92. Was es für Folgen hat, eine falsche Leiterin zu decken

Von Li Yang, China

Ende Oktober 2020 wurde ich als Leiterin entlassen, weil ich keine praktische Arbeit leistete, und kehrte in meine örtliche Kirche zurück. Aufgrund von Verhaftungen durch die KPCh, war es in meinem Heimatort nicht sicher, weshalb ich vorübergehend nicht an Versammlungen teilnehmen konnte. Ich fühlte mich wirklich negativ und schwach. Eine Schwester namens Li Yan, die in meinem Dorf lebte, war Leiterin in einer anderen Kirche. Obwohl ich kein Mitglied der Kirche war, die sie beaufsichtigte, fragte sie bei unseren Treffen immer nach meinem Zustand und las mir aus Gottes Worten vor, um mir zu helfen. Ich war ihr wirklich dankbar: Obwohl ich als falsche Leiterin entlassen worden war, sah sie nicht auf mich herab und half mir sogar. Ich dachte: „Wenn sie in Zukunft irgendwelche Probleme hat, werde ich ihr so gut ich kann helfen.“

Einige Monate später übernahm ich die Bereinigungsarbeit in der Kirche und arbeitete viel mit Li Yan zusammen. Mir fiel auf, dass sie wegen persönlicher Angelegenheiten oft zu spät zu den Versammlungen kam und während der Versammlungen nur halbherzig ihr Programm abspulte und selten über Gottes Worte Gemeinschaft hielt. Wenn Brüder und Schwestern Ungläubige, Antichristen oder böse Menschen nicht erkennen konnten, hielt sie mit ihnen keine Gemeinschaft über die Wahrheitsgrundsätze. Ich hörte auch von einem Diakon der Kirche, dass sie sich oft mit ihrer Arbeitspartnerin über die kleinsten Probleme stritt, was dazu führte, dass die Versammlungen nicht normal ablaufen konnten. Das zu hören, machte mich ziemlich wütend. Ich dachte, dass Li Yan als Leiterin nicht nur keine praktische Arbeit geleistet hatte, sondern auch das Gemeindeleben störte. Das würde den Lebenseintritt der anderen und die Arbeit der Kirche verzögern. Ich suchte sie auf, um mit ihr Gemeinschaft zu halten und sie darauf hinzuweisen, dass sie keine praktische Arbeit leistete. Ich warnte sie auch, dass sie eine falsche Leiterin werden würde, wenn sie so weitermachte. Aber es schien sie überhaupt nicht zu kümmern, und sie sagte: „Na schön, dann bin ich eben eine falsche Leiterin. Da ich mit ihnen nicht über die Wahrheit Gemeinschaft halte, warum tust du es nicht?“ Danach bemerkte ich, dass einige Kirchenmitglieder Negativität verbreiteten und das Gemeindeleben stark störten. Ich bat Li Yan, sich ein Bild davon zu machen, wie alle anderen sie einschätzten, um festzustellen, ob sie Ungläubige waren und entfernt werden sollten. Aber sie redete sich damit heraus, dass sie beschäftigt war, und schob es immer wieder auf, was es diesen Kirchenmitgliedern ermöglichte, das Gemeindeleben weiterhin zu stören. Als ich sah, wie leichtfertig sie die Kirchenarbeit behandelte, wies ich sie erneut auf ihre Probleme hin, aber sie argumentierte immer noch dagegen und verteidigte sich. Mir wurde klar, dass Li Yan kontinuierlich keine praktische Arbeit leistete, weder Gemeinschaft noch Hinweise annahm und die Arbeit der Kirche bereits verzögert hatte. Den Grundsätzen nach zu urteilen, war sie meiner Meinung nach sehr wahrscheinlich eine falsche Leiterin, also wollte ich ihre Situation den oberen Leitern melden. Doch dann dachte ich: „Sie hat mir früher geholfen, als ich negativ war, und mich so gut behandelt. Wenn sie herausfindet, dass ich sie bei den oberen Leitern gemeldet habe, wird sie dann voreingenommen mir gegenüber sein? Wenn das dazu führt, dass sie entlassen wird, wird sie dann nicht sagen, ich hätte kein Gewissen? Vielleicht ändert sie sich, wenn ich sie jetzt nicht melde und einfach noch ein bisschen mehr Gemeinschaft halte.