89. Warum ich bei meiner Pflicht immer hervorstechen wollte
Da Ende Juni 2021 die Kommunistische Partei Chinas wie wild Christen verhaftete, wurde meine Gastunterkunft überwacht. Ich zog sofort aus, doch es war damals sehr wahrscheinlich, dass die Polizei auch mich beobachtete, also musste ich mich zu Hause verstecken, um zu arbeiten. Damals war ich für die Arbeit einiger Gruppen verantwortlich. Mein Arbeitspensum nahm zu, und einiges ließ sich einfach nicht per Brief erledigen und nicht so effektiv wie in einem persönlichen Gespräch. Deshalb stellte mir die Leiterin Schwester Wang Zhen als Arbeitspartnerin zur Seite, so wie es die Arbeit erforderte.
Da Wang Zhen die Brüder und Schwestern anfangs nicht sehr gut kannte, besprach ich vor jeder Versammlung mit ihr die anstehenden Probleme, damit sie effektiver mit ihnen Gemeinschaft halten konnte. Damals fiel mir auf, dass Schwester Li Fan ihre Pflicht ständig nur oberflächlich ausführte. Sie hatte sich auch nach mehrmaligem gemeinschaftlichem Austausch nicht geändert, was die Arbeit bereits aufhielt. Gemäß den Grundsätzen musste sie umgehend entlassen werden. Also fasste ich die Situation von Li Fan und die Grundsätze für Entlassungen in einem Dokument zur Durchsicht für Wang Zhen zusammen. Ich erklärte ihr auch, warum Li Fan meines Erachtens nach entlassen werden musste, sodass Wang Zhen sehr gründlich mit Li Fan Gemeinschaft halten und ihr so dabei helfen konnte, über sich selbst nachzudenken und sich zu erkennen. Wang Zhen ging am nächsten Tag hin und entließ sie. Als Wang Zhen später an diesem Tag nach Hause zurückkam, erzählte sie mir, wie es gelaufen war. Sie erwähnte mich dabei jedoch vor den Brüdern und Schwestern kein einziges Mal und sagte auch nichts darüber, dass ich ihr zu Unterscheidungsvermögen verholfen oder bei dem Problem geholfen hätte. Ich war etwas enttäuscht. Es kam mir so vor, als wüsste niemand sonst, was ich hinter den Kulissen tat. Ich fragte mich, ob sie nun denken würden, Wang Zhen hätte Li Fans Probleme gleich nach Übernahme der Pflicht durchschaut, und dass sie mehr Verständnis der Wahrheit und besseres Unterscheidungsvermögen hätte als ich. Bei dem Gedanken daran, dass ich so viel im Verborgenen getan hatte und Wang Zhen dadurch so gut dastand, fühlte ich mich irgendwie gekränkt.
Ein paar Tage später kam bei einer Arbeitsbesprechung mit Wang Zhen zur Sprache, dass es bei einer Gruppe immer schlechter lief. Ich erkannte die Wurzel des Problems nicht, und sie meinte zu mir, dass es vielleicht an der Gruppenleiterin liegen könnte. Als ich das in Betracht zog und über das ständige Verhalten dieser Gruppenleiterin nachdachte, erkannte ich, dass sie nur ihren Status schützte und Dinge tat, die ihr Ansehen verschafften, aber nie echte Arbeit leistete, und das hielt alles wirklich auf. Gemäß den Grundsätzen musste sie entlassen und neu eingeteilt werden. Ich wusste, dass ich das Problem nicht persönlich lösen konnte und dass ich meine Erkenntnisse mit Wang Zhen teilen sollte, damit sie besser mit den anderen Gemeinschaft halten, ihnen zu Unterscheidungsvermögen verhelfen und diese Leiterin umgehend entlassen konnte. Doch als ich an Li Fans Entlassung