57. Wenn Mama im Gefängnis sitzt

Von Zhou Jie, China

Ich war 15, als meine Mutter und ich von zu Hause flohen. Ich erinnere mich an diesen Abend im Jahr 2002, als wir spät nachts das Haus verließen. Meine Mutter flüsterte mir zu, dass die Polizei auf dem Weg zu unserem Haus war, um sie zu verhaften, und dass wir nicht bleiben konnten und sofort weggehen mussten. Hektisch sammelten wir ein paar Habseligkeiten ein und verließen dann in aller Eile das Haus. Seitdem sind meine Mutter und ich nie wieder nach Hause zurückgekehrt. Deshalb hat sie mich nicht mitgenommen. Sie brachte mich bei Verwandten unter, während sie sich in einer anderen Stadt versteckte. Meine Mutter hatte diesen Verwandten oft geholfen, als sie noch geschäftlich tätig war. Jetzt steckten wir in Schwierigkeiten, und sie hatten eine Heidenangst, was passieren könnte, und wollten nichts damit zu tun haben. Sie wollten mich nicht bei sich aufnehmen und stichelten sogar gegen meine Mutter. Sie sagten, ihr Glaube an Gott habe sie obdachlos gemacht und sie sei nicht mal in der Lage, sich um ihr Kind zu kümmern. Sie wollten, dass meine Mutter mich wegbringt. Ich ärgerte mich über die Art, wie sie meine Mutter missverstanden. Es lag doch auf der Hand, dass es nur wegen der Polizei war, meine Mutter hatte keine Schuld. Ich wollte wirklich sofort von dort weg. Ich wollte nicht eine Minute länger bleiben. Ich hoffte, dass meine Mutter bald zurückkommen und mich holen würde. Als meine Mutter das erste Mal fortging, war das sehr schwer für mich. Ich hatte niemanden mehr, auf den ich mich stützen konnte, und habe sehr gelitten. Meine Mutter war allein erziehend. Meine Eltern hatten sich scheiden lassen, als ich drei war. Meine Mutter und ich hielten zusammen, wir waren nie getrennt. Immer wenn ich daran dachte, dass meine Mutter nicht mehr in der Lage war, sich um mich zu kümmern, fing ich an zu weinen. Wenn ich mich traurig und hilflos fühlte, betete ich zu Gott. Ich betete: „Lieber Gott! Meine Mutter kann sich nicht mehr um mich kümmern. Bitte gib mir Kraft.“ Nach dem Gebet stieß ich auf eine Stelle in Gottes Worten, in der es heißt: „Fürchte dich nicht vor diesem oder jenem; der Allmächtige Gott der Heerscharen wird gewiss mit dir sein; Er fungiert als eure Rückendeckung und euer Schutzschild(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Kundgebungen Christi am Anfang, Kapitel 26). „Schreite mutig voran; Ich bin dein Fels der Stärke, vertraue daher auf Mich!(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Kundgebungen Christi am Anfang, Kapitel 10). Gottes Worte machten mir die Sache etwas klarer. Meine Mutter war nicht mehr an meiner Seite, aber Gott stand hinter mir, und ich konnte mich auf Ihn verlassen. Ich durfte mich von dieser Bedrängnis nicht unterkriegen lassen und konnte mich nicht mehr auf meine Mutter stützen, ich musste lernen, stark zu sein – welche Härten und Schwierigkeiten ich auch erlebte, ich musste mich auf Gott verlassen und ausharren. Später lebte ich dann bei der Familie von Schwester Zhang. Alle drei Familienmitglieder sind gläubig. Wir waren zwar nicht blutsverwandt, doch sie waren wirklich gut zu mir. Die Tochter von Schwester Zhang las mir oft aus Gottes Worten vor und hielt mit mir Gemeinschaft über die Wahrheit. Obwohl meine Mutter nicht mehr an meiner Seite war, fühlte ich mich nicht einsam. Ich war wirklich gern mit meinen Brüdern und Schwestern zusammen.