“ Also hielt ich mit ihr Gemeinschaft über die Bedeutung der Bereinigungsarbeit der Kirche sowie darüber, wie sie ihre Pflicht angehen sollte. Aber nach einer gewissen Zeit leistete Li Yan immer noch keine praktische Arbeit und hatte immer noch keine Einschätzungen dieser Kirchenmitglieder eingeholt. Ich hörte auch, dass Li Yan bei ihrer Arbeit unverantwortlich war und es versäumt hatte, die Verwaltung der Kirchenmittel zu beaufsichtigen, was dazu führte, dass eine ganze Reihe von Gegenständen beschädigt wurde und der Kirche schwere finanzielle Verluste entstanden. Danach hatte sie nicht über sich selbst nachgedacht und versuchte sogar, die Schuld abzuwälzen, indem sie sagte, andere hätten die Gegenstände nicht ordnungsgemäß gelagert. Ich sah, dass sie keine praktische Arbeit leistete. Sie behandelte die gesamte Kirchenarbeit leichtfertig und akzeptierte keine Kritik. Als es Hindernisse für die Arbeit der Kirche gab und deren Eigentum beschädigt wurde, fühlte sie sich kein bisschen schuldig. Zeichnet das nicht eine falsche Leiterin aus? Aber ich meldete ihre Probleme nicht rechtzeitig. Als mir das klar wurde, fühlte ich mich ziemlich schuldig. Ich sah einen Abschnitt aus Gottes Worten: „ihr alle sagt, dass ihr Gottes Bürde berücksichtigt und das Zeugnis der Kirche wahren werdet, doch wer unter euch hat wirklich Gottes Bürde berücksichtigt? Frag dich selbst: Bist du jemand, der Rücksicht auf Gottes Bürde nimmt? Kannst du für Gott Gerechtigkeit praktizieren? Kannst du aufstehen und für Mich sprechen? Kannst du unerschütterlich die Wahrheit in die Praxis umsetzen? Bist du tapfer genug, um alle Taten Satans zu bekämpfen? Wärst du in der Lage, um Meiner Wahrheit willen deine Gefühle beiseitezulassen und Satan bloßzustellen? Kannst du zulassen, dass Meine Absichten in dir zufriedengestellt werden? Hast du in entscheidenden Momenten dein Herz dargebracht? Bist du jemand, der Meinen Willen befolgt? Stell dir oft diese Fragen und denke oft über sie nach(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Kundgebungen Christi am Anfang, Kapitel 13). Ich hatte das Gefühl, als würden mich Gottes Worte zur Rechenschaft ziehen. Besonders als ich den Teil sah, in dem es hieß: „Bist du jemand, der Rücksicht auf Gottes Bürde nimmt? Kannst du für Gott Gerechtigkeit praktizieren?“ „Bist du tapfer genug, um alle Taten Satans zu bekämpfen?“, fühlte ich mich ganz besonders beschämt und schuldig. Gott hofft, dass wir Seine Absicht berücksichtigen und schnell Position beziehen, um Menschen zu entlarven und aufzuhalten, die die Kirchenarbeit stören und unterbrechen, und so die Interessen der Kirche schützen. Ich kannte Li Yan schon eine ganze Weile und hatte gesehen, dass sie keine praktische Arbeit leistete und keine Kritik akzeptierte. Würde man sie nicht entlassen, war mir sehr wohl bewusst, dass dann sowohl die Arbeit der Kirche als auch der Lebenseintritt der Brüder und Schwestern Schaden nehmen würden. Aber ich dachte daran, wie sie mir früher geholfen hatte, und machte mir Sorgen, dass sie mich hassen würde, wenn sie herausfand, dass ich sie gemeldet hatte, und sagen würde, dass ich kein Gewissen habe. Um also unsere Beziehung zu schützen, wollte ich ihre Probleme nicht melden, selbst als ich deutlich sah, dass sie keine praktische Arbeit leistete, was dazu führte, dass mehrere Ungläubige nicht rechtzeitig aus der Kirche entfernt wurden und das Gemeindeleben weiterhin störten. Ich war so selbstsüchtig und verachtenswert! Ich hatte gegen die Wahrheitsgrundsätze verstoßen und dadurch einer falschen Leiterin geholfen und sie gedeckt und es ihr erlaubt, das Gemeindeleben zu stören. War ich dadurch nicht zu ihrer Komplizin geworden und an ihren bösen Taten mitschuldig? Als mir das klar wurde, hasste ich mich dafür, Li Yan nicht rechtzeitig gemeldet zu haben, und beschloss, ihre Probleme sofort den Leitern zu berichten.