zurückdachte, daran, wie ich nach den Grundsätzen gesucht, das Dokument erstellt und so viel mit Wang Zhen Gemeinschaft gehalten hatte, ohne dass es auch nur irgendjemand wusste, dachte ich mir: Wenn ich nun wieder alle meine Gedanken mit ihr teilen und sie diese Gruppenleiterin entlassen würde, dann würden ihr die anderen ganz bestimmt das ganze Lob zusprechen. Sie würden denken, sie hätte schon nach kurzer Zeit in ihrer Arbeit zwei ungeeignete Personen durchschaut, die ich in meiner langen Zeit als Verantwortliche nicht entlassen hatte. Sie würden denken, sie hätte ein besseres Unterscheidungsvermögen und Verständnis der Wahrheit. Ich wollte einige meiner Ansichten für mich behalten, damit Wang Zhens gemeinschaftlicher Austausch unklar bliebe und die anderen sie nicht bewunderten. Doch bei diesem Gedanken fühlte ich mich irgendwie schuldig. Wenn ihr gemeinschaftlicher Austausch unklar bliebe und die Gruppenleiterin ihr Problem nicht verstünde – oder wenn sie es falsch auffasste und in eine negative Einstellung geraten würde –, dann würde das nicht nur ihre Selbstreflexion beeinträchtigen, sondern später auch ihre Pflicht. Außerdem würden solche Spielchen und die Tatsache, dass ich Dinge so für mich behielt, Gott sicherlich anwidern. Bei diesem Gedanken teilte ich Wang Zhen alle Einzelheiten mit, die bei den verschiedenen Situationen bei dieser Gruppenleiterin vorgefallen waren. Doch in dem Moment, als sie loszog, um die Sache zu klären, kam ein bitteres Gefühl in mir auf. Warum konnte ich nicht selbst losgehen und mich um diese Arbeit kümmern? Alle sahen, wie Wang Zhen Leute entließ und durchschaute, aber wer sah meine Bemühungen dahinter? Ich war wenig begeistert bei dem Gedanken, dass alles, was ich getan hatte, nur Wang Zhen gut dastehen ließ und ihren Status bei den anderen aufwertete. Ich haderte sogar mit Gott, dass Er mich in eine so schlechte Lage gebracht hatte. Warum ließ Er plötzlich zu, dass ich überwacht wurde? Dann schrieben uns nacheinander ein paar Brüder und Schwestern wegen Problemen bei der Arbeit, und einige baten ausdrücklich darum, dass Wang Zhen sich darum kümmerte. Das machte mich noch unglücklicher. Ich hatte das Gefühl, dass alle nur Augen für Wang Zhen hatten, aber meine Arbeit hinter den Kulissen gar nicht wahrnahmen. Wenn das so weiterging, würden dann nicht alle sagen, ich sei nur ein nutzloses Anhängsel? Auch wenn Wang Zhen sich draußen abmühte, hatte ich es zu Hause ebenfalls nicht leicht. Aber niemand sah meine harte Arbeit. Das gefiel mir gar nicht, also überlegte ich mir, wie ich das Blatt wenden könnte. Zwar konnte ich nicht rausgehen und die Brüder und Schwestern persönlich treffen, aber ich konnte Briefe schreiben, um Aufgaben zu verteilen und so zu beweisen, dass ich eine Menge Arbeit leistete und die Fäden in der Hand hielt. Genau in diesem Moment erhielten wir Briefe von ein paar Gruppen bezüglich einiger allgemeiner Angelegenheiten, die geregelt werden mussten. Ich schrieb ausführlich zurück, um alles in die Wege zu leiten. Dabei erwähnte ich ganz deutlich, wann Wang Zhen sie besuchen würde, damit jedem klar war, dass ich das alles arrangierte und hinter den Kulissen die Fäden in der Hand hielt.
