44. Eine gefährliche Situation offenbarte meinen Egoismus
1998 nahm ich das Werk der letzten Tage des Allmächtigen Gottes an. Später erregte ich wegen meines Glaubens Aufsehen und geriet ins Visier der Polizei der KPCh. 2016 verließen meine Frau und ich unser Zuhause und mieteten an einem anderen Ort ein Haus, um unsere Pflicht auszuführen. Später erzählten mir Brüder und Schwestern aus meiner Heimatstadt, dass die Polizei immer noch nach mir suche und sogar einen Nachbarn bestochen habe, mich zu melden, falls er mich sieht. Deshalb waren wir sehr vorsichtig, während wir anderswo unsere Pflicht ausführten. Wir waren ständig auf der Hut, aus Angst, überwacht und verhaftet zu werden.
Eines Morgens in der ersten Hälfte des Jahres 2023 kam Schwester Zhang Ning plötzlich mit besorgtem Gesichtsausdruck zu mir nach Hause und erzählte, dass ihre Arbeitspartnerin verhaftet worden war, ebenso wie mehrere andere Brüder und Schwestern aus der Kirche. Die Polizei hatte zur Befragung sogar einige Gastunterkünfte aufgesucht. Sie und Schwester Liu Ming wussten nicht, wohin, und wollten eine Weile bei mir unterkommen. Bei dem Gedanken, dass sie gejagt wurden und nicht nach Hause konnten, sagte ich sofort zu. Doch zwei Tage später erfuhr ich, dass beide verraten worden waren und dass die Polizei ein Foto von Liu Ming in die Hände bekommen hatte und nun nach ihr fahndete. Als ich das hörte, wurde ich sehr nervös. Es fühlte sich an, als hinge eine dunkle Wolke über China und als gäbe es nirgendwo mehr einen sicheren Ort. Ich machte mir auch unwillkürlich Sorgen und dachte: „Ich werde doch auch von der KPCh-Polizei gejagt. Ist es da nicht zu gefährlich, wenn die beiden Schwestern jetzt bei mir bleiben? Besonders Liu Ming – die Polizei hat ihr Foto und fahndet aktiv nach ihrem Aufenthaltsort. Sie ist auf dem Weg zu mir nach Hause an vielen Überwachungskameras vorbeigekommen. Wenn die Polizei die Aufnahmen prüft, kann sie ihre Schritte schnell bis zu meinem Haus verfolgen. Dann würden wir auch verhaftet!“ Ich dachte auch daran, dass ich seit vielen Jahren Bluthochdruck und eine Herzkrankheit hatte, und ich fragte mich: „Werde ich es aushalten können, wenn ich am Ende verhaftet und gefoltert werde? Wenn ich das Leid nicht ertragen kann und Gott verrate, war mein Glaube dann nicht umsonst? Und ich würde in Zukunft auch noch bestraft werden.“ Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr Angst bekam ich und ich fühlte mich ungeheuer unter Druck gesetzt. In diesem Moment kam mir ein Gedanke: „Hätte ich gewusst, dass das alles so gefährlich werden würde, hätte ich nie zugestimmt, Zhang Ning und Liu Ming aufzunehmen. So hätte ich weniger riskiert. In dieser brenzligen Lage wird die Gefahr für mich immer größer, je länger sie hier sind.“ Nach diesem Gedanken ließ ich in unseren Gesprächen immer wieder durchblicken, dass es bei mir nicht sicher sei. Ich wollte Zhang Ning und Liu Ming damit dazu bringen, die Leiter zu drängen, schnellstmöglich eine andere Gastunterkunft für sie zu finden. Jedes Mal, wenn ich so etwas sagte, wirkten beide hilflos. Danach fühlte ich mich schuldig. Ich dachte, ich sollte sie nicht so behandeln, besonders Liu Ming. Ihre Gesundheit war ohnehin schon schlecht, und jetzt wurde sie auch noch gejagt. Vor nicht allzu langer Zeit war ihre Mutter verhaftet worden, und niemand wusste, was mit ihr geschehen war. Einmal sah ich sie allein in der Küche weinen. Sie waren in großer Gefahr, und ich hätte sie nicht zum Gehen drängen sollen. Aber wenn ich an meine eigene Sicherheit dachte, hoffte ich trotzdem, dass sie bald mein Haus verlassen würden.