Das war im Jahr 2003. Meine Mutter verkündete das Evangelium in einer anderen Stadt. Eines Tages kam ein Brief von ihr, in dem sie schrieb, sie würde sich gern mit mir treffen. Ich sollte am angegebenen Ort und zur angegebenen Zeit auf sie warten. Ich war so glücklich und aufgeregt, als ich ihren Brief las, dass ich diese Nacht kaum schlafen konnte. Am Tag des Treffens kam ich pünktlich zu unserem Treffpunkt, aber nachdem ich eine Stunde gewartet hatte, war immer noch nichts von ihr zu sehen. Ich rief sie ein paar Mal über ihren Pager an, aber sie reagierte nicht. An diesem Tag wartete ich von mittags bis abends um acht auf sie, aber sie kam nicht. Ich war sehr enttäuscht und wusste, dass etwas nicht stimmte. Am nächsten Tag informierte mich mein Leiter, dass am Tag zuvor acht Brüder und Schwestern verhaftet worden waren, als sie das Evangelium verbreiteten. Eine davon war meine Mutter war. Er wies mich an, den Pager, über den ich mit meiner Mutter in Kontakt treten konnte, sofort zu zerstören. Das zu hören versetzte mich in große Unruhe. Immer wieder betete ich zu Gott und bat Ihn, sie zu beschützen und ihr zu helfen, Zeugnis abzulegen. Wann immer ich in dieser Zeit an meine Mutter dachte, musste ich weinen. Ich war in großer Sorge, dass sie geschlagen oder gefoltert wurde. Sie muss im Gefängnis sehr gelitten haben. Wann wurde sie freigelassen? Ich war ständig so beunruhigt, dass ich eines Tages plötzlich in Ohnmacht fiel. Als ich wieder zu mir kam, schleppte ich mich langsam zurück in mein Zimmer und stützte mich dabei an der Wand ab. Dann legte ich mich aufs Bett und weinte und dachte, wie einsam und hilflos ich doch war. In meiner schlimmsten Stunde war es Gott, der mir den Weg wies. Ich erinnerte mich an ein Kirchenlied: „Während meiner Läuterung leidet Dein Herz mit mir. Deine Worte gewähren, was mir fehlt; wenn ich traurig bin, bringen sie mir Trost. …“ („Folge dem Lamm und singe neue Lieder, Gottes Liebe hat mein Herz erweicht“). Ich erkannte deutlich, dass dies Gottes Führung war. Mir wurde augenblicklich klar, dass ich nicht allein bin – Gott ist bei mir. Meine Mutter konnte nicht bei mir sein, weil der große rote Drache sie verfolgte. Sie konnte sich nicht um mich kümmern und mich nicht trösten, aber Gott war nicht von meiner Seite gewichen. In meiner dunkelsten Stunde war Gott da, um mich zu trösten. Ich spürte, wie nahe Er mir war, und erkannte, dass Er der Einzige ist, auf den ich mich wirklich verlassen kann. Ich dachte mir: „Wenn Gott mich so leiten kann, bin ich sicher, dass Er auch meiner Mutter in ihrer Bedrängnis hilft.“ Als mir das begriffen hatte, wurde ich ein wenig munterer, und die Sorge um meine meine Mutter beherrschte mich nicht mehr ausschließlich. Später war es mir vergönnt, meine Mutter zu sehen. Vier Monate hatte sie im Gefängnis gesessen und war erst frei gekommen, als sie eine Beziehung nutzte, um ihre Entlassung zu erreichen. Als wir uns trafen, war sie voller Sorge um mich und gab mir zahlreiche Ratschläge. Wir hielten Gemeinschaft darüber und ermutigten uns gegenseitig und schlossen einen Pakt, dass wir immer Gott folgen und unsere Pflichten erfüllen würden, egal was uns widerfuhr.