Eines Tages schrieb ich einer Schwester und fragte nach ihrem Zustand. Als der Brief fertig war, fragte ich mich, ob sie überhaupt wusste, dass er von mir stammte. Wenn ich ihr keinen Hinweis gab, dachte sie vielleicht, Wang Zhen würde sich um sie sorgen. Das ging auf keinen Fall. Ich musste sicherstellen, dass die Schwester wusste, dass ich ihr schrieb. Aber aus Sicherheitsgründen konnte ich den Brief nicht mit meinem eigenen Namen unterschreiben. Da fiel mir plötzlich ein, dass ich der Schwester vor Kurzem eine Hymne empfohlen hatte. Also könnte ich sie fragen, ob sie diese schon gelernt hätte. So würde sie bestimmt erkennen, dass ich es war. Mit diesem Einfall stellte ich den Brief schnell fertig und schickte ihn ab. An ihrer Antwort sah ich, dass die Schwester genau wusste, dass der Brief von mir war, und ich war überglücklich. Ich hatte das Gefühl, ich könnte mich auch hinter den Kulissen noch gut präsentieren und den anderen zeigen, dass ich Realitäten besaß und fähig war, Probleme zu lösen. Auf diese Weise merkte ich überhaupt nicht wirklich, dass ich mich in einem falschen Zustand befand. Das ging so lange, bis mir eine Schwester eines Tages verzweifelt erzählte, dass ihre Arbeitspartnerin einige Studienunterlagen, an denen sie wirklich hart gearbeitet hatte, an die Brüder und Schwestern verschickt hatte. Sie hatte das Gefühl, ihre Arbeitspartnerin hätte ihr die Lorbeeren für ihre Arbeit gestohlen, und spürte nun weniger Eifer bei ihrer Pflicht. Das zu hören, war ein echter Schock für mich. Lebte ich in letzter Zeit nicht in exakt demselben Zustand? Ich suchte auch nicht nach der Wahrheit, um das zu beheben. Also suchte ich nach Gottes Worten, um meinen Zustand zu beheben. Ich las diese Worte Gottes: „Antichristen verfolgen mit ihrem Handeln immer bestimmte Absichten. Ihre Worte, ihr Handeln und Verhalten, selbst die konkreten Formulierungen, die sie beim Reden auswählen, werden bewusst eingesetzt; sie handeln nicht aus einer momentanen Offenbarung von Verderbtheit, geringer geistlicher Größe, Dummheit oder Unwissenheit heraus und geben nicht überall Unsinn von sich – so ist es keineswegs. Prüft man ihre Methoden, ihre Vorgehensweise und ihre Wortwahl, wirken Antichristen ziemlich verschlagen und niederträchtig. Um ihres eigenen Status willen und um ihr Ziel, Menschen zu kontrollieren, zu erreichen, ergreifen sie jede Gelegenheit, um anzugeben, von jedem kleinen bisschen Gebrauch zu machen, und sie werden sich keine einzige Gelegenheit entgehen lassen. Sagt Mir, würden solche Menschen diese Charakterzüge vor Mir offenbaren? (Ja.) Warum sagt ihr, sie würden es tun? (Weil Angeberei ihre Wesensnatur ist.) Ist es für einen Antichristen das Endziel, anzugeben? Mit welchem Ziel geben sie an? Sie wollen Status erlangen, und sie meinen Folgendes: ‚Weißt du nicht, wer ich bin? Sieh dir an, was ich alles getan habe, ich habe all diese guten Dinge getan; ich habe ziemlich viel zu Gottes Haus beigetragen. Jetzt, da du das weißt, solltest du mir da nicht wichtigere Arbeiten übertragen? Solltest du mich nicht achten? Solltest du dich nicht in allem, was du tust, auf mich verlassen?‘ Ist das kein Vorsatz? Antichristen wollen jeden kontrollieren, egal wer er ist. Welchen anderen Begriff gibt es noch für ‚kontrollieren‘? Manipulieren, mit jemandem spielen – sie wollen einfach über dich herrschen. Wenn Brüder und Schwestern etwas beispielsweise mit ‚gut gemacht‘ loben, dann sagt ein Antichrist sofort, dass er das war, und biegt es so hin, dass jeder ihm dankt. Würde sich ein wahrhaft vernünftiger Mensch so aufführen? Keinesfalls. Wenn ein Antichrist ein wenig Gutes tut, dann will er, dass alle davon erfahren, ihn hoch schätzen und loben – das stimmt ihn zufrieden“ (Das Wort, Bd. 4, Antichristen entlarven: Punkt 5: Sie führen die Menschen in die