11. Die Verhaftung meiner Tochter enthüllte mich

Von Lin Zhi, China

Am frühen Abend des 14. Oktober 2023 teilte mir eine Schwester mit, dass eine Leiterin der Kirche Xinguang von der Polizei verhaftet worden war. Als ich das hörte, war ich schockiert und dachte: „Oh nein! Könnte es etwa meine Tochter sein?“ Hastig öffnete ich den Brief, den man mir gegeben hatte, und las nur: „Min Jing wurde verhaftet …“ Mit einem Schlag verließ mich alle Kraft und ich dachte: „Meine Tochter wurde verhaftet! Diese Polizisten sind so böse und verachtenswert. Bei ihrer grausamen Verfolgung von Gläubigen schrecken sie vor nichts zurück. Wie soll sie das nur ertragen? Sie ist doch mein eigenes Fleisch und Blut. Wie soll ich es bloß ertragen, sie solche Qualen leiden zu sehen?“ Es kam mir vor, als würde mir jemand ein Messer ins Herz bohren, und ich wünschte mir verzweifelt, ich könnte ihr das Leiden abnehmen. Ich war besonders deswegen besorgt, weil die Polizei sie gewiss unter Druck setzen würde, Einzelheiten über die Kirche preiszugeben, wenn ihnen bekannt wäre, dass meine Tochter eine Leiterin war. Ich hatte Angst, dass die Polizei sie zum Krüppel schlagen könnte, wenn sie nichts verraten würde. Wenn sie in so jungen Jahren zur Invalidin würde, wie sollte ihr Leben dann weitergehen? Wenn sie zu Tode geprügelt würde, würde ich meine Tochter für immer verlieren. Meine Tochter besuchte erst seit zwei Jahren die Versammlungen, und es gab noch viel an Wahrheit, das sie nicht verstand. Wie konnte Gott zulassen, dass die Polizei sie verhaftete? Zudem hatte meine Tochter ihrer Karriere und ihrer Ehe den Rücken gekehrt, um ihre ganze Zeit dafür einzusetzen, sich für Gott aufzuwenden. Warum hatte Gott sie nicht beschützt? Liebt Gott den Menschen etwa nicht? Ich fing an, mit Gott zu hadern, und je mehr ich über alles nachdachte, desto aufgewühlter wurde ich. Die Tränen liefen mir unaufhörlich über das Gesicht. Ich wollte Gottes Worte lesen, um meinen Zustand zu berichtigen, doch ich konnte mich innerlich einfach nicht darauf einlassen. Ich dachte an zwei meiner Arbeitspartnerinnen, die nach ihrer Verhaftung unter Druck gesetzt wurden, Leiter und Mitarbeiter zu verraten. Sie wurden einer gewaltsamen Gehirnwäsche unterzogen, verrieten schließlich Gott und wurden zu Judassen. Ich war sicher, dass die Polizei auch meine Tochter unter Druck setzen würde, die Kirche zu verraten, und wenn sie auch bei ihr eine Gehirnwäsche durchführten und sie schließlich irregeführt würde und als Judas handelte, dann würde sie ihre Chance auf Errettung komplett verwirken! Bei diesem Gedanken konnte ich nicht umhin, in meinem Herzen zu hadern: „Warum hat Gott meine Tochter nicht beschützt? Warum hat Er zugelassen, dass ihr so etwas widerfährt?“ Ich gab auch der Gastgeber-Schwester meiner Tochter die Schuld, weil sie nicht vorsichtig genug gewesen war, nicht erkannt hatte, wie gefährlich die Lage geworden war, und meine Tochter nicht rechtzeitig in eine andere Gastunterkunft gebracht hatte. Danach war ich einige Tage lang in einem schrecklichen Zustand – ich konnte weder essen noch schlafen, noch mich auf meine Pflicht konzentrieren, und ich hörte nicht einmal hin, als meine Arbeitspartnerin mit mir über Gottes Worte Gemeinschaft hielt. Meine Fantasie ging einfach ständig mit mir durch. Ich wusste, wenn ich so weitermachte, würde ich meine Pflicht verzögern und mein Leben würde Schaden nehmen, also trat ich im Gebet vor Gott: „O Gott! Seit meine Tochter verhaftet wurde, bin ich sehr negativ eingestellt und schwach und habe sogar mit Dir gehadert und Dich missverstanden. Ich weiß nicht, welche Lektion ich aus dieser Situation lernen soll. Bitte führe mich dahin, Deine Absicht zu verstehen.“

