98. Wie soll ich mit der Güte meiner Mutter umgehen?
Ich stamme aus einer Bauernfamilie und wir lebten in einfachen Verhältnissen. Als ich fünf Jahre alt war, verließ uns mein Vater, um eine neue Familie zu gründen. Meine Mutter zog mich und meine drei Geschwister ganz allein auf. Wir waren aufeinander angewiesen und führten ein sehr hartes Leben. Damals waren meine Geschwister und ich nicht bei bester Gesundheit und oft krank, besonders ich, da ich die Schwächste war. Schon bei der geringsten Kälte bekam ich Schnupfen, Husten und hohes Fieber, und meine Mutter brachte mich oft zum Arzt. Manchmal hustete ich nachts so sehr, dass ich nicht schlafen konnte. Dann blieb meine Mutter an meiner Seite, bis ich einschlief, bevor sie sich selbst hinlegte. Wenn wir mal etwas Gutes zu essen hatten, aß meine Mutter nichts davon, sondern hob es für mich auf. Tag für Tag arbeitete sie unermüdlich und nahm Gelegenheitsjobs an, um das Geld für unsere Schulbildung zusammenzubekommen. Als ich sah, wie viel meine Mutter für uns opferte, dachte ich mir: „Ich darf nicht gewissenlos sein. Wenn ich groß bin, muss ich meine Mutter ehren und ihre Güte vergelten.“ Als ich erwachsen war und etwas Geld verdiente, kaufte ich oft Kleidung und andere Dinge für meine Mutter, um sie zu ehren. Ich dachte, es war sicher nicht leicht für sie gewesen, uns aufzuziehen, also sollte ich es ihr mit Zinsen zurückzahlen. Eines Tages im Jahr 2008 erhielt ich einen Anruf von meinem Bruder, der mir mitteilte, dass meine Mutter nach einem Autounfall ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Ich bat meinen Chef sofort um freie Tage, um mich im Krankenhaus um meine Mutter zu kümmern, und ging erst wieder zur Arbeit, als sie sich größtenteils erholt hatte.
Ein paar Jahre später nahmen meine Mutter und ich Gottes Werk der letzten Tage an. Sechs Monate später wurde ich verhaftet, weil ich das Evangelium predigte. Nach meiner Freilassung ging ich von Zuhause weg, um meine Pflicht zu tun, damit ich der Überwachung und Fahndung der Polizei entgehen konnte. Einmal erhielt ich einen Brief von einer Schwester, in dem stand, dass mein älterer Bruder sich jeden Tag mit meiner Mutter stritt, weil ich nicht nach Hause zurückgekehrt war. Er hatte sogar online gepostet, dass meine Mutter und ich an Gott glaubten, und die Polizei war mehrmals bei mir zu Hause gewesen, um mich zu verhaften. Als ich den Brief las, war ich sehr bedrückt. Seit meiner Kindheit hatte meine Mutter so viel für mich geopfert, doch ich ehrte sie nicht, und um mich zu schützen, musste sie wegen mir sogar den Zorn meines Bruders ertragen. Ich fühlte mich meiner Mutter gegenüber zutiefst in der Schuld und brach in Tränen aus. Manchmal dachte ich: „Sie wird mit jedem Jahr älter, und mein Bruder streitet ständig mit ihr und macht sie traurig. Was ist, wenn meine Mutter eines Tages schwer krank und bettlägrig wird?“ Wenn ich an diese Dinge dachte, war ich eine Zeit lang sehr bedrückt, und hielt mich für gewissenlos und für eine undankbare Tochter. Ich war oft aufgewühlt und konnte mich nicht beruhigen, um meine Pflicht zu tun. Ich erkannte, dass ich mich meiner Zuneigung hingab, also aß und trank ich einige von Gottes Worten, und mein Zustand besserte sich etwas.