Irre, ziehen sie auf ihre Seite, bedrohen und kontrollieren sie). Aus Gottes Worten erkannte ich, dass Antichristen ständig angeben. Alles, was sie sagen und tun, zielt nur darauf ab, die Bewunderung anderer zu gewinnen, und ist lediglich ein heimlicher Versuch, Status zu erlangen. Wenn ich über Gottes Worte und meine offenbarte Disposition nachdachte, war ich da nicht genau wie ein Antichrist? Ich fühlte mich ungerecht behandelt, als Wang Zhen diese beiden Schwestern entließ, ohne mich auch nur zu erwähnen. Ich hatte das Gefühl, dass vor allem ich sie durchschaut hatte, aber dass am Ende Wang Zhen die ganze Anerkennung dafür erhalten hatte. Sie war die Einzige gewesen, die sich gezeigt hatte, meine ganze Arbeit hingegen blieb für die anderen unsichtbar. Niemand würde es wissen, wenn ich weiterhin im Stillen arbeitete. Das wäre extrem frustrierend! Ich zermarterte mir den Kopf und setzte alles daran, mich selbst in Szene zu setzen, damit die Brüder und Schwestern mich bewundern und ich in ihren Augen Status erlangen würde. Es sah zwar so aus, als schriebe ich nur Briefe, um die Arbeit zu organisieren, doch in Wirklichkeit versuchte ich heimlich, alle daran zu erinnern, dass es mich auch noch gab. Ich wollte zeigen, dass Wang Zhen nur in meinem Auftrag arbeitete, die Hauptverantwortung aber bei mir lag. Unter dem Vorwand, einer Schwester mit ihrem Zustand zu helfen, tat ich so, als ob sie mir wichtig wäre. So wollte ich sie an meine Existenz erinnern und ihre Bewunderung gewinnen, ohne dass sie meine verachtenswerten Beweggründe durchschaute. Welch betrügerische Disposition ich doch besaß! Hätte ich Gottes Worte nicht gelesen, hätte ich nie gewusst, dass diese beiden Schwestern für ihre Pflichten ungeeignet waren. Außerdem hatte die Arbeit bis zu ihrer Entlassung bereits viele Verluste erlitten. Das galt besonders für diese Gruppenleiterin. Wenn Wang Zhen es nicht erwähnt hätte, hätte ich es nicht durchschaut und sie weiterhin in ihrer Position belassen. Ich hatte meine Arbeit nicht gut gemacht, und mir fehlte nicht nur jegliches Schuld- und Reuegefühl, sondern ich forderte auch schamlos Anerkennung und nutzte verachtenswerte Mittel, um anzugeben und Status zu erlangen, in dem Versuch, alle dazu zu bringen, zu mir aufzuschauen. Ich war so unfassbar schamlos!
Dann las ich einen weiteren Abschnitt aus Gottes Worten: „Diejenigen, die fähig sind, die Wahrheit in die Praxis umzusetzen, können den prüfenden Blick Gottes in allem, was sie tun, akzeptieren. Wenn du Gottes prüfenden Blick akzeptierst, wird dein Herz richtig ausgerichtet. Wenn du immer nur Dinge tust, damit andere sie sehen, und immer Lob und Bewunderung von anderen ernten willst und Gottes genaue Prüfung nicht akzeptierst, ist Gott dann noch in deinem Herzen? Solche Menschen haben kein gottesfürchtiges Herz. Tu nicht immer Dinge für dich selbst und berücksichtige nicht ständig deine eigenen Interessen; denke nicht an deinen eigenen Stolz, Ruf und Status und denke auch nicht an deine persönlichen Interessen. Mehr als an alles andere musst du an die Interessen von Gottes Haus denken und sie zu deiner Priorität machen. Du solltest auf Gottes Absichten Rücksicht nehmen und vor allem darüber nachdenken, ob es bei der Ausführung deiner Pflicht Unreinheiten gab oder nicht, ob du hingebungsvoll gewesen bist, deinen Verantwortungen nachgekommen bist und alles gegeben hast, sowie ob du von ganzem Herzen an deine Pflicht und die Arbeit der Kirche gedacht hast oder nicht. Du musst über diese Dinge nachdenken. Wenn du häufig über sie nachdenkst und sie begreifst, wird es dir leichter fallen, deine Pflicht gut auszuführen“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Freiheit und Befreiung können nur erlangt werden, indem man seine verdorbenen Dispositionen ablegt). Aus Gottes Worten