Bei einer Versammlung las ich einen Abschnitt aus Gottes Worten, und er berührte mich tief. Der Allmächtige Gott sagt: „Ganz gleich, wie ‚ungeheuer mächtig‘ Satan ist, wie dreist und ehrgeizig er ist, wie groß seine Fähigkeit ist, Schaden zuzufügen, wie weitreichend seine Fähigkeiten sind, den Menschen zu verderben und zu ködern, wie clever die Tricks und Listen sind, mit denen er den Menschen einschüchtert, oder wie vielfältig die Formen seiner Existenz sind, er war nie in der Lage, ein einziges Lebewesen zu erschaffen, Gesetze oder Regeln für die Existenz aller Dinge festzulegen oder irgendein Objekt zu regieren oder die Herrschaft darüber zu haben, sei es belebt oder unbelebt. Innerhalb des Kosmos und des Firmaments gibt es keine einzige Person und keine einzige Sache, die von ihm ins Dasein gerufen wurde oder die seinetwegen existiert; es gibt keine einzige Person oder Sache, die seiner Herrschaft untersteht oder von ihm regiert wird. Im Gegenteil, er muss nicht nur unter der Herrschaft Gottes existieren, sondern auch allen Befehlen und Anordnungen Gottes gehorchen. Ohne Gottes Zustimmung kann Satan nicht einfach einen Tropfen Wasser oder ein Sandkorn auf der Erde berühren; ohne Gottes Zustimmung kann sich Satan noch nicht einmal an den Ameisen auf der Erde zu schaffen machen, geschweige denn an der Menschheit, die von Gott geschaffen wurde. In den Augen Gottes ist Satan niedriger als die Lilien auf dem Berg, als die Vögel, die in der Luft fliegen, und als die Fische im Meer und die Maden auf Erden. Seine Rolle unter allen Dingen ist es, allen Dingen zu dienen, der Menschheit zu dienen und Gottes Werk und Seinem Führungsplan zu dienen. Ganz gleich, wie böswillig seine Natur ist und wie niederträchtig sein Wesen ist, das Einzige, was er tun kann, ist, fügsam seiner Funktion zu dienen: Gott einen Dienst zu erweisen – gut als Kontrastfigur zu dienen. So ist die Substanz und die ursprüngliche Position Satans. Sein Wesen hat nichts mit Leben, Macht oder Autorität zu tun; er ist lediglich ein Spielball in Gottes Händen, nur eine Maschine, die Gott verwendet, damit sie Ihm dient!“ (Das Wort, Bd. 2, Über Gotteskenntnis: Gott Selbst, der Einzigartige I). Durch Gottes Worte sah ich, dass Satan Gottes Werk einen Dienst erweist und dass er ohne Gottes Erlaubnis nichts tun kann. Obwohl der große rote Drache sehr grausam erscheint, ist auch er in Gottes Händen. Ob Liu Ming bei ihrer Ankunft hier überwacht und verfolgt worden war und ob ich verhaftet werden würde, waren alles Angelegenheiten, die unter Gottes Kontrolle standen, und Gott würde das letzte Wort haben. Ohne Gottes Erlaubnis würde die Polizei uns nicht finden. Ich war noch nicht einmal verhaftet worden, war aber trotzdem schon so zaghaft und ängstlich. Ich hatte sogar darüber nachgedacht, mich zu weigern, die beiden Schwestern weiter zu beherbergen. Das zeigte, dass ich überhaupt keinen wirklichen Glauben an Gott hatte. Wenn mir Dinge widerfuhren, hatte Gott keinen Platz in meinem Herzen. Inwiefern war ich denn da jemand, der wirklich an Gott glaubte? Ich war praktisch ein Ungläubiger. Ich sah, dass meine Größe nach so vielen Jahren des Glaubens immer noch so gering war, und ich hasste mich dafür, dass ich nicht nach der Wahrheit strebte. Wenn mir Situationen widerfuhren, offenbarten sie, wie erbärmlich wenig Wahrheitsrealität ich besaß.