Eines Tages im Mai 2021 erhielt ich einen Brief von zu Hause. Darin stand, dass meine Mutter Brustkrebs hatte. Sie brauchte dringend Geld für den Krankenhausaufenthalt und die Operation. Nach der Operation würde sie außerdem mindestens vier Runden Chemotherapie benötigen. Meine Schwägerinnen sagten, wenn ich nicht nach Hause käme, würden sie keinen einzigen Cent beisteuern, noch sich um meine Mutter kümmern. Als ich den Brief gelesen hatte, liefen mir die Tränen über das Gesicht, und ich dachte: „Wie konnte meine Mutter nur so schwer krank werden? Könnte es daran liegen, dass sie zu Hause zu hart gearbeitet hat? Wenn ich nicht nach Hause gehe, sie nicht rechtzeitig behandelt wird und etwas Schlimmes passiert, wäre das dann nicht meine Schuld?“ Ich dachte daran, wie hart meine Mutter gearbeitet hatte, um für mich zu sorgen und mich großzuziehen. Jetzt hatte sie Krebs. Wenn ich in diesem kritischen Moment nicht nach Hause fahren würde, um sie zu pflegen, wäre das nicht furchtbar undankbar von mir und würde zeigen, dass ich völlig gewissenlos bin? Und wenn ich nicht nach Hause fahren würde, was würden meine Verwandten und Nachbarn über mich sagen? Sie würden mich sicher als undankbar bezeichnen und Dinge sagen wie: „Deine Mutter hat dich großgezogen, und jetzt kümmerst du dich nicht einmal um sie? Hast du denn gar kein Gewissen?“ Ich dachte auch darüber nach, wie ernst der Zustand meiner Mutter war. Was, wenn ich nicht nach Hause fuhr, ihre Krankheit nicht rechtzeitig behandelt wurde und sie starb? Dann würde ich sie nie wiedersehen. Ich war unendlich traurig und wünschte, ich könnte einfach sofort zu ihr fliegen. Aber ich war bereits einmal von der Polizei verhaftet und von meinem älteren Bruder verraten worden. Was würde ich machen, wenn ich nach Hause fuhr und verhaftet wurde? Außerdem konnte ich doch nicht einfach meine Pflicht aufgeben, um nach Hause zu gehen! Manchmal, wenn ich Brüder und Schwestern um mich herum sah, die nach Hause fahren konnten, um ihre Eltern zu besuchen, konnte ich nicht umhin, mich still zu beklagen: „Warum hat Gott zugelassen, dass die KPCh mich verhaftet? Wenn keine Gefahr bestünde, dann könnte ich doch auch nach Hause fahren, um meine Mutter zu pflegen, oder? Wenn ich nicht von zu Hause weggegangen wäre, um meine Pflicht zu tun, würde die KPCh mich nicht jagen, und ich könnte jetzt sofort nach Hause fahren.“ Diese Angelegenheit wühlte mich so auf, dass ich mich nicht mehr auf meine Pflicht konzentrieren konnte. Ich wusste, wenn sich mein Zustand nicht ändern würde, könnte ich meine Pflicht nicht erfüllen. Also schüttete ich Gott mein Herz aus und betete, dass Er mich aus meiner Zuneigung herausführt. Ich dachte an eine Passage von Gottes Worten: „Das Maß an Leid, welches jeder Einzelne erdulden muss, und die Entfernung, die er auf seinem Weg zurücklegen muss, wurden von Gott vorherbestimmt, und niemand kann einem anderen wirklich helfen“ (Das Wort, Bd. 1, Das Erscheinen und Wirken Gottes: Der Weg … (6)). Als ich über Gottes Worte nachdachte, erhellte sich mein Herz etwas. Die schwere Krankheit meiner Mutter geschah mit Gottes Erlaubnis. Es war ihre Bestimmung, dieses Leid zu ertragen. Selbst wenn ich nach Hause fahren würde, könnte ich ihr das Leid nicht abnehmen. Ich musste die Krankheit meiner Mutter aus der richtigen Perspektive betrachten. Wenn Gott prädestiniert hatte, dass das Leben meiner Mutter zu Ende ging, würde meine Rückkehr auch nichts daran ändern. Wenn Gott ihren Tod nicht erlaubt hatte, dann würde sie nicht sterben, ganz gleich, wie ernst ihre Krankheit werden würde. Ich dachte an einen Erfahrungszeugnisartikel, das ich einmal gelesen hatte. Darin wurde bei einer älteren Schwester Krebs diagnostiziert. Sie bekam zwar alle Behandlungen, doch ihr Zustand besserte sich überhaupt nicht, und das Krankenhaus stufte ihren Zustand sogar als aussichtslos ein. Ihre Kinder und Verwandten dachten alle, sie würde es nicht überleben, doch nachdem die Schwester gebetet, sich auf Gott verlassen und ihr Leben und ihren Tod in Seine Hände gelegt hatte, überlebte sie am Ende überraschenderweise. Die Erfahrung dieser Schwester machte mir Mut, und ich erkannte, dass ich meine Mutter in Gottes Hände legen musste. Als mir das klar wurde, wurde ich innerlich etwas ruhiger. Einige Zeit später erhielt ich einen Brief von meiner Mutter. Sie schrieb, dass sich, während sie krank war, die Ehefrauen meiner beiden älteren Cousins und meine Schwägerin abwechselnd im Krankenhaus um sie gekümmert hatten. Sie schrieb auch, dass sie operiert worden war und sich gut erholte. Ich solle mir keine Sorgen um sie machen und meine Pflicht ordnungsgemäß ausführen. Als ich das las, war ich tief bewegt und mir stiegen Tränen in die Augen. Mein Herz war voller Dankbarkeit für Gott.