verstand ich, dass die Annahme von Gottes prüfendem Blick entscheidend dafür ist, die Wahrheit zu praktizieren. Wir sollten uns nicht darum kümmern, was die Leute denken, sondern nur darum, Gott zufriedenzustellen und unsere Pflicht zu erfüllen. Danach bemühte ich mich in meinen Briefen und im gemeinschaftlichen Austausch mit anderen um die richtigen Beweggründe und darum, Gottes prüfenden Blick zu akzeptieren, anstatt die Briefe dazu zu nutzen, die Bewunderung anderer zu erlangen und einen Platz in ihren Herzen zu gewinnen. Ich dachte an all die Briefe, die Paulus an die Kirchen geschrieben hatte. Er erhöhte darin nie den Herrn Jesus und bezeugte Ihn nicht, und er ermahnte die Gläubigen auch nicht, den Worten des Herrn Jesus zu folgen. Er erhöhte und bezeugte nur sich selbst und erzählte davon, wie viel er gearbeitet und gelitten hatte. Er sagte: „Ich stehe den ‚Überaposteln‘ in nichts nach“, und brachte die Menschen vor sich selbst, auf einen Weg gegen Gott. Die Briefe, die ich an Brüder und Schwestern schrieb, erhöhten oder bezeugten Gott ebenfalls nicht, sondern ich gab indirekt an. Tat ich im Wesentlichen nicht dasselbe wie Paulus? Wenn ich nicht Buße tat, würde ich genauso ausgemustert und bestraft werden wie er. Als mir das klar wurde, betete ich zu Gott: „Gott, mir geht es zu sehr um meinen Status. Ich möchte mich nicht davon beherrschen lassen und etwas tun, das der Kirchenarbeit schadet. Egal, ob ich aus der Menge heraussteche oder nicht, ich möchte einfach nur standhaft meine Pflicht ausführen.“
In den nächsten Tagen korrigierte ich bewusst meine Einstellung und erinnerte mich oft selbst daran, dass die Interessen der Kirche am wichtigsten waren und dass ich meine Pflicht gut tun musste. Eines Tages erhielten wir dann das Rücktrittsschreiben von Bruder Chen Zhiqiang, in dem er erklärte, er wolle aufhören, weil er mit seinen Arbeitspartnern nicht gut auskam. Wir hatten schon vorher ein wenig von seinem Problem gehört. Er war vor allem zu arrogant und eigensinnig, weshalb er nicht gut mit anderen zusammenarbeitete. Wang Zhen hatte schon oft mit ihm Gemeinschaft gehalten, aber er hatte sich nicht geändert. Jetzt, wo er plötzlich kündigen wollte, schien es schwierig zu werden, dieses Problem zu lösen. Als Wang Zhen und ich darüber sprachen, teilte ich ihr meine Sichtweise mit und suchte einige passende Abschnitte aus Gottes Worten heraus. Wang Zhen fand diesen Ansatz für den gemeinschaftlichen Austausch passend. In diesem Moment wurde mir klar: Egal wie nützlich mein gemeinschaftlicher Austausch auch sein mochte – Wang Zhen war diejenige, die tatsächlich mit ihm Gemeinschaft halten würde. Wer würde schon sehen, dass ich mich sorgte und hinter den Kulissen den Preis dafür zahlte? Da wollte ich am liebsten gar nicht mehr mit Wang Zhen weiterreden. Doch dann dachte ich daran, dass Gottes prüfender Blick auf all meinen Gedanken und Ideen ruhte, und war etwas beunruhigt. Warum wollte ich immer meinen guten Namen und meinen Status schützen? Ich dachte an einen Abschnitt aus Gottes Worten, der mir half, die Folgen des Strebens nach Status zu verstehen. Der Allmächtige Gott sagt: „Wenn jemand sagt, dass er die Wahrheit liebt und nach der Wahrheit strebt, aber im Grunde genommen das Ziel verfolgt, sich selbst zu profilieren, anzugeben, die Leute dazu zu bringen, große Stücke auf ihn zu halten und seine eigenen Interessen zu verwirklichen, und die Ausführung seiner Pflicht nicht darin besteht, sich Gott zu unterwerfen oder Ihn zufriedenzustellen, sondern darin, Ruhm, Gewinn und Status zu erlangen, dann ist sein Streben unrechtmäßig. Wenn das der Fall ist, sind seine Handlungen dann ein Hindernis für die Arbeit der Kirche oder tragen sie dazu bei, sie voranzubringen? Sie sind ganz klar ein Hindernis; sie helfen nicht dabei, die Arbeit