Danach las mir meine Arbeitspartnerin diesen Abschnitt aus Gottes Worten vor: „Die Menschen müssen immer wieder all die Dinge in ihrem Herzen prüfen, die mit Gott unvereinbar sind oder ein Missverständnis gegenüber Gott darstellen. Wie kommt es zu solchen Missverständnissen? Warum verstehen die Menschen Gott falsch? (Weil ihre eigenen Interessen betroffen sind.) Wenn die Menschen die Fakten über die Vertreibung der Juden aus Judäa erfahren, sind sie bestürzt und sagen: ‚Am Anfang hat Gott die Israeliten so sehr geliebt. Er führte sie aus Ägypten und durch das Rote Meer, gab ihnen Manna vom Himmel und Quellwasser zu trinken. Dann gab Er ihnen persönlich Gesetze, um sie zu führen, und lehrte sie, wie sie leben sollten. Gottes Liebe zu den Menschen war unermesslich – die Menschen, die damals lebten, waren so gesegnet! Wie konnte Gottes Einstellung ihnen gegenüber von einem Augenblick zum nächsten eine komplette Kehrtwendung machen? Wo ist Seine ganze Liebe geblieben?‘ Die Gefühle der Menschen kommen darüber nicht hinweg, und sie beginnen zu zweifeln: ‚Ist Gott nun Liebe, oder ist Er das nicht? Warum ist von Seiner ursprünglichen Haltung gegenüber den Israeliten nichts mehr zu sehen? Seine Liebe ist spurlos verschwunden. Gibt es in Ihm denn überhaupt noch Liebe?‘ Hier beginnt das falsche Verständnis der Menschen. Vor welchem Hintergrund entwickeln die Menschen ihre Missverständnisse? Könnte es daran liegen, dass Gottes Handeln nicht mit den Auffassungen und Einbildungen der Menschen vereinbar ist? Bringt diese Tatsache die Menschen dazu, Gott falsch zu verstehen? Liegt der Grund, warum die Menschen Gott falsch verstehen, nicht darin, dass sie Seine Liebe beschränken? Sie denken: ‚Gott ist Liebe. Deshalb sollte Er sich um die Menschen kümmern, sie beschützen und sie mit Gnade und Segnungen überschütten. Genau das macht doch Gottes Liebe aus! Es gefällt mir, wenn Gott die Menschen auf diese Weise liebt. Vor Allem als Gott die Menschen durch das Rote Meer führte, konnte ich erkennen, wie sehr Er sie liebt. Die Menschen damals waren so gesegnet! Ich wünschte, ich könnte einer von ihnen sein!‘ Wenn du von dieser Geschichte angetan bist, betrachtest du die Liebe, die Gott in diesem Augenblick offenbarte, als die höchste Wahrheit und als das einzige Merkmal Seines Wesens. In deinem Herzen beschränkst du Ihn und fällst das Urteil, dass alles, was Gott damals getan hat, die höchste Wahrheit ist. Du hältst das für Gottes schönste Seite und die Seite, die am meisten dafür sorgt, dass die Menschen Ihn respektieren und fürchten, und denkst, das sei Gottes Liebe. Tatsächlich waren Gottes Handlungen an sich positiv, weil du Ihn aber einschränkst, wurden sie in deinem Kopf zu Auffassungen und bildeten die Grundlage für die Urteile, die du über Gott gefällt hast. Sie führen dazu, dass du Gottes Liebe falsch verstehst, als ob es nichts anderes gäbe als Barmherzigkeit, Fürsorge, Schutz, Führung, Gnade und Segnungen – als ob das alles wäre, was Gottes Liebe ausmacht. Warum schätzt du diese Aspekte der Liebe so sehr? Liegt es daran, dass sie deine eigenen Interessen betreffen? (Ja.) Welche deiner eigenen Interessen betreffen sie? (Die Freuden des Fleisches und ein bequemes Leben.) Wenn Menschen an Gott glauben, wollen sie nur diese Dinge von Ihm bekommen, andere aber nicht. Die Menschen wollen nicht über Verurteilung, Züchtigung, Prüfungen und Läuterung nachdenken oder darüber, für Gott zu leiden, etwas aufzugeben und sich aufzuwenden, geschweige denn, ihr eigenes Leben zu opfern. Die Menschen wollen einfach nur Gottes Liebe, Fürsorge, Schutz und Führung genießen, also fällen sie das Urteil, dass Gottes Liebe das einzige Merkmal Seines Wesens ist und Sein Wesen insgesamt. Stimmt es nicht, dass Gottes Taten, als Er die Israeliten durch das Rote Meer führte, zur Quelle der Auffassungen der Menschen wurden? (Doch, das stimmt.) Vor diesem Hintergrund entwickelten die Menschen Auffassungen über Gott. Können sie mit diesen Auffassungen über Gott dann überhaupt ein wahres Verständnis