Später las ich bei einer Versammlung einige von Gottes Worten: „In der Nation des großen roten Drachen habe Ich einen Abschnitt des Werkes ausgeführt, das für Menschen unergründlich ist, was dazu führt, dass sie im Wind hin und her schwanken, wonach viele leise mit dem Wehen des Windes forttreiben. Wahrlich, dies ist die ‚Tenne‘, die Ich in Kürze fegen werde; das ist es, wonach Ich Mich sehne, und es ist auch Mein Plan. Denn viele Frevler haben sich hereingeschlichen, während Ich am Wirken bin, aber Ich habe es nicht eilig, sie zu vertreiben. Vielmehr werde Ich sie zerstreuen, wenn der Zeitpunkt der richtige ist. Erst danach werde Ich die Quelle des Lebens sein und es denen, die Mich wahrhaft lieben, erlauben, von Mir die Frucht des Feigenbaumes und den Lilienduft zu empfangen. In dem Land, wo sich Satan aufhält, dem Land des Staubs, da bleibt kein reines Gold, nur Sand, und so verrichte Ich, da Ich auf diese Umstände treffe, solch einen Abschnitt des Werkes“ (Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Die sieben Donner erschallen – sie sagen voraus, dass sich das Evangelium des Königreichs im ganzen Universum verbreiten wird). Aus Gottes Worten erkannte ich, dass Gott die Verfolgung und Verhaftung Seines auserwählten Volkes durch den großen roten Drachen zulässt, um diesen im Dienste der Prüfung aller auszunutzen. Einerseits geschieht dies, um eine Gruppe von Menschen zu perfektionieren, und andererseits, um Ungläubige und Feiglinge zu offenbaren. Früher hatte ich oft behauptet, auf Gottes Absichten Rücksicht zu nehmen und bereit zu sein, mich Gott zu unterwerfen und Ihm treu zu sein. Ich hatte auch gesagt, dass Brüder und Schwestern einander helfen und lieben sollten, doch die Tatsachen offenbarten, dass dies nur Glaubenslehren und Parolen ohne jegliche Wirklichkeit waren. Als Zhang Ning und Liu Ming zu mir kamen, war ich anfangs bereit gewesen, sie aufzunehmen. Nachdem ich jedoch gesehen hatte, wie etliche Leute festgenommen wurden, und gehört hatte, dass die beiden verraten worden waren und die Polizei nach Liu Ming fahndete, spürte ich, dass es ein sehr großes Risiko barg, sie bei mir wohnen zu lassen, und dass mir eine schwere Strafe drohen würde, sollte ich verhaftet werden. Um mich selbst zu schützen, wollte ich sie nicht mehr beherbergen. Alles, was ich im Herzen fühlte und mit Worten sagte, zielte nur darauf ab, sie dazu zu bringen, so schnell wie möglich wieder zu gehen. Ich dachte an mich selbst. Auch ich wurde vom großen roten Drachen gejagt und hatte ein Zuhause, in das ich nicht zurückkehren konnte. In Zeiten körperlichen Schmerzes und innerer Qual hoffte auch ich auf die Hilfe anderer. Nun hatte Gott einen passenden Ort für mich vorbereitet, aber als die Schwestern