Daraufhin beauftragten mich die oberen Leiter, die Einschätzungen der Brüder und Schwestern über Li Yan einzuholen. Anhand ihres beständigen Verhaltens sollte dann entschieden werden, ob sie entlassen werden sollte. Sollte sie als falsche Leiterin eingestuft werden, sagten die Leiter zudem, so müsste ich mich ihrer Entscheidung anschließen und Li Yan entlassen. Ich zögerte etwas, als die oberen Leiter das sagten, und dachte: „Li Yan hat mir sehr geholfen, als ich damals entlassen wurde. Wenn ich sie bloßstelle und den anderen helfe, sie zu durchschauen, wird sie dann nicht sagen, ich hätte kein Gewissen?“ Ich war so hin- und hergerissen und wollte sie nicht bloßstellen. Mir wurde klar, dass mein Zustand falsch war, also betete ich zu Gott und suchte eine Lösung für meine Bedenken. Ich stieß auf diese Passage aus Gottes Worten: „Wer sind die Satane, wer sind die Dämonen und wer sind die Feinde Gottes? Sind diese Menschen nicht jene Widersacher, die nicht an Gott glauben? Sind sie nicht jene Menschen, die Gott gegenüber aufsässig sind? Sind sie nicht jene, die behaupten, Glauben zu haben, aber keine Wahrheit besitzen? Sind sie nicht jene, die nur danach streben, Segnungen zu erlangen, während sie unfähig sind, für Gott Zeugnis abzulegen? Du mischst dich heute immer noch unter jene Dämonen und begegnest ihnen mit Gewissen und Liebe – doch kommt dies nicht Güte gegenüber Satan gleich? Bist du nicht mit Dämonen im Bunde? Wenn die Menschen bis hierher gekommen sind und immer noch unfähig sind, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, und weiterhin blind lieben und barmherzig sind, ohne jeden Wunsch, Gottes Herz zu suchen, oder in irgendeiner Form fähig zu sein, Gottes Herz als ihr eigenes anzunehmen, dann wird ihr Ergebnis umso erbärmlicher sein. Jeder, der nicht an den Gott im Fleisch glaubt, ist ein Feind Gottes. Wenn du Gottes Feinden mit Gewissen und Liebe begegnen kannst, fehlt es dir dann nicht an Gerechtigkeitssinn? Wenn du mit denen vereinbar bist, die Ich hasse und denen Ich mich widersetze, und sie dennoch mit Liebe behandelst oder ihnen persönliche Gefühle zeigst, bist du dann nicht rebellisch? Widersetzt du dich Gott nicht absichtlich? Besitzt eine solche Person tatsächlich die Wahrheit? Wenn die Menschen Gottes Feinden mit Gewissen, Dämonen mit Liebe und Satan mit Barmherzigkeit begegnen können, unterbrechen sie dann nicht absichtlich Gottes Werk?(Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Gott und Mensch werden gemeinsam in die Ruhe eingehen). Gottes Worte trafen mich wirklich ins Herz. Der Abschnitt besagte deutlich, dass Menschen, die nach der Wahrheit streben und die Arbeit der Kirche aufrechterhalten, mit Liebe behandelt werden sollten, während diejenigen, die der Wahrheit abgeneigt sind und die Arbeit der Kirche unterbrechen und stören, verabscheut und zurückgewiesen werden sollten. Aber obwohl ich klar sah, dass Li Yan keine praktische Arbeit leistete und die Arbeit der Kirche unterbrach und störte, zeigte ich ihr immer noch Güte und meldete sie nicht sofort. Als es dann an der Zeit war, sie zu entlarven und den anderen zu helfen, Urteilsvermögen zu erlangen und Lehren zu ziehen, war