voranzubringen. Manche Menschen schreiben sich auf die Fahne, die Arbeit der Kirche zu verrichten, streben aber nach ihrem persönlichen Ruhm, Gewinn und Status, führen ihr eigenes Vorhaben durch, gründen ihre eigene kleine Gruppe, ihr eigenes kleines Königreich – tut diese Art von Person ihre Pflicht? Die ganze Arbeit, die solche Menschen verrichten, unterbricht, stört und beeinträchtigt im Grunde die Arbeit der Kirche. Was ist die Folge ihres Strebens nach Ruhm, Gewinn und Status? Zunächst wirkt sich dies auf die Art und Weise aus, in der die Mitglieder von Gottes auserwähltem Volk normalerweise Gottes Worte essen und trinken und die Wahrheit verstehen; es behindert ihren Lebenseintritt, hält sie davon ab, den richtigen Weg des Glaubens an Gott einzuschlagen, und führt sie auf den falschen Weg – was Gottes auserwähltem Volk schadet und es ins Verderben führt. Und was bedeutet es letztlich für die Arbeit der Kirche? Es ist eine Störung, Beeinträchtigung und Demontage. Das ist die Konsequenz, die sich aus dem Streben der Menschen nach Ruhm, Gewinn und Status ergibt. Wenn sie ihre Pflicht auf diese Weise tun, kann man das nicht als Beschreiten des Wegs eines Antichristen bezeichnen?“ (Das Wort, Bd. 4, Antichristen entlarven: Punkt 9 (Teil 1)). Früher dachte ich immer, das Streben nach Ruhm und Status würde nur den Lebenseintritt eines Menschen beeinträchtigen. Solange wir nichts Böses taten, würden wir die Kirchenarbeit schon nicht stören. Ich verstand nicht, warum Gott das Streben nach Ruhm und Status so sehr hasst und verabscheut. Gottes Worte zeigten mir: Bei meiner Pflicht nach Ruhm und Status zu streben und die Interessen der Kirche nicht zu schützen, würde am Ende unweigerlich der Kirchenarbeit und dem Lebenseintritt der Brüder und Schwestern schaden. Es würde die Kirchenarbeit behindern und stören, und Gott verurteilt dies. Als wir über Chen Zhiqiangs Problem sprachen, wollte ich keine Gemeinschaft mehr halten, nur weil ich nicht im Rampenlicht stehen konnte. Das wirkte wie eine Kleinigkeit, aber das Wesen dahinter war wirklich ernst. Zögerten wir den gemeinschaftlichen Austausch mit Chen Zhiqiang hinaus, würde das nicht nur seinem Lebenseintritt schaden. Es würde auch die Kirchenarbeit beeinträchtigen. Als Verantwortliche hätte ich sofort eingreifen müssen, wenn jemand bei seiner Pflicht Probleme hatte, damit die Kirchenarbeit auf Kurs blieb. Besonders jetzt, da die Verhaftungen und die Verfolgung durch die KPCh so massiv waren, riskierte Wang Zhen jedesmal, wenn sie wegen einer Versammlung das Haus verließ, ihre Verhaftung. Wäre sie nicht richtig vorbereitet und könnte die Probleme bei den Versammlungen nicht lösen – und somit trotz des Risikos keine guten Ergebnisse erzielen – wäre das nicht eine Qual für sie? Ich dachte überhaupt nicht daran, diese Probleme schnellstens zu lösen, und auch nicht an die Sicherheit der Schwester. Ich war nur damit beschäftigt, dass sie mir die Show stehlen könnte. Ich war so egoistisch und bar jeder Menschlichkeit! Als Verantwortliche leistete ich keine echte Arbeit. Ich schützte sogar meinen eigenen Status auf Kosten der Kirchenarbeit. Ich befand mich auf dem Weg eines Antichristen! Zuvor hatte ich die alleinige Verantwortung getragen und mein Bestes gegeben, egal wie hart oder anstrengend es war. Doch wegen der Verhaftungen durch die Partei konnte ich nicht mehr das Haus verlassen – ich konnte nur noch hinter den Kulissen arbeiten. Ich tat meine Pflicht nur widerwillig und wollte ständig mit Wang Zhen um das Rampenlicht wetteifern. Da wurde mir klar, dass meine frühere Begeisterung bei meiner Pflicht nur dem Ruhm und Status gegolten hatte. Diese Situation offenbarte meine falschen Beweggründe und mein falsches Streben, damit ich sie rechtzeitig korrigieren konnte. Das war Gottes Liebe zu mir.