Es war im September, und meine Mutter war immer noch dabei, das Evangelium in einer anderen Stadt zu verbreiten. Ich hatte gehört, dass eine Schwester, die eine wichtige Pflicht erfüllte, verhaftet worden war. Viele der Leute, die mit in Kontakt hatten, schwebten in Gefahr und mussten umziehen. Ich überlegte, wer diese Schwester sein könnte? Mein Leiter sagte mir, ich müsse meine SIM-Karte, über die ich mit meiner Mutter in Kontakt war, vernichten. Mir war sofort klar, dass die verhaftete Frau meine Mutter war. Ich wusste, sie war verhaftet worden, weil sie Bücher mit Gottes Worten gedruckt hatte, und dass ihr brutale Schläge und Folter drohten. Die nächsten Tage war ich in größter Angst um meine Mutter und konnte nachts nicht schlafen. Kurze Zeit später erfuhr ich, dass mehr als zwanzig Brüder und Schwestern verhaftet worden waren Alle waren gefoltert worden. Als ich das hörte, geriet ich in noch größere Angst. Wurde meine Mutter in diesem Moment gefoltert? War sie am Leben oder tot? Meine Mutter war in großer Gefahr, und alles, was ich tun konnte, war, mich zu sorgen und in Panik zu verfallen – ich konnte nichts für sie tun. Ich fühlte mich schrecklich. Ich konnte den Gedanken nicht unterdrücken, dass wenn meine Mutter nicht eine so gefährliche Aufgabe übernommen hätte, sie vielleicht nicht verhaftet und gefoltert worden wäre. Es ist so schwer und so gefährlich, in China an Gott zu glauben. In dieser Zeit war ich sehr schwach. Ich war verwirrt und verloren und hatte keine Lust, überhaupt irgendetwas zu tun. Ich hatte keine Energie und war lustlos in der Ausübung meiner Pflicht. Jeden Tag betete ich zu Gott und bat Ihn, meine Mutter zu beschützen.

Eines Tages sah ich einen Abschnitt in Gottes Worten, in dem es hieß: „Als Mose auf den Fels schlug und das Wasser heraussprudelte, das Jehova spendete, geschah dies aufgrund seines Glaubens. Als David zu Meinem, Jehovas, Lob die Harfe und Leier spielte, mit seinem Herzen voller Freude, geschah dies aufgrund seines Glaubens. Als Hiob sein Vieh, das die Berge bedeckte, sowie unermessliche Mengen von Reichtum verlor, und als sein Leib von wunden Geschwüren übersät wurde, geschah dies aufgrund seines Glaubens. Als er Meine, Jehovas, Stimme hören konnte und Meine, Jehovas, Herrlichkeit sehen konnte, geschah dies aufgrund seines Glaubens. Dass Petrus Jesus Christus folgen konnte, war auf seinen Glauben zurückzuführen. Dass er um Meinetwillen ans Kreuz genagelt werden und ein glorreiches Zeugnis ablegen konnte, war auch auf seinen Glauben zurückzuführen. Als Johannes das glorreiche Ebenbild des Menschensohns erblickte, war das auf seinen Glauben zurückzuführen. Als er die Vision der letzten Tage erblickte, geschah dies umso mehr aufgrund seines Glaubens. Auch der Grund, warum die sogenannten Scharen der heidnischen Nationen Meine Offenbarung empfangen haben und zu der Erkenntnis gelangt sind, dass Ich im Fleisch wiedergekehrt bin, um Mein