Danach dachte ich oft über mich nach. Ich wusste, dass ich die Pflicht eines geschaffenen Wesens erfüllen sollte. Aber warum konnte ich mich nicht davon lösen, dass ich meine Mutter nicht ehren konnte, und fühlte mich ihr gegenüber immer schuldig? Ich hatte sogar erwogen, meine Pflicht aufzugeben und Gott zu verraten. Erst später, als ich eine Passage aus Gottes Worten las, verstand ich mein Problem etwas besser. Der Allmächtige Gott sagt: „Aufgrund der Prägung durch die chinesische traditionelle Kultur glauben Chinesen in ihren traditionellen Auffassungen, dass man seine Eltern ehren muss und dass jedes Kind, das seine Eltern nicht ehrt, aufsässig ist. Diese Vorstellungen wurden den Menschen seit ihrer Kindheit anerzogen, und so wird es in praktisch jedem Haushalt gelehrt, wie auch in jeder Schule und in der Gesellschaft im Allgemeinen. Wenn der Kopf eines Menschen mit solchen Dingen gefüttert wurde, denkt er: ‚Meine Eltern zu ehren, ist wichtiger als alles andere. Würde ich sie nicht ehren, wäre ich kein guter Mensch; ich wäre ein aufsässiges Kind, ich würde in der öffentlichen Meinung verurteilt werden. Ich wäre jemand, der kein Gewissen hat.‘ Ist diese Ansicht korrekt? Die Menschen haben so viele von Gott kundgetane Wahrheiten gesehen – hat Gott gefordert, dass man seine Eltern ehren soll? Ist das eine der Wahrheiten, die Gläubige an Gott verstehen müssen? Nein, das ist es nicht. Gott hat nur über einige Grundsätze Gemeinschaft gehalten. Was sind die Grundsätze in Gottes Worten, laut denen die Menschen miteinander umgehen sollen? Liebe das, was Gott liebt, und hasse das, was Gott hasst. Das ist der Grundsatz, an den man sich halten sollte. … Satan nutzt diese traditionellen Kulturen und diese moralischen Auffassungen, um deinem Herzen und deinem Verstand Fesseln anzulegen, wodurch deine Ansichten absurd werden und du in deinem Herzen Gott leugnest und dich Ihm widersetzt, was dazu führt, dass du Gottes Worte nicht annehmen kannst; du bist von diesen Dingen Satans besessen und wurdest unfähig gemacht, Gottes Worte anzunehmen. Wenn du Gottes Worte praktizieren willst, werden diese Dinge aufbegehren und Störungen in dir verursachen und dich dazu bringen, dich gegen die Wahrheit und die Anforderungen Gottes zu sträuben. Selbst wenn du dich vom Joch der traditionellen Kultur befreien willst, wirst du machtlos sein, das zu tun. Nachdem du eine Weile gekämpft hast, wirst du einen Kompromiss eingehen. Du wirst glauben, dass traditionelle moralische Auffassungen korrekt sind und mit der Wahrheit übereinstimmen, und so wirst du Gottes Worte ablehnen oder anzweifeln und Gottes Worte nicht als die Wahrheit annehmen, und weil du der Meinung bist, dass du schließlich immer noch in dieser Welt lebst und nur dann im Leben vorankommen kannst, wenn du dich auf diese Dinge verlässt, wird es dir egal sein, ob du Errettung erlangen