nicht mehr nach Hause konnten und keine Bleibe mehr hatten, war mir ihre Sicherheit egal, und ich wollte sie ständig loswerden. Ich erkannte, dass ich keinerlei Liebe für meine Brüder und Schwestern hatte. Zhang Ning und Liu Ming führten wichtige Pflichten in der Kirche aus, doch in diesem kritischen Moment dachte ich nicht darüber nach, wie ich ihre Sicherheit gewährleisten oder die Kirchenarbeit schützen könnte. In welcher Hinsicht war ich Gott gegenüber treu? Meine Natur war so egoistisch, und mir mangelte es an Menschlichkeit! Erst jetzt wurde mir klar, dass der große rote Drache dem Werk Gottes einen Dienst erweist, und dass ich ohne eine solche Situation meine Verdorbenheit nicht erkannt hätte. Danach beschloss ich für mich: Selbst wenn ich eines Tages tatsächlich verhaftet werden sollte, würde ich standhaft zu meinem Zeugnis stehen und Gott nicht verraten. Also besprach ich mit Zhang Ning und Liu Ming, wie wir reagieren und uns zurückziehen würden, falls die Polizei zur Hausdurchsuchung käme oder falls etwas Unvorhergesehenes passierte. Dadurch fühlte ich mich weniger ängstlich.
Nach einer Weile zogen Zhang Ning und Liu Ming um. Meine jüngere Schwester und ihr Mann besuchten mich zu Hause, um mich zur Vorsicht zu ermahnen. Sie sagten, die Polizei fahnde nach mir und halte mich außerdem für einen Leiter. Wenn ich gefasst würde, würde man mich definitiv verurteilen. Mir wurde schwer ums Herz, und ich fragte mich, ob diejenigen, die verhaftet worden waren und dann die Brüder und Schwestern verraten hatten, mich identifiziert und verraten hatten. Sicherheitshalber versteckte ich alle wichtigen Dinge in meinem Haus. Ich dachte, falls etwas passieren sollte, würde ich die Stadt verlassen und eine Zeit lang untertauchen. Genau in diesem Moment kehrte Liu Ming plötzlich zurück. Sie hatte nicht in der Gastunterkunft bleiben können, in die sie umgezogen war, weil diese überwacht wurde. Ich war schockiert und dachte: „Liu Ming wird gejagt, und überall sind Kameras. Jetzt, da sie nach ihrem Umzug zurück ist, wird die Polizei ihren Aufenthaltsort leicht ausfindig machen können, falls sie überwacht wird. Ursprünglich war meine Wohnung relativ sicher, aber wenn die Polizei die Spuren der Überwachungsaufnahmen nutzt, um Liu Ming aufzuspüren, fliegt dann nicht auch mein Zuhause auf?“ An diesem Abend betete ich zu Gott: „Gott, Liu Ming ist plötzlich zurückgekehrt. Ich habe Angst, dass ich mit hineingezogen werde, falls sie überwacht und verfolgt wird, und fürchte mich vor einer Verhaftung. Gott, bitte bewahre mein Herz und führe mich, damit ich aus diesen Umständen meine Lektion lerne.“ Nach dem Gebet hatte ich ein wenig mehr inneren Frieden. Ich war bereit, Liu Ming vorerst bei mir wohnen zu lassen.