Werk unter den Menschen zu tun, liegt in ihrem Glauben. All jene, die von Meinen harten Worten getroffen werden und dennoch Trost daraus gewinnen und gerettet werden – gelingt ihnen das nicht aufgrund ihres Glaubens? Aufgrund ihres Glaubens haben die Menschen so viel empfangen, und nicht notwendigerweise Segen. Sie mögen nicht die Art von Glück und Freude empfangen, die David verspürte, oder von Jehova gespendetes Wasser haben, wie es Mose hatte. Hiob, zum Beispiel, war von Jehova aufgrund seines Glaubens gesegnet, doch er empfing auch Widrigkeiten. Ob du Segnungen empfängst oder Widrigkeiten, beides sind gesegnete Geschehnisse. Ohne deinen Glauben wärest du nicht in der Lage, dieses Eroberungswerk zu empfangen, und noch viel weniger wärst du in der Lage, zu sehen, wie Jehovas Taten sich heute vor deinen Augen abspielen – du wärest nicht imstande, das zu sehen, und noch weniger wärest du imstande, es zu gewinnen(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Die wahre Geschichte des Eroberungswerks (1)). Ich dachte: „Das stimmt, es liegt alles in Gottes Hand, ob wir gesegnet sind oder Unglück erleiden. Die Nöte und Prüfungen, die wir in unserem Glauben durchmachen, sind Gottes Art, uns zu erheben und zu prüfen.“ Genau wie bei Hiob – Satan schloss eine Wette mit Gott ab, dass er Hiob in Versuchung führen kann, indem er ihn seiner Kinder und seines Viehs beraubt und seinen Körper mit Geschwüren und schwärenden Wunden bedeckt, sodass er Gott verleugnen und sich von Ihm abwenden würde. Gott nutzte diese Prüfung, um Hiob zu testen und seinen Glauben zu vervollkommnen. Hiob machte Gott nicht nur keine Vorwürfe, sondern pries Ihn und sagte: „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten die Not nicht auch annehmen?“ (Hiob 2,10). „Jehova hat’s gegeben, Jehova hat’s genommen; der Name Jehovas sei gelobt“ (Hiob 1,21). Hiob legte für Gott Zeugnis ab und erhielt Seinen Beifall, und er hörte sogar Gottes Stimme in einem Wirbelsturm. Dadurch wurde sein Glaube an Gott noch echter, und das ist ein noch größerer Segen, den er von Ihm empfing. Oberflächlich betrachtet war es eine Katastrophe, dass der große rote Drache meiner Mutter Leid zufügte, in Wirklichkeit aber nutzte Gott die Situation, um uns zu prüfen und unseren Glauben zu vervollkommnen. Das war Gottes Erhöhung. Mir wurde plötzlich klar, dass Satan mich beobachtete und Gott darauf wartete, dass ich meinen Standpunkt kundtat. Sie warteten darauf, ob ich meinen Glauben an Gott verlieren, Ihn verleugnen und verraten würde, weil meine Mutter im Gefängnis war. Nachdem ich das begriffen hatte, war ich bereit, mich auf Gottes Seite zu stellen, Ihm nicht die Schuld zu geben, Ihn nicht zu verraten und meine Pflicht zu erfüllen, um Ihn zufrieden zu stellen. Sobald ich Gottes Absicht verstanden hatte, hörte ich auf, mich so um meine Mutter zu ängstigen, und war bereit, mich Gottes Orchestrierungen und Anordnungen zu unterwerfen.