ich von Sorgen geplagt und befürchtete, sie würde mich hassen und mich eine undankbare Verräterin nennen. Also handelte ich gegen mein Gewissen und beschützte und deckte sie. Mir fehlte es wirklich an Menschlichkeit. Wo war meine Treue zu Gott? War ich nicht zu einer von Satans Komplizinnen geworden? Obwohl ich so viel von Gottes Versorgung genossen habe, habe ich dennoch die Hand gebissen, die mich füttert. Mir war es recht, dass die Arbeit der Kirche und der Lebenseintritt meiner Brüder und Schwestern litten, solange nur meine persönlichen Interessen gewahrt blieben. Ich hatte wirklich weder Gewissen noch Menschlichkeit! Wenn ich weiterhin keine Buße täte und die Wahrheit nicht praktizierte, würde Gott mich schließlich verschmähen und ausmustern.

Danach las ich noch ein paar weitere Abschnitte aus Gottes Worten: „Wenn Gott dich retten will, egal, wessen Dienste Er dafür in Anspruch nimmt, solltest du zuerst Gott danken und es von Gott annehmen. Du solltest deine Dankbarkeit nicht nur auf Menschen richten, geschweige denn, jemandem dein Leben aus Dankbarkeit opfern. Das ist ein schwerer Fehler. Entscheidend ist, dass dein Herz Gott dankbar ist und du es von Ihm annimmst(Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (7)). „Jemandem in Not zur rechten Zeit und am rechten Ort zu helfen ist ein ganz normales Phänomen. Es ist auch die Verantwortung eines jeden Mitglieds der menschlichen Rasse. Das ist einfach eine Art von Verantwortung und Verpflichtung. Gott hat den Menschen diese Instinkte mitgegeben, als Er sie schuf. … Anderen zu helfen und ihnen eine Gunst zu erweisen ist für den Menschen fast mühelos, es liegt im Bereich des menschlichen Instinkts und ist etwas, wozu der Mensch durchaus in der Lage ist. Es besteht keine Notwendigkeit, sie so hoch zu bewerten wie Güte. Viele Menschen setzen jedoch die Hilfe anderer mit Güte gleich, reden ständig darüber und erwidern sie ständig, weil sie meinen, sie hätten sonst kein Gewissen. Sie sehen auf sich selbst herab und verachten sich selbst und fürchten sogar, von der öffentlichen Meinung getadelt zu werden. Ist es notwendig, sich über diese Dinge Sorgen zu machen? (Nein.) Es gibt viele Menschen, die das nicht verstehen können und ständig von dieser Sache eingeschränkt werden. Das ist es, was es bedeutet, die Wahrheitsgrundsätze nicht zu verstehen(Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (7)). Ja. Gott ist der Schöpfer; Er hat die Herrschaft über alle Dinge und orchestriert sie. Als ich an meinem schwächsten und negativsten Punkt war, mag es so ausgesehen haben, als ob Li Yan mich mit ihrer Hilfe und ihrem gemeinschaftlichen Austausch gut behandelte, aber in Wirklichkeit gesah das alles aufrgund von Gottes Herrschaft und Seiner Anordnung, nicht aufgrund ihrer Fürsorge für mich. Ich hätte das von Gott annehmen und Ihm danken sollen, anstatt es ihr zuzuschreiben. Ganz zu schweigen davon, dass Li Yan eine Leiterin der Kirche war, also war es ja eigentlich ihre Pflicht, Brüder und Schwestern zu unterstützen und jegliche Probleme bei ihrem Lebenseintritt zu lösen. Als Li Yan mich unterstützte und mit mir über Gottes Worte Gemeinschaft hielt, war das ihre