von Gottes Werk und Seiner Disposition erlangen? Es ist offensichtlich, dass sie nicht nur auf keinen Fall verstehen, sondern es falsch interpretieren und sich Auffassungen darüber machen werden. Das beweist, dass das Verständnis des Menschen zu beschränkt und damit kein wahres Verständnis ist. Denn es handelt sich hier nicht um die Wahrheit, sondern um eine Art von Liebe und Verständnis von Gott, die die Menschen anhand ihrer eigenen Auffassungen, Einbildungen, und selbstsüchtigen Wünsche analysieren und interpretieren; das ist nicht mit dem wahren Wesen Gottes vereinbar. Abgesehen von Barmherzigkeit, Rettung, Fürsorge, Schutz und durch die Erhörung ihrer Gebete, auf welche andere Weise liebt Gott die Menschen noch? (In Form Seiner Züchtigung, Disziplinierung, Schläge und Läuterung, Seines Gerichts und Seiner Prüfungen, und wenn Er sie zurechtstutzt.) Das ist richtig. Gott zeigt Seine Liebe auf vielfältige Weise: durch Schläge, Disziplinierung, Tadel und durch Gericht, Züchtigung, Prüfungen, Läuterung und so weiter. Das sind alles Aspekte der Liebe Gottes. Nur diese Sichtweise ist vollständig und stimmt mit der Wahrheit überein. Wenn du das verstehst, wenn du dich selbst prüfst und feststellst, dass du Gott falsch verstanden hast, bist du dann nicht in der Lage, deine Verzerrungen zu erkennen und gründlich darüber nachzudenken, was du falsch gemacht hast? Kann dir das nicht helfen, dein falsches Verständnis von Gott zu berichtigen? (Doch.) Um das zu erreichen, musst du die Wahrheit suchen. Solange die Menschen die Wahrheit suchen, können sie ihr falsches Verständnis von Gott beseitigen, und wenn sie ihr falsches Verständnis von Gott beseitigt haben, können sie sich allen Anordnungen Gottes fügen(Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Nur wenn man die Wahrheit versteht, kann man Gottes Taten kennen). Durch das Lesen von Gottes Worten erkannte ich, dass ich in einem Zustand des Missverständnisses gegenüber Gott lebte, weil ich Gottes Liebe eingeschränkt hatte. In meinen Auffassungen und Einbildungen glaubte ich, dass Gottes Liebe aus Barmherzigkeit, liebevoller Güte, Schutz und Segen besteht. Verfolgung, Not, Prüfungen und Läuterungen entsprachen nicht meiner Auffassung, und ich glaubte, dass sie nicht Gottes Liebe seien. Nachdem meine Tochter also verhaftet worden war, haderte ich mit Gott, missverstand Ihn und war nicht in der Lage, mich der Situation zu unterwerfen, die Er orchestriert hatte. Ich dachte darüber nach, wie ich in der Vergangenheit gezwungen gewesen war, von zu Hause wegzugehen, weil ich von der Polizei gejagt wurde. Damals war meine Tochter noch recht jung, und unter Gottes Fürsorge und Schutz konnte sie gesund aufwachsen. Ich dachte, dass Gottes Liebe genau darin bestünde. Nachdem sie gläubig geworden war, begann meine Tochter, ihre Pflicht in der Kirche zu tun. Ich dachte, da sich unsere ganze Familie für Gott aufwendete, hätten wir gewiss ein gutes Ergebnis und einen guten Bestimmungsort. Daher hielt ich das erst recht für Gottes Liebe und dankte Gott in meinem Herzen. Nun war meine Tochter verhaftet worden, und es war höchst wahrscheinlich, dass sie gefoltert würde. Wenn sie dieser Verfolgung nicht standhalten könnte und zu einem Judas würde, würde sie ihre Chance auf Errettung verwirken. Das brachte mich dazu, Gottes Liebe infrage zu stellen, mit Gott zu hadern, weil Er meine Tochter nicht beschützt hatte, und ein Missverständnis Ihm gegenüber in meinem Herzen zu entwickeln. Meine Wahrnehmung von Gottes Liebe basierte vollkommen darauf, was für mich vorteilhaft war. Wenn Gott dafür sorgte, dass für meine Familie alles reibungslos und friedlich verlief und das Ergebnis für meine Familie günstig war, dann sagte ich, dass Gott Liebe ist. Wenn die Situationen jedoch nicht meinen Auffassungen entsprachen und für meine Familie nicht günstig waren, leugnete