Sie wurde zu zwei Jahren Umerziehung durch Arbeit verurteilt. Ich war entsetzt, als ich das erfuhr. Zwei Jahre sind eine sehr lange Zeit. Die Lebensbedingungen und das Essen im Gefängnis sind schrecklich, und man muss jeden Tag arbeiten. Wie sollte meine Mutter diese höllischen Bedingungen und brutalen Misshandlungen überleben? Sie war über 50 – wie lange würde ihr Körper diese Folter aushalten? Eines Tages sah ich einen Abschnitt in Gottes Worten, in dem es heißt: „Von dem Augenblick an, in dem du schreiend auf diese Welt kommst, beginnst du, deine Verantwortlichkeiten zu erfüllen. Um Gottes Plan und Seiner Vorherbestimmung willen spielst du deine Rolle und beginnst deine Lebensreise. Was auch immer dein Hintergrund sein mag und welche Reise auch immer vor dir liegt – es kann so oder so niemand den Orchestrierungen und Anordnungen des Himmels entgehen oder sein eigenes Schicksal kontrollieren, denn nur Er, der über alle Dinge herrscht, ist eines solchen Werkes fähig(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Gott ist die Quelle menschlichen Lebens). Gottes Worte halfen mir zu verstehen, dass jeder Mensch eine Rolle und einen Zweck in seinem Leben hat und dass der Verlauf, den dein Leben nehmen wird, schon vor langer Zeit von Gott vorherbestimmt wurde. Meine Mutter hatte eine Rolle zu spielen und eine Mission zu erfüllen. Zwei Jahre im Gefängnis waren eine lange Zeit, aber das war etwas, was sie überstehen musste. Wie es ihrem Körper ergehen würde und wie viel Leid sie ertragen konnte, hing von Gott ab. Gott ließ zu, dass der große roten Drache meiner Mutter Leid zufügte und sie verhaftete und ins Gefängnis steckte, weil Er sie testete. Gott gab ihr die Gelegenheit, für Ihn Zeugnis abzulegen. Ich sollte stolz sein. Auch ich musste aus dieser Situation lernen. Ich musste lernen, mich nicht zu beklagen und Gott Vorwürfe zu machen, wenn ich in Not geriet, und lernen, wie ich mich unterordnen und meine Pflicht erfüllen kann. Nachdem ich Gottes Absichten verstanden hatte, betete ich zu Gott und sagte Ihm, meine Mutter sei in Seinen Händen, und bat Ihn, sie im Gefängnis zu beschützen, damit sie Zeugnis ablegen konnte.

Eineinhalb Jahre später, hörte ich, dass meine Mutter vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden war, und ich nahm Kontakt zu ihr auf. Damit die Polizei uns nicht folgen und beobachten würde, beschlossen wir, uns in einer Sauna zu treffen. An diesem Tag kam ich eine Stunde zu früh. Ich hatte Herzrasen vor lauter Erwartung und war schrecklich aufgeregt, meine Mutter zu sehen. Ich hielt meinen Blick auf den Eingang geheftet, und dann sah ich durch ein Fenster eine ausgemergelte Frau mittleren Alters. Als sie eintrat, sagte sie zu einer Angestellten, ihre Tochter würde drinnen auf sie warten. Als ich sie sprechen hörte, dachte ich: „Ist das nicht die Stimme meiner Mutter?“ Es dauerte eine Sekunde, bis ich begriff. Wenn sie nicht gesprochen hätte, hätte ich sie überhaupt nicht erkannt. Meine Mutter hatte früher eine aufrechte, gerade Haltung und war eine kultivierte und elegante Erscheinung. Sie hatte viel Gewicht verloren und war viel gebückter als früher. Sie hatte sich sehr verändert. Ich rannte geradewegs auf sie zu und rief: „Mama!