Pflicht, und sie erfüllte nur ihre Verantwortung. Außerdem ist es eine von Gottes Forderungen an Sein auserwähltes Volk, Brüder und Schwestern mit Liebe zu behandeln und sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen. Ich hätte Li Yans Hilfe von Gott annehmen und Ihm Dankbarkeit zeigen sollen. Stattdessen hielt ich es fälschlicherweise für Fürsorge ihrerseits und erinnerte mich so weiterhin an ihre Güte in meinem Herzen. Aufgrund meiner persönlichen Gefühle habe ich sie wiederholt gedeckt. Ich wusste ganz genau, dass sie eine falsche Leiterin war, aber ich bezog nicht Stellung, um sie zu melden und zu entlarven. Ich war so wirrköpfig! Ich hätte Gottes Absicht berücksichtigen, mich an die Wahrheitsgrundsätze halten und die falsche Leiterin entlarven sollen, um die Arbeit der Kirche zu schützen. Das ist es, was ein Mensch mit Gewissen und Menschlichkeit tun sollte. Wenn Li Yan die Wahrheit akzeptierte, würde sie, wenn sie zurechtgestutzt und bloßgestellt wird, über sich selbst nachdenken und sich selbst erkennen, ihre eigene Verdorbenheit und ihre Mängel erkennen, Buße tun und es schaffen, sich zu wandeln. Das würde auch ihr zugutekommen. Wenn sie die Wahrheit nicht akzeptierte und sie, wenn sie zurechtgestutzt wird, keine Buße tat, würde dies die Tatsache offenbaren, dass sie nicht nach der Wahrheit strebte, und sie sollte rechtzeitig entlassen werden. Dies wäre sowohl für die Arbeit der Kirche als auch für den Lebenseintritt der anderen hilfreich. Meine Sicht der Dinge war absurd: Ich glaubte immer, Menschen zurechtzustutzen und bloßzustellen sei demütigend und würde sie verletzen. Ich behandelte etwas sehr Positives wie etwas Negatives. Infolgedessen war ich ständig von diesem abwegigen Glauben eingeschränkt und traute mich nicht, Li Yans Probleme aufzudecken. Mir fehlte wirklich jedes Verständnis der Wahrheit, und ich war wirklich erbärmlich. Nachdem mir all das klar geworden war, fühlte ich mich erleichtert und wich meiner Verantwortung nicht länger aus.

Einige Tage später stellte die Kirche durch die Untersuchung von Li Yans beständigem Verhalten fest, dass sie eine falsche Leiterin war, und sie wurde entlassen. Nach ihrer Entlassung dachte sie überhaupt nicht über sich selbst nach und erlangte auch keine Selbsterkenntnis, und sie beklagte sich sogar, dass man sie ungerecht behandelt hatte. Sie behauptete, dass sie jahrelang Leiterin gewesen war, ihre Chance, in der Welt Geld zu verdienen, aufgegeben hatte und unzählige Mühsal ertragen hatte. Dementsprechend war sie der Meinung, die Kirche würde sie unfair behandeln. Danach war sie versessen auf Reichtum, nahm eine Arbeit an, um Geld zu verdienen, und hörte auf, regelmäßig an Versammlungen teilzunehmen. Nach ihrer Entlassung hielt die Kirche eine Wahl für eine neue Leiterin ab, die Ungläubigen wurden entfernt, das Gemeindeleben wurde nicht mehr gestört und die verschiedenen Arbeitsaufgaben der Kirche konnten reibungslos fortgesetzt werden. Als ich all das sah, fühlte ich mich viel wohler. Ich war so glücklich darüber, dass es mir in dieser Situation gelungen war, die Wahrheit zu suchen, meine Probleme rechtzeitig zu erkennen und meine Pflicht zu erfüllen.