ich Gottes Liebe. Ich dachte, dass Gottes Liebe aus Barmherzigkeit, liebevoller Güte, Schutz und Segen besteht, doch das war meine Auffassung und Einbildung und entsprach nicht der Wahrheit. Gottes Liebe besteht nicht nur aus Barmherzigkeit und liebevoller Güte, sie besteht auch aus Gericht, Züchtigung, Prüfungen und Läuterungen. Die Verhaftung meiner Tochter mochte wie etwas Schlechtes erscheinen, doch wenn sie in der Lage wäre, die Wahrheit zu suchen und in ihrem Zeugnis standhaft zu bleiben, würden ihr Glaube und ihr Wille, Leid zu ertragen, perfektioniert werden. Das wäre eigentlich etwas Gutes für meine Tochter. Zudem half die Verhaftung meiner Tochter dabei, meine Auffassungen, Einbildungen und unvernünftigen Forderungen an Gott offenzulegen, was mir erlaubte, über meine Verdorbenheit und Unreinheiten nachzudenken. Ich verstand auch, dass man in seinem Glauben nicht nach Gnade und Segen streben sollte, sondern sich auf das Wichtigste konzentrieren sollte: Gottes Werk und Worte zu erfahren, die Wahrheit zu erlangen, die Verdorbenheit abzulegen und eine Veränderung der Disposition zu erreichen. Ich sah, dass ganz gleich, was Gott tut, es immer eine Manifestation Seiner Errettung und Liebe ist.

Danach suchte ich in Bezug auf mein Problem weiter nach der Wahrheit. Als meine Tochter verhaftet wurde, stellte ich in meinem Herzen ständig Forderungen an Gott und haderte mit Ihm – was war die Natur meines Problems? Während meiner Suche stieß ich auf diesen Abschnitt aus Gottes Worten: „Manche ignoranten Eltern können das Leben oder das Schicksal nicht durchblicken, erkennen Gottes Souveränität nicht und neigen im Umgang mit ihren Kindern zu ignoranten Handlungen. Zum Beispiel, nachdem sie unabhängig geworden sind, erleben die Kinder vielleicht bestimmte Situationen, Nöte oder schwere Tragödien; manche sind von einer Krankheit geschlagen, manche geraten in Rechtsstreitigkeiten, andere lassen sich scheiden, manche werden getäuscht und betrogen, manche werden entführt, verletzt, werden schwer misshandelt oder stehen vor dem Tod. Es gibt auch solche, die dem Drogenmissbrauch verfallen, und so weiter. Was sollten Eltern in diesen besonderen und bedeutsamen Situationen tun? Wie ist die typische Reaktion der meisten Eltern? Tun sie das, was sie als geschaffene Wesen mit der Identität von Eltern tun sollten? Es kommt selten vor, dass Eltern eine solche Nachricht hören und so reagieren, als sei das Ganze einem Fremden zugestoßen. Die meisten Eltern bekommen über Nacht graue Haare aus Kummer, sie verbringen eine schlaflose Nacht nach der anderen, haben tagsüber keinen Appetit, sie zerbrechen sich den Kopf mit Grübeleien, und manche weinen sogar bitterlich, bis sie rote Augen bekommen und ihre Tränen versiegen. Sie beten inständig zu Gott, damit Gott ihren Glauben berücksichtigt und ihre Kinder beschützt, ihnen gnädig ist und sie segnet, ihnen Barmherzigkeit zeigt und ihr Leben verschont. In einer solchen Situation kommen alle menschlichen Schwächen, Verletzlichkeiten und Gefühle der Eltern gegenüber ihren Kindern ans Tageslicht. Was wird sonst noch aufgedeckt? Ihre Aufsässigkeit gegen Gott. Sie flehen Gott an und beten zu Ihm, bitten Ihn inständig, ihre Kinder vor Unheil zu bewahren. Selbst wenn eine Katastrophe eintritt, beten sie, dass ihre Kinder nicht sterben, dass sie der Gefahr entkommen, böse Menschen ihnen keinen Schaden zufügen, dass ihre Krankheit nicht schlimmer wird und sich stattdessen verbessert und so weiter. Wofür beten sie wirklich? (Gott, mit diesen Gebeten stellen sie Forderungen an Gott, mit einem Unterton der Beschwerde.) In gewisser Hinsicht sind sie äußerst unzufrieden mit der Notlage ihrer Kinder, und sie beschweren sich: Gott hätte nicht zulassen sollen, dass ihren Kindern so etwas zustößt. Ihrer Unzufriedenheit ist Beschwerde beigemischt, und sie bitten Gott, Seinen Entschluss zu