“ Meine Mutter drehte sich zu mir um. Ihr Gesicht war so abgemagert, dass ich sie nicht erkennen konnte. Sie hatte einen fahlen Teint und sah dünn und erschöpft aus. Ihre Augen waren stumpf wie die eines Menschen, der überanstrengt und überreizt worden war. Ich brach fast zusammen, als ich sie so sah. Ich konnte mir nicht vorstellen, was sie im Gefängnis durchgemacht haben musste – konnte nicht einmal den Gedanken daran ertragen. Tränen stiegen mir in die Augen. Meine Mutter, die neben mir saß, drückte meine Hand ganz fest und fragte mich, wie es mir in den letzten Jahren ergangen sei. Im Gefängnis habe sie sich am meisten Sorgen um mich gemacht und oft für mich gebetet. Sie hatte Angst, dass ich das Trauma nicht verkraftete und mich von Gott abwenden würde. Als sie hörte, dass ich immer noch an Gott glaubte und meine Pflicht erfüllte, war sie sehr glücklich. Als wir uns umkleideten, tat es mir in der Seele weh, zu sehen, wie dünn meine Mutter geworden war. Als sie sich umdrehte, sah ich, dass sie eine Narbe über dem linken Schlüsselbein hatte. Die Narbe war schwarz und der Knochen war in der Mitte eingesunken, als sei er gebrochen. Ich konnte es einfach nicht ertragen, sie so zu sehen. Ich kämpfte mit den Tränen und fragte sie: „Wie hast du diese Narbe bekommen? Hat dich die Polizei geschlagen? Tut es noch weh?“ Meine Mutter befürchtete, ich würde mir wieder Sorgen um sie machen, und meinte, es bereits verheilt und verursache ihr keine Schmerzen mehr. Erst Jahre später erfuhr ich, dass meine Mutter nach ihrer Verhaftung grausam gefoltert worden war. Ein professionell ausgebildeter Polizist hatte ihr dreißigmal auf die Schulter geschlagen, dabei brach und zersplitterte er viele Knochen, kugelte ihr die Schulter aus, und viele Wirbel verschoben sich. Zum Glück hat Gott sie beschützt. Meine Mutter erholte sich auf wundersame Weise vollständig, und all ihre Knochenbrüche heilten vollständig aus. Selbst die Gefängnisärzte waren überrascht, wie schnell sie heilte.

Nicht lange danach mussten sich unsere Wege wieder trennen, denn meine Mutter war gerade erst entlassen worden, und die Polizei hatte sie wahrscheinlich immer noch unter Beobachtung. Zu meiner eigenen Sicherheit mussten wir noch eine Weile getrennt sein. Das war damals sehr schwer für mich, ich wollte bei ihr bleiben und mich um sie kümmern. Aber wegen der Verfolgung durch den großen roten Drachen, konnte ich nicht einmal meiner Verantwortung als Tochter gerecht werden. Ich fühlte mich einfach schrecklich. Auf dem Heimweg gingen mir die Bilder von Mutters zerbrechlichem Körper und der Narbe an ihrem Schlüsselbein wieder und wieder durch den Kopf. Jedes Mal, wenn ich ein Bild vor meinem inneren Auge sah, fing die Qual von neuem an. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie sehr diese Polizisten sie gequält, wie brutal sie sie behandelt haben mussten. Ich war zutiefst empört. Der große rote Drache ist so grausam und böse! Eine Passage aus Gottes Worten kam mir in den Sinn: „Es ist somit nicht verwunderlich, dass der menschgewordene Gott vollkommen verborgen bleibt: Wie könnte in einer dunklen Gesellschaft wie dieser, in der die Dämonen gnadenlos und unmenschlich sind, der König der Teufel, der Menschen ohne mit der Wimper zu zucken tötet, die Existenz eines Gottes tolerieren, der liebenswert, gütig und auch heilig ist? Wie könnte er die Ankunft Gottes begeistert mit Jubel und Beifall begrüßen? Diese Lakaien! Sie vergelten Güte mit Hass, sie fingen vor langer Zeit an, Gott wie einen Feind zu behandeln, sie misshandeln Gott, sie sind hochgradige Barbaren, sie haben nicht den geringsten Respekt vor Gott, sie plündern und überfallen, sie haben jegliches Gewissen verloren, sie widersetzen sich jeglichem Gewissen und sie betören die unschuldige Menschheit bis in die Benommenheit. Welche Nachfolger der alten Weisen? Welche geliebten Anführer? Das sind alles elende Wichte, die sich Gott widersetzen! Ihre Einmischung hat alles unter dem Himmel in einen Zustand der Dunkelheit und des Chaos versetzt! Welche Religionsfreiheit? Welche legitimen Rechte und Interessen der Bürger? Das sind alles Tricks, um das Böse zu vertuschen!