Als ich dann später Li Yan zufällig traf, ist sie mir gegenüber ausgerastet und sagte: „Geh mir aus den Augen! Jetzt sagen alle, dass ich eine falsche Leiterin bin, und du warst es, die ihnen das erzählt hat. Ich hasse dich!“ Es hat mich ziemlich betrübt, das von ihr zu hören, aber ich wusste, dass alles, was ich den oberen Leitern gemeldet hatte, den Tatsachen entsprach. Sie war eine falsche Leiterin und sollte entlarvt und gemeldet werden. Das stand vollkommen im Einklang mit Gottes Absicht. Aber warum tat es so weh, sie sagen zu hören, dass sie mich hasste? Später las ich einen Abschnitt aus Gottes Worten, der mir half, die Wurzel des Problems zu verstehen. Gottes Worte sagen: „Auch wenn die Leute vielleicht jeden Tag von Gottes Worten essen und trinken und sie oft betenlesen und über sie nachdenken, basieren die grundlegenden Ansichten, Grundsätze und Vorgehensweisen, die dem zugrunde liegen, wie sie Menschen und Dinge betrachten und auch wie sie sich verhalten und handeln, immer noch auf der traditionellen Kultur. Daher beeinträchtigt die traditionelle Kultur die Menschen, indem sie sie ihrer Manipulation, ihren Orchestrierungen und ihrer Kontrolle unterzieht und ihr tägliches Leben beherrscht. Sie ist so unerschütterlich und unumgänglich wie ihr eigener Schatten. Warum ist das so? Weil die Menschen die verschiedenen Vorstellungen und Ansichten, die die traditionelle Kultur und Satan ihnen eingeflößt haben, in den Tiefen ihres Herzens nicht aufdecken, zergliedern oder entlarven können; sie können diese Dinge nicht erkennen, durchschauen, sich gegen sie auflehnen oder sie aufgeben; sie können weder die Menschen und Dinge so betrachten, wie Gott es ihnen sagt oder wie Er es sie lehrt und anweist, noch sich dementsprechend verhalten oder handeln. In welcher Art von Dilemma leben die meisten Menschen deswegen immer noch? In einem, bei dem sie tief in ihrem Herzen den Wunsch hegen, Menschen und Dinge auf Gottes Worten basierend zu betrachten, sich dementsprechend zu verhalten und zu handeln, die Absichten Gottes nicht zu verletzen oder gegen die Wahrheit zu handeln. Was ihren Umgang mit Menschen, ihr Benehmen und die Erledigung von Angelegenheiten betrifft, fahren sie dennoch wehrlos und unfreiwillig damit fort, nach den Methoden vorzugehen, die Satan lehrt. Im Herzen sehnen sich die Menschen nach der Wahrheit und wünschen sich, eine gewaltige Sehnsucht nach Gott zu haben, die Menschen und Dinge nach Gottes Worten zu betrachten, sich dementsprechend zu verhalten und zu handeln, und nicht gegen die Wahrheitsgrundsätze zu verstoßen, doch am Ende stehen die Dinge immer im Widerspruch zu ihren Wünschen. Selbst wenn sie ihre Anstrengungen verdoppeln, ist das Resultat immer noch nicht so, wie sie es sich wünschen. Wie sehr die Menschen sich auch abquälen, wie viel Anstrengung sie auch investieren, wie sehr sie auch beschließen und sich wünschen, eine Liebe zu positiven Dingen zu entwickeln, am Ende sind die Wahrheit, die sie im wahren Leben praktizieren können, und die Kriterien der Wahrheit, die sie im wahren Leben einhalten können, dünn