kannst. Da du es nicht ertragen kannst, von der öffentlichen Meinung verurteilt zu werden, würdest du dich dafür entscheiden, die Wahrheit und Gottes Worte aufzugeben und stattdessen an den moralischen Auffassungen der traditionellen Kultur festzuhalten, auf Satans Seite zu wechseln und an seiner Seite zu stehen, und es vorziehen, Gott zu kränken, anstatt die Wahrheit anzunehmen. Sagt Mir: Ist der Mensch nicht bemitleidenswert? Braucht er nicht Gottes Errettung? Manche Menschen glauben seit vielen Jahren an Gott, können aber die Frage des Ehrens der Eltern immer noch nicht durchschauen. Ganz gleich, wie über die Wahrheit Gemeinschaft gehalten wird, sie können es nicht verstehen. Sie können diese weltliche Beziehung niemals überwinden; sie haben weder den nötigen Mut noch den nötigen Glauben, geschweige denn die nötige Entschlossenheit, also können sie Gott nicht lieben und sich Ihm nicht unterwerfen“ (Das Wort, Bd. 3, Die Diskurse des Christus der letzten Tage: Nur indem man seine eigenen falschen Ansichten erkennt, kann man sich wahrhaft wandeln). Als ich über Gottes Worte nachdachte, erkannte ich, dass Satan die schulische Bildung und den Einfluss der Familie nutzt, um uns traditionelle Vorstellungen einzuflößen, wie „Eine erwiesene Gunst sollte dankbar erwidert werden“, „Die Eltern zu ehren ist eine Tugend, die es über alles zu erheben gilt“ und „Reise nicht in die Ferne, solange deine Eltern noch leben“. Ich glaubte, dass es enorm wichtig war, seine Eltern zu ehren, und dass man undankbar, unmenschlich sei und von seinem Gewissen verurteilt werde, wenn man dies nicht tat. Ich lebte nach diesen traditionellen Vorstellungen und dachte, dass meine Mutter, während ich aufwuchs, im Vergleich zu anderen die größten Opfer für mich gebracht hatte, dass ich ihr ihre liebevolle Fürsorge vergelten musste und dass ich, wenn ich das nicht täte, undankbar und ohne Gewissen und Menschlichkeit wäre. Besonders nachdem bei meiner Mutter Krebs diagnostiziert wurde, konnte ich sie in meinem Herzen einfach nicht zurückstellen. Ich dachte mir, da sich meine Mutter in meiner Kindheit so fürsorglich um mich gekümmert hatte, wenn ich krank war, sollte ich jetzt, wo sie krank war, bei ihr sein und sie genauso fürsorglich pflegen. Sonst hätte meine Mutter mich ja umsonst großgezogen. Also wollte ich an ihre Seite eilen und sie zur Behandlung ins Krankenhaus bringen. Da ich nicht nach Hause fahren konnte, um meine Mutter zu pflegen, weil ich von der Polizei gesucht wurde, begann ich mich darüber zu beklagen, warum ausgerechnet ich von der Polizei gesucht werden musste, und bereute es sogar, dass ich für meine Pflicht von Zuhause weggegangen war. Diese falschen Zustände wurden dadurch verursacht, dass ich von Satans Vorstellungen und Ansichten gefesselt war, und wenn ich sie nicht beseitigte, lief ich jederzeit Gefahr, Gott zu verraten.