ändern und nicht so zu handeln, ihre Kinder vor Gefahren zu retten und sie zu beschützen, ihre Krankheit zu heilen, ihnen dabei zu helfen, Rechtsstreitigkeiten zu entkommen, aufkommendes Unheil abzuwenden und so weiter – kurz gesagt, dass alles reibungslos läuft. Indem sie auf diese Weise beten, beschweren sie sich einerseits über Gott, andererseits stellen sie Forderungen an Ihn. Ist das nicht ein Ausdruck von Aufsässigkeit? (Doch.) Sie sagen indirekt, dass das, was Gott tut, nicht richtig bzw. nicht gut ist, dass Er nicht so handeln sollte. Weil es sich um ihre Kinder handelt und sie Gläubige sind, denken sie, Gott sollte nicht zulassen, dass ihren Kindern solche Dinge zustoßen. Ihre Kinder sind anders als andere; sie sollten bevorzugt werden, wenn es darum geht, Gottes Segnungen zu empfangen. Aufgrund ihres Glaubens an Gott sollte Er ihre Kinder segnen, und wenn Er es nicht tut, sind sie bekümmert, sie weinen, bekommen einen Wutanfall und wollen Gott nicht mehr folgen. Wenn ihr Kind stirbt, glauben sie, auch sie könnten nicht mehr weiterleben. Ist es das, was sie empfinden? (Ja.) Ist das nicht eine Form des Protests gegen Gott? (Doch.) Es ist Protest gegen Gott(Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Wie man nach der Wahrheit strebt (19)). Gott offenbart, wie Eltern unvernünftige Forderungen an Ihn stellen, wenn ihren Kindern ein Unglück zustößt, indem sie glauben, Gott solle auf diese oder jene Weise handeln, und mit Ihm hadern, wenn Er nicht dementsprechend handelt. Das ist eine Unmutsbekundung gegen Gott. Ich befand mich in genau solch einem Zustand. Sobald ich hörte, dass meine Tochter verhaftet worden war, wurde ich unruhig und bekam Angst, die Polizei würde sie foltern und quälen. Noch mehr Sorge machte mir, dass sie ihre Brüder und Schwestern verraten, zu einem Judas werden und kein gutes Ergebnis haben würde. Ohne es überhaupt zu merken, fing ich an, mit Gott zu hadern, und dachte: „Immerhin hat meine Tochter ihrer Karriere den Rücken gekehrt, um sich in Vollzeit für Gott aufzuwenden. Wie konnte Gott sie da nicht beschützen?“ Ständig missverstand ich Gott oder stellte unvernünftige Forderungen an Ihn. Wie vernunftlos ich doch war! Ich dachte darüber nach, wie Gott stets die Herrschaft über jede Situation hat, der wir begegnen, und sie alle anordnet. Doch ich verstand Gottes Herrschaft nicht und wurde unvernünftig und widerspenstig gegenüber Gott, als meine Tochter verhaftet wurde. Und als meine Arbeitspartnerin versuchte, mit mir über Gottes Worte Gemeinschaft zu halten, hörte ich ihr nicht einmal zu und nahm Gottes Worte nicht an. Wenn ich diesen Zustand nicht beheben würde und meiner Tochter etwas Schreckliches zustieße, würde ich gewiss hadern und mich vielleicht sogar gegen Gott wenden und Ihn verraten! Ich dachte an Hiob: Als er Prüfungen unterzogen wurde, all seinen Besitz und seine Kinder verlor und sein Körper mit Geschwüren übersät war, erkannte er dennoch, dass Gott ihm seinen Besitz und seine Kinder gegeben hatte und dass es mit Gottes Erlaubnis geschah, dass sie ihm genommen wurden. Daher haderte und rechtete er nicht mit Gott, sondern war in der Lage, sich Gottes Herrschaft und Seinen Anordnungen zu unterwerfen, und pries sogar Gottes Namen. Was mich betraf, so begann ich angesichts der Verhaftung meiner Tochter an Gottes Allmacht, Herrschaft und Autorität zu zweifeln, war ständig besorgt und verängstigt und stellte sogar Forderungen an Gott und rechtete mit Ihm. Ich rebellierte gegen Gott und widersetzte mich Ihm! Als mir das klar wurde, wollte ich nicht länger gegen Gott rebellieren oder mich Ihm widersetzen. Egal, was mit meiner Tochter geschah, ob sie nun gefoltert wurde oder nicht, oder ob sie ein guten Bestimmungsort und Ergebnis haben würde, ich wollte nicht mit Gott hadern und mich in allen Dingen Seiner Herrschaft und Seinen Anordnungen unterwerfen.