Später las ich Gottes Worte, die mir für meinen Weg der Praxis mehr Klarheit brachten. Gottes Worte sagen: „Ihr müsst eine harmonische Zusammenarbeit erreichen: zum Zweck von Gottes Werk, zum Wohle der Kirche und um eure Brüder und Schwestern anzutreiben. Ihr solltet euch miteinander abstimmen, wobei jeder den anderen verbessern sollte und ein besseres Arbeitsergebnis erzielt werden sollte, um Gottes Absichten zu berücksichtigen. Das macht echte Zusammenarbeit aus und nur diejenigen, die sich daran beteiligen, werden wahren Eintritt gewinnen“ (Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Diene wie die Israeliten). „Was muss man tun, um seine Pflicht gut auszuführen? Man muss in allen Dingen bei der Ausführung seiner Pflicht die Wahrheitsgrundsätze suchen und es schaffen, sie mit ganzem Herzen und ganzer Kraft auszuführen – nur das wird ausreichen. Mit ganzem Herzen und ganzer Kraft bedeutet, sein ganzes Herz in seine Pflicht zu stecken und es nicht von anderen Dingen in Beschlag nehmen zu lassen, all seine Anstrengung in seine Pflicht zu stecken und sein Kaliber, seine Begabungen, seine Stärken und das, was man versteht, anzuwenden. Wenn du Verständnisfähigkeit und Begriffsvermögen besitzt, musst du, wenn du eine gute Idee hast, sie anderen mitteilen, dir den Beitrag aller anhören, von den Stärken der anderen lernen, um die eigenen Schwächen auszugleichen, und harmonisch mit anderen zusammenarbeiten. Auf diese Weise wird die Ausführung deiner Pflicht Ergebnisse erbringen, und du wirst deine Pflicht dem Standard entsprechend ausführen. Wenn du immer alles selbst in die Hand nehmen willst, alleine große Dinge erreichen und dich zur Schau stellen willst, damit andere dich hochschätzen, und du Menschen mit Stärken zurückweist und unterdrückst und ihnen keine Gelegenheit gibst, diese zum Einsatz zu bringen, führst du dann deine Pflicht aus? So etwas nennt man, ein Autokrat zu sein; so etwas nennt man, eine Show abzuziehen. Das ist satanisches Verhalten, keine Ausführung der Pflicht. Es spielt keine Rolle, welche Stärken, Begabungen oder besonderen Talente jemand hat: Niemand kann die gesamten Aufgaben eines Arbeitsbereichs alleine schultern; man muss lernen, harmonisch zusammenzuarbeiten, wenn man die kirchliche Arbeit gut verrichten will. Deshalb ist harmonische Zusammenarbeit ein Grundsatz der Praxis bei der Ausführung der Pflicht. Solange du dein ganzes Herz, deine ganze Mühe und deine ganze Hingabe einbringst und alles aufwendest, was du kannst, führst du deine Pflicht gut aus“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Die richtige Pflichterfüllung erfordert eine harmonische Zusammenarbeit). Durch Gottes Worte sah ich: Um unsere Pflicht gut zu tun, müssen wir auf Gottes Herz Rücksicht nehmen und mit unseren Brüdern und Schwestern zusammenarbeiten. Wir müssen alles geben und mit unseren Stärken die Schwächen der anderen ausgleichen. Nur so können wir Gottes Billigung erlangen und bei unserer Arbeit gute Ergebnisse erzielen. Ich verstand auch, dass es keine Rolle spielte, ob nun Wang Zhen oder ich persönlich auftraten, um die Probleme zu lösen. Solange die Zustände und Schwierigkeiten der anderen behoben werden konnten, würde es mir innere Ruhe und Frieden bringen, meine Pflicht zu tun und Gott zufriedenzustellen – selbst wenn meine Bemühungen unsichtbar und hinter den Kulissen stattfanden. Danach überlegte ich, über welche Wahrheiten wir Gemeinschaft halten sollten, um Chen Zhiqiangs Problem zu lösen, und suchte einige passende Worte Gottes heraus, damit Wang Zhen sie sich ansehen konnte. Sie fand ebenfalls einige Abschnitte aus Gottes Worten, die genau auf seinen Zustand zutrafen und auf die ich selbst gar nicht gekommen war. Zusammengenommen ergab all das ein noch umfassenderes Bild. In diesem Moment schämte ich mich zutiefst. Zwar konnte ich für die Arbeit nicht außer Haus gehen, doch ich konnte klar mit Wang Zhen über alles Gemeinschaft halten, was ich sah und dachte. Durch unsere Zusammenarbeit hatten wir einen umfassenderen Blick auf die Probleme, sodass wir sie besser lösen konnten. War das nicht viel förderlicher für die Kirchenarbeit? Nachdem wir alles besprochen hatten, ging Wang Zhen los, um mit Chen Zhiqiang Gemeinschaft zu halten.