Einige Tage später erfuhr ich, dass Liu Mings Mutter wusste, wo ich wohnte. Eine gläubige Verwandte von ihr wusste ebenfalls, dass Liu Ming bei mir war. Ich dachte: „Im Moment kann man sich auf niemanden verlassen. Wenn diese Verwandte gefasst wird und enthüllt, dass Liu Ming bei mir ist, bin ich dann nicht in noch größerer Gefahr?“ Meine Anspannung stieg wieder und ich dachte: „Liu Mings Sicherheit ist so massiv gefährdet. Ich hätte ihr vor ein paar Tagen, als sie ging, sagen sollen, dass sie nicht zurückkommen kann, wenn sie erst einmal weg ist. Dann müsste ich mir jetzt über diese Risiken keine Sorgen machen.“ Mit diesem Gedanken bat ich sie, den Leitern zu schreiben und sie zu drängen, schnell eine Gastunterkunft für ihren Umzug zu finden. Doch die Tage vergingen, und es gab immer noch kein Anzeichen dafür, dass die Leiter kommen würden, um Liu Ming abzuholen, also wurde ich langsam besorgt. Liu Ming sagte hilflos: „Die Lage in der ganzen Kirche ist im Moment ziemlich brenzlig, und es ist schwer, aktuell eine geeignete Gastunterkunft zu finden.“ Als ich Liu Mings traurigen Gesichtsausdruck sah, empfand ich Reue und brachte es nicht übers Herz, sie wegzuschicken. Später beurteilten die Leiter auch meinen Ort als nicht sicher und brachten Liu Ming in einer anderen Unterkunft unter.
Danach begann ich nachzudenken und zu grübeln. Ich fragte mich, welche Lehren ich aus den beiden Anlässen, bei denen ich Zhang Ning und Liu Ming beherbergt hatte, gezogen hatte. Rückblickend hatte ich bei beiden Gelegenheiten Feigheit offenbart, da ich mich selbst schützen und mich ständig meinen Pflichten entziehen und die Schwestern nicht beherbergen wollte. Deshalb suchte ich Worte Gottes zu diesem Zustand heraus, um sie zu lesen. Gott sagt: „Antichristen sind extrem egoistisch und verachtenswert. Sie haben keinen wahren Glauben an Gott, geschweige denn Treue gegenüber Gott; wenn sie auf ein Problem stoßen, schützen und wahren sie nur sich selbst. Für sie ist nichts wichtiger als ihre eigene Sicherheit. Solange sie noch leben und nicht verhaftet werden, ist es ihnen gleichgültig, wie viel Schaden dem Werk der Kirche zugefügt wird. Diese Menschen sind extrem selbstsüchtig, sie denken überhaupt nicht an die Brüder und Schwestern oder an das Werk der Kirche, sie denken nur an ihre eigene Sicherheit. Sie sind Antichristen“ (Das Wort, Bd. 4, Antichristen entlarven: Punkt 9 (Teil 2)). Die Enthüllung in Gottes Worten zeigte mir, dass Antichristen wirklich egoistisch und verachtenswert sind. Es geht ihnen nur darum, sich selbst und ihre eigenen Interessen zu schützen, und sie nehmen nicht die geringste Rücksicht auf den Schutz der Kirchenarbeit oder die Sicherheit ihrer Brüder und Schwestern. Ich hatte mich genau wie ein Antichrist verhalten. In schwierigen Zeiten dachte ich nur an mich selbst und stellte meine eigenen Interessen an erste Stelle, ohne im Geringsten an die Sicherheit meiner Brüder und Schwestern oder die Arbeit der Kirche zu denken. Zhang Ning und Liu Ming erfüllten textbasierte Pflichten, was eine wichtige Aufgabe für die Kirche darstellt. Da die Kirche nun massiven Verhaftungen ausgesetzt war, konnten viele Gastunterkünfte keinen Schutz mehr bieten. Mein gemietetes Haus war vergleichsweise sicher. In solch einer Situation hätte ich es also