Später stieß ich auf diese Abschnitte aus Gottes Worten: „Das Leben von Kindern und Eltern ist in Gottes Augen unabhängig voneinander. Sie gehören nicht zueinander, noch besteht eine hierarchische Beziehung. Eine Beziehung von Besitz und Im-Besitz-Sein besteht natürlich erst recht nicht zwischen ihnen. Ihr Leben kommt von Gott, und Gott ist Herrscher über ihr Schicksal. Es ist einfach so, dass Kinder von ihren Eltern geboren werden, Eltern älter als ihre Kinder sind und Kinder jünger als ihre Eltern; doch auf der Grundlage dieser Beziehung, dieses oberflächlichen Phänomens, glauben die Menschen, Kinder seien das Zubehör und Privateigentum ihrer Eltern. Dabei wird die Sache nicht von ihren Wurzeln her betrachtet, sondern nur auf einer oberflächlichen Ebene, nämlich dem Fleisch und den Gefühlen. Deshalb ist diese Betrachtungsweise an sich falsch, und diese Perspektive ist falsch. Stimmt das nicht? (Doch.)“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Wie man nach der Wahrheit strebt (19)). „Abgesehen davon, einem Menschen das Leben zu schenken und ihn aufzuziehen, besteht die Verantwortung, die die Eltern im Leben eines Menschen tragen, lediglich darin, diesem Menschen von außen eine Umgebung für sein Heranwachsen zu stellen, und mehr nicht – denn nur die Vorherbestimmung des Schöpfers hat einen Einfluss auf das Schicksal eines jeden Menschen. Was für eine Zukunft jemand haben wird, kann von keinem Menschen kontrolliert werden; sie wurde lange im Voraus vorherbestimmt, und nicht einmal die Eltern eines Menschen können sein Schicksal ändern. Was das Schicksal betrifft, ist jeder unabhängig; jeder hat sein eigenes Schicksal. Niemandes Eltern können also Schicksal eines Menschen im Leben überhaupt durchkreuzen, noch können sie irgendetwas tun, um ihm weiterzuhelfen, wenn es um die Rolle geht, die er im Leben spielt. Man kann sagen, dass, ganz gleich in welche Familie jemand vorherbestimmt hineingeboren wird und in welcher Umgebung er aufwächst, diese Dinge nichts weiter als die Voraussetzungen dafür sind, seine Mission im Leben zu vollenden. Sie bestimmen in keiner Weise das Schicksal eines Menschen im Leben oder die Art von Schicksal, in dem er seine Mission vollendet. Somit können niemandes Eltern einem Menschen dabei helfen, seine Mission im Leben zu vollenden, noch kann irgendein Verwandter ihm dabei helfen, seine Rolle im Leben auszufüllen. Wie jemand seine Mission vollendet und in was für einer Lebensumgebung er seine Rolle übernimmt, hängt ganz und gar von seinem Schicksal im Leben ab(Das Wort, Bd. 2, Über Gotteskenntnis: Gott Selbst, der Einzigartige III). Durch Gottes Worte wurde mir klar, dass es falsch war, meine Tochter als mein „persönliches Eigentum“ zu betrachten, nur weil sie mein Fleisch und Blut war. Das Leben des Menschen stammt von Gott – Er ist es, der dem Menschen den Lebensatem gibt. Die Rolle der Eltern besteht lediglich darin, Kinder zur Welt zu bringen und sie bis zum Erwachsenenalter aufzuziehen. Sobald dies abgeschlossen ist, ist unsere Mission erfüllt. Jeder Mensch ist eigenständig; Eltern und Kinder haben ihr eigenes Schicksal und jeder von uns muss dem vom Schöpfer bestimmten Lebensweg folgen und seine Verantwortlichkeiten erfüllen. Mir wurde auch klar, dass der Grund, warum ich mir Sorgen um das Leid meiner Tochter machte und als ihre Mutter an