(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Werk und Eintritt (8)). Ich erkannte deutlich das grausame, sich Gott widersetzende, dämonische Wesen des großen roten Drachen. Diese Beamten fielen aufs Brutalste über eine Frau mittleren Alters her, nur weil sie an Gott glaubt, ohne sich darum zu kümmern, ob sie lebt oder stirbt. Das machte mich so wütend. Gott hat die Menschheit erschaffen, also sollten wir natürlich an Gott glauben und Ihn anbeten, aber der große rote Drache schreckt vor nichts zurück, um Menschen zu foltern und zu misshandeln, damit sie Gott verleugnen und verraten. Die Kommunisten sind so verachtenswert, böse und grausam! Früher dachte ich, Regierungsbeamte und Polizisten seien allesamt gute Menschen. Erst als ich der Verfolgung durch den großen roten Drachen ausgesetzt war, wurde mir klar, dass ihre Beteuerungen, die Bürger besäßen gesetzlich vrebürgte Rechte und Religionsfreiheit, nur Täuschung und Lüge waren. Sie verhaften, verfolgen, foltern und schlagen Gläubige wie die Wahnsinnigen und brennen darauf, sie alle umzubringen. Sie sind nichts anderes als ein Rudel sich Gott widersetzender Dämonen. Ich hasse sie alle aus tiefstem Herzen. Ich möchte mein Herz an Gott übergeben, Ihm folgen und meine Pflicht erfüllen.

2013 wurde meine Mutter erneut verhaftet. Zuerst war ich ein wenig besorgt. Ich dachte: „Wird Mama wieder gefoltert werden? Wird man sie zu einer Gefängnisstrafe verurteilen? Kann ihr Körper wirklich eine weitere Gefängnisstrafe verkraften?“ Während ich so überlegte, wurde mir auf einmal klar, dass meine Mutter mit Gottes Erlaubnis verhaftet worden war. Ich sollte mich fügen und Gottes Willen suchen. Ich dachte an die Worte Gottes, die lauten: „Habt ihr jemals die Segnungen angenommen, die für euch vorbereitet wurden? Habt ihr jemals nach den Verheißungen gestrebt, die euch gelten? Unter der Führung Meines Lichtes werdet ihr den Würgegriff der Mächte der Finsternis durchbrechen. Ihr werdet inmitten der Dunkelheit nicht die Führung des Lichts verlieren. Ihr werdet die Herren aller Dinge sein. Ihr werdet vor Satan Überwinder sein. Beim Niedergang des Landes des großen roten Drachen werdet ihr als Beweis für Meinen Sieg inmitten der unzähligen Menschen stehen. Im Lande Sinim werdet ihr standhaft und unerschütterlich sein. Durch die Leiden, die ihr ertragt, werdet ihr Meine Segnungen erben und ihr werdet Mein Licht der Herrlichkeit innerhalb des ganzen Universums ausstrahlen(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Die Worte Gottes an das gesamte Universum, Kapitel 19). Gottes Worte halfen mir zu erkennen, dass meine Mutter dieses Mal mit Gottes Erlaubnis verhaftet worden war. Gott benutzt die Verfolgung durch den großen roten Drachen, um unseren Glauben zu vervollkommnen und uns die Wahrheit zu schenken und uns zu erlauben, für Ihn Zeugnis abzulegen. Ich hörte auch, wie meine Brüder und Schwestern Gemeinschaft über Gläubige hielten, die mehrmals verhaftet worden waren, und schließlich, wenn sie von den Kommunisten mit einer Gefängnisstrafe konfrontiert wurden, sich nicht mehr von Satans dunklem Einfluss fesseln ließen. Ganz gleich, wie oft sie verhaftet wurden, sie glaubten immer noch an Gott und erfüllten ihre Pflichten, wenn sie freigelassen wurden, und fühlten sich befreit und frei. Das war die Rettung Gottes. Nachdem ich Gottes Absicht verstanden hatte, war ich viel gelassener. Ich betete zu Gott für Mama, und bat Ihn, ihr zu helfen, keine Angst vor dem Einfluss des großen roten Drachen zu haben und ein überwältigendes Zeugnis für Ihn abzulegen. Ich wusste nicht, wie lange ich dieses Mal von meiner Mutter getrennt sein würde, aber mein Herz war ruhig und gefasst. Kurze Zeit später stürzte ich mich in die Erfüllung meiner Pflicht.

