spürst, dann fühle dich nicht verloren, weine nicht. Der Allmächtige Gott, der Wächter, wird deine Ankunft jederzeit mit offenen Armen begrüßen. Er wacht an deiner Seite. Er wartet darauf, dass du dich wieder umdrehst, Er wartet auf den Tag, an dem du deine Erinnerung plötzlich wiedererlangst: an dem du feststellst, dass du von Gott kamst und dass du irgendwann die Orientierung verloren hast, irgendwann auf dem Weg bewusstlos wurdest und irgendwann einen ‚Vater‘ hattest; an dem du außerdem feststellst, dass der Allmächtige stets über dich gewacht hat, und eine sehr, sehr lange Zeit auf deine Rückkehr gewartet hat. Er hat verzweifelte Sehnsucht verspürt und auf eine Antwort gewartet, die ausblieb. Sein Wachehalten ist unbezahlbar und gilt dem menschlichen Herzen und dem menschlichen Geist. Vielleicht ist Sein Wachen unendlich oder vielleicht hat es ein Ende gefunden. Aber du solltest genau wissen, wo dein Herz und Geist im Augenblick sind(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Das Seufzen des Allmächtigen). Als An Ran las, wie Gott in Seinen Worten immer wieder die Menschheit ruft, war ihr Herz zutiefst bewegt, und Tränen verschleierten ihren Blick. Innerlich seufzte sie: „Gott hat also immer auf meine Rückkehr gewartet und nie aufgegeben, mich zu retten.“ An Ran erkannte: Obwohl sie Gottes Stimme schon vor langer Zeit gehört, viele Seiner Worte gelesen und gewusst hatte, dass Gott in den letzten Tagen Fleisch geworden war, um die Menschheit persönlich zu retten, und dass dies eine extrem seltene Gelegenheit war, war ihr Herz doch zu uneinsichtig und abgestumpft gewesen. Sie hatte ihre Gedanken, ihre Energie und ihre Zeit darauf konzentriert, Geld zu verdienen, nach der Achtung anderer zu streben und sich selbst zu erhöhen. Ihr war bewusst: wenn sie diesen Weg weiterginge, würde sie sich nur selbst erschöpfen und zu einem reinen Opfer von Ruhm, Gewinn und Status werden, sie würde sich damit keine gute Zukunft sichern können und sich letztendlich selbst ruinieren. In diesem Moment war An Ran zutiefst berührt, ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie erkannte, dass alles, was Gott ihr gegeben hatte, Liebe und Errettung war, während sie mit Ablehnung, Ausweichen und Widerstand geantwortet hatte. Sie fühlte sich Gott gegenüber in der Schuld. Im Stillen nahm sie sich vor, ernsthaft Gottes Worte zu essen und zu trinken, an Versammlungen teilzunehmen und nie wieder in Mutlosigkeit und einen geistlichen Abstieg zu versinken.

Sie hörte sich dann eine Lesung von Gottes Worten an: „Du bist ein geschaffenes Wesen – selbstverständlich solltest du Gott anbeten und ein bedeutsames Leben anstreben. Wenn du Gott nicht anbetest, sondern in deinem unreinen Fleisch lebst, bist du dann nicht nur ein Tier in menschlicher Kleidung? Da du ein Mensch bist, solltest du dich für Gott aufwenden und alles Leid ertragen! Das wenige Leid, dem du heute unterworfen bist, solltest du mit Freude und beruhigt akzeptieren und ein bedeutsames Leben führen – wie Hiob und Petrus. In dieser Welt trägt der Mensch des Teufels Kleidung, isst die Speisen vom Teufel und arbeitet und dient unter dem Joch des Teufels und wird von ihm so niedergetrampelt, dass er schließlich völlig von seinem Schmutz überzogen ist. Er hat die Bedeutung des Lebens nicht begriffen, noch den wahren Weg erlangt – welche Bedeutung liegt dann darin, so zu leben? Ihr seid Menschen, die den richtigen Pfad verfolgen, die nach Verbesserung streben. Ihr seid Menschen, die sich im Land des großen roten Drachen erheben, diejenigen, die Gott gerecht nennt. Ist dies nicht das bedeutungsvollste Leben?(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Praxis (2)). Während sie sich Gottes Worte anhörte, fand An Ran das richtige Lebensziel und fühlte sich sehr befreit und unbeschwert. Sie dachte an all die Jahre zurück, in denen sie für Ruhm und Gewinn gelebt hatte. Durch ihr Verlangen, herauszuragen, hatte sie sich selbst schreckliches Leid zugefügt, sich dadurch mit Stress, Schmerz und Bitterkeit belastet, und hätte am Ende an der Seite Satans der Zerstörung entgegengesehen. All das war darauf zurückzuführen, dass sie nach einer falschen Lebensanschauung gelebt hatte. Jetzt verstand An Ran, dass Reichtum, Status, Ruhm und Gewinn allesamt Nichtigkeiten sind. Als geschaffenes Wesen ist es das sinnvollste Dasein, sein Leben Gott zu widmen, nach der Wahrheit zu streben und Gott zu erkennen. Wenn sie während Gottes Wirken ernsthaft nach der Wahrheit streben und ihre verdorbene Disposition ablegen könnte, könnte sie schließlich zu jemandem werden, der von Gott anerkannt wird. Selbst wenn sie in ihrem Leben keine Anerkennung von Menschen erhielte, von Gott anerkannt zu werden, wäre das das Sinnvollste und Wertvollste überhaupt. Als sie an die vielen Brüder und Schwestern dachte – einige Hochschulabsolventen, einige aus Unternehmerfamilien –, die ihren eigenen Ruhm und Gewinn aufgeben konnten, um ihre Pflichten zu tun, fragte sie sich, was es gäbe, das sie, eine einfache Lehrerin, nicht loslassen könnte. An Ran schloss ihr Buch mit Gottes Worten, kniete nieder und betete: „Gott, ich war aufsässig. Ich habe im Streben nach Reichtum, Ruhm und Gewinn gelebt und wollte nicht vor Dich kommen. Heute bin ich aufgewacht und erkenne, dass es sich nicht lohnt, sein Leben für Ruhm, Gewinn und Reichtum zu opfern. Gott, danke, dass Du nie aufgegeben hast, mich zu retten, und immer auf meine Rückkehr gewartet hast. Ich bin von nun an bereit, mich darauf zu konzentrieren, Deine Worte zu essen und zu trinken, an mehr Versammlungen teilzunehmen und meine Pflichten zu tun. Ich will nicht länger von Satan getäuscht und gequält werden.“ Nach dem Gebet spürte An Ran, wie sie in ihrem Herzen gefestigter war. In den folgenden Tagen aß und trank sie jeden Tag eifrig Gottes Worte und nahm an mehr Versammlungen teil.