gesät. Das bekümmert die Menschen tief in ihrem Herzen am meisten. Was ist der Grund dafür? Ein Grund ist kein anderer als der, dass die verschiedenen Vorstellungen und Ansichten, die die traditionelle Kultur die Menschen lehrt, nach wie vor ihr Herz und ihre Worte, Taten, Vorstellungen sowie die Vorgehensweisen und Wege, wie sie sich verhalten und handeln, beherrschen. Daher müssen die Menschen einen Prozess durchlaufen, um die traditionelle Kultur zu verstehen, zu zergliedern und zu entlarven, um sie zu erkennen und zu durchschauen und sie schließlich für immer aufzugeben. Dies zu tun, ist sehr wichtig, und nicht optional. Denn die traditionelle Kultur beherrscht bereits die Tiefen der menschlichen Herzen – sie beherrscht sogar ihr ganzes Selbst. Das bedeutet, dass die Menschen in ihrem Leben nicht aufhören können, mit ihrem Verhalten und der Art und Weise, wie sie mit Dingen umgehen, gegen die Wahrheit zu verstoßen, und sie können nicht umhin, von der traditionellen Kultur kontrolliert und beeinflusst zu werden, wie es bis heute der Fall gewesen ist(Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Warum man nach der Wahrheit streben muss). Nachdem ich über Gottes Worte nachgedacht hatte, erkannte ich, dass ich auf der Grundlage traditioneller kultureller Werte und satanischer Philosophien lebte, wie „Erwidere die Gunst eines Wassertropfens mit einer sprudelnden Quelle“ und „Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden.“ Ich nahm diese Ideen als Grundsätze für mein Verhalten. Ich glaubte, ich sollte mein Möglichstes tun, um diejenigen, die zu mir freundlich waren und mir Gutes getan hatten, zu schützen und ihnen ihre Güte zu vergelten, unabhängig davon, ob sie gute oder schlechte Menschen waren oder nach den Wahrheitsgrundsätzen handelten. Selbst wenn sie Böses taten und die Arbeit der Kirche störten und unterbrachen, sollte ich sie decken, sonst hätte ich kein Gewissen und keine Menschlichkeit. Ich war von diesen satanischen Philosophien und Trugschlüssen eingeschränkt, weshalb ich, obwohl ich klar erkannte, dass Li Yan keine praktische Arbeit leistete und eine falsche Leiterin war, zögerte, sie zu entlarven und zu melden, weil sie mir früher geholfen hatte. Ich wollte ihr immer eine weitere Chance geben und nachsichtig sein, freundlich und liebevoll zu ihr sein. Ich dachte nicht daran, ob die Arbeit der Kirche und der Lebenseintritt der Brüder und Schwestern Schaden nahmen. Ich duldete das böse Handeln einer falschen Leiterin, stand auf Satans Seite, rebellierte gegen Gott und widersetzte mich Ihm. Ich sah, dass diese traditionellen Werte im Wesentlichen allesamt Trugschlüsse und teuflische Worte sind, die Satan benutzt, um Menschen irrezuführen und zu verderben. Sie sind keine Grundsätze, nach denen wir uns verhalten sollten. Nach solchen Vorstellungen zu leben, würde mich nur immer lächerlicher und absurder machen. Meine Gedanken würden immer verworrener werden, und ich würde nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden können und immer nur gegen Wahrheit verstoßen und mich Gott widersetzen.