Später erzählte mir meine Mutter, dass als der Polizeibeamte in ihrer Akte blätterte, um frühere Vergehen zu überprüfen, erstaunlicherweise nichts in der Akte zu finden war. Meine Mutter sagte, während der letzten zwei Verhaftungen habe sie persönlich erlebt, wie Gott sie durch die Bedrängnis führte und Wunder wirkte. Sie gewann auch ein besseres Verständnis für Gottes Allmächtige Souveränität, und ihr Glaube an Gott wurde stärker. Als der Beamte sie fragte, wie sie das Evangelium verbreiteten, legte meine Mutter offen Zeugnis von Gottes Wirken ab. Durch die Erfahrung meiner Mutter habe ich gesehen, wie weise Gott ist. Er benutzt die Verfolgung durch den großen roten Drachen, um uns Mut, Weisheit und Glauben zu geben, um unser Unterscheidungsvermögen zu verbessern, sodass wir das dämonische Wesen des großen roten Drachen erkennen und ihn verachten und uns völlig von ihm abkehren können. Der große rote Drache ist nur ein Spielball in Gottes Hand. Er setzt alle möglichen Methoden ein, um Gottes Werk zu stören und aus der Bahn zu bringen, aber seine Bemühungen tragen nur zur Vollkommenheit von Gottes auserwähltem Volk bei. Er ist ein Papiertiger! Jetzt da ich Gottes Allmacht und Weisheit erlebt habe, fühle ich mich noch sicherer, Gott zu folgen und Sein Werk zu erleben. Dies hat mich an die Worte Gottes erinnert, die lauten: „Wenn Ich Mein Werk offiziell beginne, bewegen sich alle Menschen so, wie Ich Mich bewege, sodass sich alle Menschen im ganzen Universum gemeinsam mit Mir beschäftigen, das ganze Universum sich in einem Zustand des ‚Jubels‘ befindet, und der Mensch wird von Mir vorangetrieben. Infolgedessen gerät selbst der große rote Drache durch Mich in einen Zustand der Unordnung und verwirrten Unsicherheit, und er dient Meinem Werk, und, obwohl er unwillig ist, ist er unfähig, seinen eigenen Wünschen zu folgen, aber er hat keine andere Wahl, als sich ‚nach Meinen Wünschen orchestrieren zu lassen‘. In allen Meinen Plänen ist der große rote Drache Meine Kontrastfigur, Mein Feind, aber auch Mein ‚Diener‘; daher habe Ich Meine ‚Anforderungen‘ an ihn niemals gelockert. Daher wird die letzte Stufe Meines Werkes, des Werkes Meiner Menschwerdung, in seinem Zuhause beendet – auf diese Weise kann der große rote Drache Mir einen besseren Dienst erweisen, durch den Ich ihn erobern und Meinen Plan vollenden werde(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Die Worte Gottes an das gesamte Universum, Kapitel 29).

Die Verfolgung durch den großen roten Drachen hat mich vielleicht mehr leiden lassen als andere Kinder, doch trotz der Entbehrungen und Momente der Schwäche bin ich gestärkt daraus hervorgegangen. Diese Erfahrungen waren sehr wertvoll für mich. Sie haben mir zu der tiefen Überzeugung verholfen, dass nur Gott immer da ist, um zu helfen, und mir echte Unterstützung bietet. Solange wir den Glauben an Gott nicht verlieren, führt Er uns durch Not und Bedrängnis, und wir können Sein Werk bezeugen. Ich bin bereit, mich auf Gott zu verlassen, um Ihm zu folgen, ohne zu wanken, meine Pflicht zu erfüllen und Seine Liebe zu erwidern!

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