Kurz nach dem Frühlingsfest rief sie plötzlich eine Klassenkameradin an, mit der sie den Kontakt verloren hatte. Sie bot ihr eine Stelle in einem Nachmittagsprogramm der Stadt an, wo sie nur während der Essenszeiten Schülern Nachhilfe geben sollte. Obwohl dieser Job schlechter bezahlt war und keine Anerkennung oder Bewunderung mit sich brachte, freute sich An Ran sehr darüber, dass sie nun mehr Zeit hatte, um Gottes Worte zu essen und zu trinken und ihre Pflichten zu tun.

An einem weiteren Sonntagmorgen, als An Ran auf dem Heimweg war und die anderen Passanten geschäftig auf der Straße ihrer Wege gingen, verlangsamte sie ihre Schritte. Sie dachte daran, wie sie gestern einen Anruf von ihrer Cousine erhalten hatte, die sie drängte, an die Arbeit in die Schule zurückzukehren; auch ihre Verwandten redeten ihr zu. An Ran überlegte: „Meine Krankheit hat sich gebessert und ich bin noch jung – warum es nicht noch einmal versuchen? Wenn ich an die Schule zurückkehre, werden die Achtung und Bewunderung der anderen folgen.“

Als ein Windstoß vorbeizog, erinnerte sich An Ran an die bitteren Tage in der Schule. Jetzt hatte sie es endlich geschafft, sich aus dem Sumpf von Reichtum, Ruhm und Gewinn zu befreien, und konnte normal an Versammlungen teilnehmen, Gottes Worte essen und trinken und ihre Pflicht tun. Sie dachte bei sich: „Wenn ich wieder an der Schule arbeite, würde ich mir damit nicht unnötiges Leid aufhalsen?“

Bei diesem Gedanken holte An Ran ihr Handy hervor und schrieb ihrer Cousine eine Nachricht, in der sie höflich ablehnte.

Tüüüt! Mit einem Hupen hielt ein Auto vor An Ran. Sie nahm ihre Arbeitstasche und begab sich auf den Weg, um ihre Pflichten zu tun.

Während sie am Autofenster saß, dachte An Ran über ihren Lebensweg nach: von jemandem, der tief in Geld, Ruhm und Gewinn verstrickt war, zu einem Mitglied, das im Hause Gottes seine Pflichten tat. Sie erkannte, dass jeder Schritt tatsächlich von Gott geleitet und von so viel Liebe und Errettung Gottes geprägt war. Wäre da nicht die Erleuchtung und Leitung durch Gottes Worte gewesen, wäre sie immer noch im Strudel des Strebens nach Ruhm, Gewinn und Status gefangen. Still dankte sie Gott in ihrem Herzen, wollte nur noch die kostbare Zeit, die sie jetzt hatte, schätzen, ernsthaft nach der Wahrheit streben und ihre Pflichten erfüllen, um Gottes Herz zu erfreuen.

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