als meine moralische Verpflichtung ansehen müssen, sie aufzunehmen, damit sie ein ruhiges Umfeld hätten, um ihre Pflicht auszuführen. Außerdem war Liu Mings Gesundheit angeschlagen. Sie war sehr verzweifelt, weil ihre Mutter verhaftet worden war, und da sie selbst gejagt wurde, hatte sie kein Zuhause mehr, in das sie zurückkehren konnte. Ich hätte sie also aufnehmen und mich um sie kümmern sollen, damit sie sich hier wie zu Hause fühlen und ihre Pflicht in Ruhe ausführen könnte. Doch ich dachte nur daran, ob ich vielleicht verhaftet werden könnte, ob ich standhaft bleiben könnte, wenn ich verhaftet würde, und ob ich danach einen guten Bestimmungsort haben könnte. Ich versetzte mich jedoch nicht in ihre Lage oder ihre Gefühle. Um meine eigene Sicherheit zu schützen, versuchte ich sogar, sie indirekt von mir zu stoßen. Ich zog nur meine eigenen Interessen in Betracht und dachte, solange ich sicher sei, wäre alles andere egal. Ich sah, dass ich genauso war wie jene von Gott entlarvten Antichristen: selbstsüchtig, verachtenswert und ohne Menschlichkeit. Ich dachte an die Brüder und Schwestern in der Kirche, von denen einige in gefährlichen Situationen Brüder und Schwestern aufnehmen, die verfolgt werden. Sie sind bereit, ohne die geringste Klage selbst Risiken einzugehen, um ihre Brüder und Schwestern zu schützen. Manche kümmern sich trotz großer Gefahr um die Nacharbeit, bringen die Bücher mit Gottes Worten in Sicherheit, ohne an ihre persönliche Sicherheit zu denken, und manche treten vor, um ihre Brüder und Schwestern zu schützen, wenn diese verhaftet und verfolgt werden. Die Liste solcher Menschen ließe sich fortsetzen. Diese Menschen können sich auf Gott verlassen, um sich gegen ihr Fleisch aufzulehnen, und schützen dabei die Arbeit der Kirche und ihre Brüder und Schwestern und zeigen ihre Treue, um Gott zufriedenzustellen. Im Vergleich zu ihnen habe ich wirklich versagt. Ich dachte auch an jene Judasse, die nach ihrer Verhaftung die Güter der Kirche und ihre Brüder und Schwestern verraten haben. Sie taten das wegen ihrer zutiefst egoistischen Natur, und weil sie den Tod fürchteten und ihr Leben bewahren wollten. Als der große rote Drache sie bedrohte, einschüchterte und folterte, wollten sie ihr Fleisch nicht leiden lassen. Also stellten sie sich auf die Seite des großen roten Drachen, verrieten und lästerten Gott und verletzten Gottes Disposition. Ich war genauso egoistisch. Wäre ich vom großen roten Drachen verhaftet worden, wäre auch ich Gefahr gelaufen, Gott zu verraten! Ich musste schnell die Wahrheit suchen, um meinen Zustand zu bereinigen.
In meiner Suche dachte ich auch über mich selbst nach und fragte mich: „Warum habe ich immer Angst, verhaftet zu werden?“ In Wahrheit lag es daran, dass ich Angst hatte, dass es nach meinem Tod kein gutes Ende oder keinen guten Bestimmungsort für mich geben würde. Ich las diese Worte Gottes: „Wer von der ganzen Menschheit wird in den Augen des Allmächtigen nicht umsorgt? Wer lebt nicht inmitten der Vorherbestimmung des Allmächtigen? Erfolgen das Leben und der Tod des Menschen durch dessen eigene Entscheidung? Kontrolliert der Mensch sein eigenes Schicksal? Viele Menschen rufen nach dem Tod, doch er ist weit von ihnen entfernt; viele Menschen wollen jene sein, die im Leben stark sind und