Eines Tages las ich einen weiteren Abschnitt aus Gottes Wort, der besagt: „Die Auswirkungen des Gewissens eines Menschen werden manchmal von seinen Gefühlen eingeschränkt und beeinflusst, was dazu führt, dass seine Entscheidungen im Widerspruch zu den Wahrheitsgrundsätzen stehen. So können wir eine Tatsache klar erkennen: Der Maßstab der Wahrheit hat einen höheren Rang als die Auswirkung des Gewissens, und manchmal verstoßen Menschen gegen die Wahrheit, während sie auf der Grundlage ihres Gewissens handeln. Wenn du an Gott glaubst, aber nicht nach der Wahrheit lebst und stattdessen nach deinem Gewissen handelst, kannst du dann Böses tun und Gott widerstehen? Du wirst wirklich in der Lage sein, einige böse Dinge zu tun – man kann absolut nicht sagen, dass es niemals falsch ist, nach seinem eigenen Gewissen zu handeln. Das zeigt, dass es bei weitem nicht ausreicht, nur nach seinem eigenen Gewissen zu handeln, wenn man Gott zufrieden stellen und Seinen Absichten entsprechen will. Man muss auf der Grundlage der Wahrheit handeln, um die Forderungen Gottes zu erfüllen(Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Was es bedeutet, nach der Wahrheit zu streben (2)). Ja. Wir alle sollten ein Gewissen haben, aber ein Gewissen ist nicht die Wahrheit und kann sie nicht ersetzen. Wenn wir uns in unserem Handeln und Verhalten nur nach unserem Gewissen richten, anstatt nach der Wahrheit, werden wir wahrscheinlich gegen die Wahrheit verstoßen und uns Gott widersetzen. Gott verlangt, dass wir lieben, was Er liebt, und hassen, was Er hasst. Dies ist der Grundsatz, den wir bei unserem Umgang mit anderen anwenden sollten. Wenn ein Bruder oder eine Schwester nach der Wahrheit strebt, dann spielt es keine Rolle, ob diese Person mir Güte erwiesen hat: Wenn sie Schwierigkeiten hat, sollte ich ihr liebevoll helfen. Wenn sie böse Taten begeht oder ein falscher Leiter, eine böse Person oder ein Antichrist ist, dann sollte ich sie, selbst wenn sie mir gegenüber gütig war, gemäß den Wahrheitsgrundsätzen behandeln und sie entlarven und melden. Als Li Yan also die Kirchenarbeit störte und unterbrach, die Wahrheit überhaupt nicht akzeptierte und, egal wie wir mit ihr Gemeinschaft hielten und ihr halfen, weder Buße tat noch sich änderte, sollte ich sie nicht meinem sogenannten „Gewissen“ zuliebe decken, sondern sie gemäß den Wahrheitsgrundsätzen entlarven und melden. Doch weil ich das nicht tat, habe ich den Brüdern und Schwestern nur geschadet und verursachte der Kirchenarbeit größere Verluste. Das zu erkennen, war erhellend, und ich hatte das Gefühl, einen Weg der Praxis und Grundsätze für den Umgang mit anderen zu haben. Später war Li Yan so trotzig und unzufrieden mit ihrer Entlassung, dass sie nicht nur anfing, nach Reichtum zu streben und Versammlungen zu schwänzen, sie verbreitete sogar Negativität unter den anderen, störte weiterhin das Gemeindeleben und weigerte sich wiederholt, Gemeinschaft und Zurechtstutzung zu akzeptieren. Den Grundsätzen entsprechend sollte sie entfernt werden. Dieses Mal versuchte ich nicht, sie wieder zu decken, sondern half den Leitern, Einschätzungen der Brüder und Schwestern über sie einzuholen. Mit der Zustimmung von über 80 % der Brüder und Schwestern wurde Li Yan aus der Kirche entfernt.

Erst nachdem ich all das erlebt hatte, wurde mir klar, dass das Leben nach Satans Philosophien nur das Praktizieren der Wahrheit behindert und sogar die Arbeit der Kirche stören und unterbrechen kann. Nur diejenigen, die nach Gottes Worten gehen, wenn sie Menschen und Dinge betrachten, und nach Gottes Worten danach handeln und sich verhalten, haben wirklich Menschlichkeit, sind in der Lage, die Arbeit der Kirche zu schützen und stimmen mit Gottes Absichten überein. Gottes Worte haben meine abwegigen Überzeugungen korrigiert und mir geholfen, die Grundsätze zu verstehen, wie man andere behandelt.

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