Eines Tages erhielten wir dann einen Brief von einigen Brüdern und Schwestern. Darin stand, dass sie durch Wang Zhens gemeinschaftlichen Austausch einige Abweichungen korrigieren konnten und ihre Pflichten nun besser ausführten. Als ich das las, war ich ein wenig enttäuscht. Ich hatte das Gefühl, dass doch ich diese Fehler und Abweichungen entdeckt hatte, aber jeder sah nur Wang Zhens Arbeit. Niemand sah, was ich hinter den Kulissen leistete. Da wurde mir klar, dass ich schon wieder nach einem guten Namen und Gewinn strebte. Also betete ich und lehnte mich gegen mich selbst auf. Ich las einen Abschnitt aus Gottes Worten in einem Artikel, der mich tief bewegte. Gottes Worte sagen: „Wenn du ständig versuchst, dich hervorzutun, und das letzte Wort haben willst, dann ist das keine harmonische Zusammenarbeit. Was tust du? Du verursachst Störung und untergräbst andere. Störung zu verursachen und andere zu untergraben bedeutet, die Rolle Satans zu spielen; es bedeutet nicht, seine Pflicht auszuführen. … Vielleicht ist deine Stärke nur gering, doch wenn du fähig bist, mit anderen zusammenzuarbeiten, und in der Lage, angemessene Vorschläge anzunehmen, und wenn du die richtige Motivation hast und die Arbeit von Gottes Haus schützen kannst, dann bist du ein Mensch vom richtigen Schlag. Manchmal kannst du mit einem einzigen Satz ein Problem lösen und jedem Nutzen bringen; manchmal, nachdem du über eine einzige Aussage der Wahrheit Gemeinschaft gehalten hast, haben alle einen Weg voran und können in Harmonie zusammenarbeiten, und alle streben gemeinsam, im Herzen vereint, und teilen die gleichen Ansichten und Meinungen, was die Arbeit besonders effektiv sein lässt. Auch wenn sich vielleicht niemand daran erinnert, dass du diese Rolle gespielt hast, und du vielleicht nicht das Gefühl hast, als hättest du dich sehr angestrengt, wirst du in Gottes Augen ein Mensch sein, der die Wahrheit praktiziert, ein Mensch, der gemäß den Grundsätzen handelt. Gott wird sich an das erinnern, was du getan hast. Das heißt es, deine Pflicht hingebungsvoll auszuführen“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Die richtige Pflichterfüllung erfordert eine harmonische Zusammenarbeit). Es stimmt. Obwohl niemand meine Arbeit hinter den Kulissen sehen konnte, tat ich meine Pflicht, um Gott zufriedenzustellen. Es spielte keine Rolle, ob andere davon wussten. Die Wahrheit zu praktizieren und Gott zufriedenzustellen, ist das, was zählt. Als Verantwortliche war es meine Aufgabe und Pflicht und das, was ich tun sollte, mit den anderen Gemeinschaft zu halten, wenn ich ihre Probleme und Abweichungen bemerkte, und ihnen bei der Lösung zu helfen. Das war nichts, wofür ich die Lorbeeren ernten sollte. Früher hatte ich immer versucht, mich vor anderen aufzuspielen, aber jetzt konnte ich nur noch hinter den Kulissen arbeiten. Das waren Gottes Orchestrierungen und Anordnungen, und genau das brauchte ich. Ich musste mich dem unterwerfen, mich darauf konzentrieren, bei meiner Pflicht die Wahrheit zu praktizieren, und danach streben, meine Pflicht so zu tun, dass sie den Anforderungen gerecht wird.
Wenn ich danach Probleme bei unserer Arbeit bemerkte, ergriff ich die Initiative und wandte mich an Schwester Wang Zhen. Wenn ich den Brüdern und Schwestern wegen Problemen schrieb, wollte ich manchmal gezielt durchblicken lassen, dass der Brief von mir stammte. Doch wenn mir klar wurde, dass ich heimlich angab und mich selbst erhöhte, betete ich und ließ meine falschen Beweggründe los. Ich beruhigte mich und überlegte, was ich schreiben konnte, um den anderen zu helfen, und wie ich meiner eigenen Verantwortung gerecht werden und meine Pflicht erfüllen konnte. Auf diese Weise zu praktizieren, brachte wirklich Licht in mein Herz und fühlte sich so befreiend an. Es fühlte sich einfach wunderbar an, wenn ich mich so verhielt.