fürchten den Tod, doch ohne ihr Wissen, naht der Tag ihres Ablebens und stürzt sie in den Abgrund des Todes“ (Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Die Worte Gottes an das gesamte Universum, Kapitel 11). „Wie kamen jene Jünger des Herrn Jesus ums Leben? Unter den Jüngern gab es jene, die gesteinigt, hinter einem Pferd hergeschleift, kopfüber gekreuzigt, von fünf Pferden gevierteilt wurden – verschiedene Todesarten ereilten sie. Was war der Grund für ihren Tod? Liegt es daran, dass sie etwas Falsches getan hatten und dann nach geltendem Recht hingerichtet wurden? Nein. Sie verkündeten das Evangelium des Herrn, doch die weltlichen Menschen nahmen es nicht an und haben sie stattdessen verurteilt, geschlagen, beschimpft und sogar zu Tode gebracht – so starben sie den Märtyrertod. … Wenn wir dieses Thema ansprechen, versetzt ihr euch in ihre Lage; seid ihr also in euren Herzen betrübt und verspürt ein gewisses Maß an verborgenem Schmerz? Ihr denkt: ‚Diese Menschen taten ihre Pflicht, um Gottes Evangelium zu verkünden, und sollten als gute Menschen gelten, wie also fanden sie so ein Ende, kamen sie zu so einem Ergebnis?‘ Tatsächlich starben ihre Körper so und schieden dahin; auf diese Weise verließen sie die Menschenwelt, aber das bedeutet nicht, dass ihr Ende auch so war. Unabhängig davon, auf welche Art ihr Tod und ihr Ableben erfolgten oder wie dies geschah, das war nicht, wie Gott das Endergebnis dieser Leben, dieser geschaffenen Wesen, festgelegt hatte. Das musst du klar erkennen“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Das Predigen des Evangeliums ist die Pflicht, zu deren Erfüllung alle Gläubigen verpflichtet sind). Aus Gottes Worten erkannte ich, dass unser aller Leben und unser Tod in Gottes Händen liegen, und dass Zeitpunkt und Art des Todes eines Menschen von Gott bereits vorherbestimmt sind. Es gibt viele Arten zu sterben, aber der Wert und die Bedeutung dieser Tode sind sehr unterschiedlich, und auch das endgültige Ergebnis und der Bestimmungsort der Menschen sind verschieden. Genau wie die Jünger des Herrn Jesus, die erkannten, dass der Herr Jesus der menschgewordene Gott war, konnten sie Gott bis zum Ende treu sein und opferten ihr Leben, um in ihrem Zeugnis für Ihn standhaft zu bleiben. Auch viele Heilige starben im Laufe der Zeit als Märtyrer für die Verbreitung des Evangeliums des Herrn. Ihre Tode waren wertvoll und bedeutungsvoll. Obwohl ihre Körper auf verschiedenste Weise starben, starben ihre Seelen nicht. Wir glauben in den letzten Tagen an Gott und führen unsere Pflicht in diesem atheistischen Land aus, und wir werden unweigerlich Verfolgung und Drangsal erleiden. Auch wir sollten dem Vorbild der Heiligen der Vergangenheit folgen und die Entschlossenheit haben, Gott sogar bis in den Tod zu folgen. Aber in dieser von Gott orchestrierten Situation dachte ich nur daran, wie ich entkommen und mich schützen könnte. Mir fehlte jeglicher Glaube an Gott und jegliche Treue zu Ihm, und ich hatte auch keine Liebe für meine Brüder und Schwestern. Obwohl mein Fleisch am Leben war, praktizierte ich die Wahrheit nicht und hatte kein echtes Zeugnis, fand also bei Gott überhaupt keine Anerkennung. Wenn ich nicht nach der Wahrheit strebte, Buße tat und mich änderte, würde ich mit Sicherheit ausgemustert.