ihrer Stelle leiden wollte, ein mangelndes Verständnis von Gottes Herrschaft war. In Wirklichkeit ist bereits vorherbestimmt, welche Erfahrungen wir machen, welches Leid wir ertragen werden und welche Rolle wir im Leben spielen müssen, daher war meine Sorge unnötig. Egal, wie sehr ich mich sorgte, es würde nichts ändern und keinen Einfluss auf die Zukunft und das Schicksal meiner Tochter haben. Wenn meine Tochter nach ihrer Verhaftung aus Feigheit alles Nötige täte, um sich an ihr Leben zu klammern, ihre Brüder und Schwestern verriete, um ihre eigenen Interessen zu schützen, zu einem Judas würde und ausgeschlossen würde, dann wäre das durch ihre Wesensnatur und den Weg, den sie eingeschlagen hat, bestimmt. Niemand könnte das ändern. Nachdem ich das erkannt hatte, gewann ich augenblicklich an Klarheit. Ich wusste, dass ich meine Tochter Gott übergeben, mich Gottes Herrschaft und Seinen Anordnungen unterwerfen, mein Herz in meine Arbeit legen und meine Pflicht gut tun musste. Nachdem ich später einige von Gottes Worten gegessen und getrunken hatte, wurde mir klar, dass das, was Gott in den letzten Tagen tut, das Werk des Perfektionierens sowie des Offenbarens und Ausmusterns von Menschen ist. Gott benutzt den großen roten Drachen und lässt ihn einen Dienst erweisen, um die Kirche zu reinigen. Diejenigen, die nach der Wahrheit streben, werden sich nicht irreführen lassen, Gott nicht verleugnen oder verraten und in der Lage sein, in ihrem Zeugnis für Gott standhaft zu bleiben – ganz gleich, welchen finsteren Plan die KPCh ausheckt oder welche Gerüchte und Trugschlüsse sie fabriziert. Was diejenigen betrifft, die nicht nach der Wahrheit streben und die nicht Gottes sind, so werden sie durch diese Situationen offenbart und ausgemustert. Gott nutzt diese widrigen Umstände, um die Menschen auf die Probe zu stellen: Diejenigen, die in ihrem Zeugnis standhaft bleiben, sind der Weizen, während diejenigen, die nicht standhaft bleiben können, die ausgemusterte Spreu sind. Dies ist eine der Methoden im Prozess Gottes, mit der Er die Menschen auf die Probe stellt, und es ist die Weisheit von Gottes Werk. Ob meine Tochter diese Probe bestehen könnte und in der Lage wäre, Zeugnis abzulegen, hing davon ab, wie sie in normalen Zeiten nach der Wahrheit gestrebt hatte, und hing zudem von ihrer Wesensnatur und dem Weg ab, den sie gewählt hatte. Wenn sie in der Lage wäre, in ihrem Zeugnis für Gott standhaft zu bleiben, würde das zeigen, dass sie wahren Glauben an Gott hatte. Wenn sie Gott während dieser Probe jedoch verleugnete und verriet, wäre dies Gottes Art, sie zu offenbaren. Gott ist gegenüber allen Menschen gerecht. Nachdem ich das erkannt hatte, fühlte ich mich befreit und ruhig.

Es sind nun zwei Monate vergangen, seit meine Tochter verhaftet wurde, und ich habe immer noch keine Neuigkeiten über ihre Lage gehört, aber ich weiß, dass ihr Schicksal in Gottes Händen liegt und ich lasse mich von ihrer Situation nicht mehr einschränken. Zudem habe ich erkannt, dass ich die Gelegenheit schätzen muss, die ich noch habe, meine Pflicht gut zu tun und meine Verantwortlichkeiten gut zu erfüllen. Sobald ich meine Sorge und meine Ängste um meine Tochter beiseitegelegt hatte, war ich in der Lage, mich wieder von ganzem Herzen meiner Pflicht zu widmen.

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