Später las ich zwei Abschnitte aus Gottes Worten und fand einen Weg der Praxis. Der Allmächtige Gott sagt: „Um für Gott Zeugnis abzulegen und den großen roten Drachen zu beschämen, muss man einen Grundsatz haben und eine Voraussetzung erfüllen: Man muss Gott in seinem Herzen lieben und in Seine Worte eintreten. Wenn du nicht in die Worte Gottes eintrittst, wirst du keine Möglichkeit haben, Satan zu beschämen. Dadurch, dass du in deinem Leben wächst, entsagst du dem großen roten Drachen und bringst völlige Erniedrigung über ihn; nur das ist, den großen roten Drachen wirklich beschämen“ (Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Nur diejenigen, die Gottes gegenwärtiges Werk kennen, dürfen Gott dienen). „Wenn jemand sich dafür entscheidet, die Wahrheit zu praktizieren, dann erlangt er Gottes Rettung und ewiges Leben, selbst wenn er seine Vorteile verloren hat. Solche Menschen sind die klügsten. Wenn jemand die Wahrheit für seine eigenen Vorteile aufgibt, dann verliert er das Leben und Gottes Rettung; das sind die törichtesten aller Menschen. Wofür ein Mensch sich entscheidet – seine Vorteile oder die Wahrheit –, ist unglaublich aufschlussreich. Diejenigen, die die Wahrheit lieben, werden die Wahrheit wählen; sie werden sich dafür entscheiden, sich Gott zu unterwerfen und Ihm zu folgen. Sie würden eher ihre eigenen Interessen aufgeben, um nach der Wahrheit zu streben. Egal, wie sehr sie leiden, sie sind entschlossen, in ihrem Zeugnis standhaft zu bleiben und Gott zufriedenzustellen. Dies ist der grundlegende Weg, um die Wahrheit zu praktizieren und in die Wahrheitsrealität einzutreten“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Die eigene Disposition zu kennen ist die Grundlage, um sie zu ändern). Aus Gottes Worten verstand ich, dass ich angesichts der ernsten Lage gegen mein Fleisch aufbegehren und meine persönlichen Interessen zurückstellen muss. Selbst wenn dies bedeutet, Risiken oder Verluste für meine persönlichen Interessen in Kauf zu nehmen, muss ich dennoch die Arbeit der Kirche aufrechterhalten und die Sicherheit meiner Brüder und Schwestern schützen. Kurz nachdem Liu Ming gegangen war, kamen aufgrund der Anforderungen ihrer Pflichten häufig mehrere Brüder und Schwestern zu mir nach Hause. Einer der Brüder war sogar schon einmal verhaftet worden. Ich dachte bei mir: „Die Polizei patrouilliert oft mit ihren Autos durch die Straßen; dieser Bruder ist bereits polizeibekannt, und auf dem Weg zu meinem Haus gibt es viele Überwachungskameras. Wenn die Polizei uns beobachtet, werde ich früher oder später bestimmt verhaftet!“ Ich fühlte mich wieder etwas zaghaft und überlegte, den Brüdern und Schwestern zu sagen, sie sollten nicht so oft zu meinem Haus kommen. Doch dann dachte ich daran, dass sie aufgrund der Anforderungen ihrer Pflichten hierherkamen, und dass es sie definitiv einschränken würde, wenn ich das sagte. Ich erinnerte mich an meine vorherige Erfahrung mit der Beherbergung der beiden Schwestern, und ich wusste, dass ich diesmal nicht nur an meine eigenen Interessen denken durfte. Ich vertraute darauf, dass alles in Gottes Händen lag, und dass ich der Aufrechterhaltung der kirchlichen Arbeit Vorrang einräumen sollte. Also betete ich zu Gott und vertraute Ihm alles an, und ich fühlte mich nicht mehr so eingeschränkt.
Als ich über meine Erlebnisse in dieser Zeit nachdachte, erkannte ich, dass meine Natur wirklich egoistisch und mein Glaube an Gott viel zu schwach war. Obwohl ich viele Jahre an Gott geglaubt hatte, hatte ich weder ein wahres Verständnis von Gottes Allmacht und Herrschaft, noch besaß ich überhaupt jegliche Wahrheitsrealitäten. Diese Erfahrung, Brüder und Schwestern aufzunehmen, hat mich offenbart und war gleichzeitig Gottes Errettung für mich. Sie hat mir meine Verdorbenheit und meine Unzulänglichkeiten gezeigt und mich angespornt, nach der Wahrheit zu streben. Ich danke Gott aus tiefstem Herzen!