Später las ich eine andere Passage aus Gottes Worten und lernte, wie ich die liebevolle Fürsorge meiner Mutter richtig betrachten sollte. Der Allmächtige Gott sagt: „Lasst uns darüber sprechen, wie man ‚Deine Eltern sind nicht deine Gläubiger‘ interpretieren sollte. Deine Eltern sind nicht deine Gläubiger – ist das nicht eine Tatsache? (Es ist eine Tatsache.) Weil es eine Tatsache ist, ist eine Erklärung des darin enthaltenen Sachverhalts angebracht. Wir wollen uns die Tatsache, dass deine Eltern dich zur Welt gebracht haben, ansehen. Hast du die Entscheidung getroffen, dass sie dich zur Welt bringen, oder war das die Entscheidung deiner Eltern? Wenn man es aus der Perspektive Gottes betrachtet, ist dies keine Entscheidung, die Menschen treffen können. Du hast dich nicht dafür entschieden, von deinen Eltern geboren zu werden, und deine Eltern haben sich nicht dafür entschieden, dich auf die Welt zu bringen. Wenn man die Wurzel dieser Angelegenheit betrachtet, wurde dies von Gott bestimmt. Wir lassen dieses Thema vorerst beiseite, da diese Sache leicht zu verstehen ist. Aus deiner Perspektive wurdest du passiv von deinen Eltern geboren, du hattest keine Wahl. Aus der Perspektive deiner Eltern war es ihre subjektive Bereitschaft, Kinder zu bekommen und großzuziehen. Mit anderen Worten: Wenn man Gottes Bestimmung außer Acht lässt, dann waren es deine Eltern, die alle Macht hatten, als es darum ging, Kinder zu bekommen und großzuziehen. Sie trafen die Wahl, dich zur Welt zu bringen. Du wurdest passiv von ihnen geboren. Du hattest in dieser Angelegenheit keine Wahl. Da also deine Eltern die ganze Macht hatten, und da sie dich zur Welt gebracht haben, haben sie die Verpflichtung und Verantwortung, dich zu einem Erwachsenen großzuziehen. Ob es darum geht, dir eine Bildung zu ermöglichen oder dich mit Essen und Kleidung zu versorgen, dies ist ihre Verantwortung und ihre Verpflichtung, und das ist, was sie tun sollten. Wohingegen du während dieser Zeit, in der sie dich großzogen, immer passiv warst; du hattest kein Recht, zu entscheiden – du musstest von ihnen großgezogen werden. Weil du jung warst, warst du nicht imstande, für dich selbst zu sorgen; du hattest keine andere Wahl, als dich passiv von deinen Eltern großziehen zu lassen. Wie auch immer deine Eltern dich erzogen haben, du hattest darauf keinen Einfluss. Wenn sie dir etwas Gutes zu essen und zu trinken gaben, dann hattest du gutes Essen und gute Getränke. Wenn deine Eltern dir ein Lebensumfeld zur Verfügung stellten, in dem du mit Wasser und Brot überlebt hast, dann hast du mit Wasser und Brot überlebt. Jedenfalls warst du passiv, als man dich großzog, und deine Eltern sind dabei ihrer Verantwortung nachgekommen. Es ist dasselbe, wie wenn deine Eltern sich um eine Blume kümmern. Da sie bereit sind, sich um die Blume zu kümmern, sollten sie die Blume düngen und gießen und für Sonnenlicht sorgen. Was also die Menschen betrifft, egal, ob deine Eltern gewissenhaft für dich gesorgt oder sich hingebungsvoll um dich gekümmert haben, sie sind lediglich ihrer Verantwortung und Verpflichtung nachgekommen. Unabhängig davon, mit welcher Absicht sie dich großzogen, es war ihre Verantwortung – da sie dich zur Welt brachten, sollten sie die Verantwortung für dich übernehmen. Kann man auf dieser Grundlage alles, was deine Eltern für dich getan haben, als Güte ansehen? Das kann man nicht, oder? (Richtig.) … Jedenfalls kommen deine Eltern, wenn sie dich aufziehen, einer Verantwortung und Verpflichtung nach. Dich zu einem Erwachsenen heranzuziehen ist ihre Verpflichtung und Verantwortung, und das kann man nicht als Güte bezeichnen. Da man es nicht als Güte bezeichnen kann, kann man dann sagen, dass es etwas ist, was du berechtigt bist zu genießen? (Ja, das kann man.) Es ist eine Art Recht, das du genießen solltest. Du hast das Recht, von deinen Eltern großgezogen zu werden, denn bevor du das Erwachsenenalter erreichst, ist die Rolle, die du spielst, die eines Kindes, das großgezogen wird. Was du also erhältst, ist schlichtweg die Erfüllung der Verantwortung deiner Eltern dir gegenüber, keine Gefälligkeit oder Güte von ihnen. Für jedes Lebewesen ist das Gebären und Aufziehen von Kindern, die Fortpflanzung und das Großziehen des Nachwuchses eine Art Verantwortung. Zum Beispiel müssen Vögel, Rinder, Schafe und sogar Tiger ihren Nachwuchs aufziehen, nachdem sie sich fortgepflanzt haben. Es gibt keine Lebewesen, die ihren Nachwuchs nicht aufziehen. Es mag einige Ausnahmen geben, aber diese bleiben uns unbekannt. Es handelt sich um ein natürliches Phänomen des Überlebens von Lebewesen, es handelt sich um einen Instinkt, den Lebewesen haben, und es kann nicht als Güte aufgefasst werden. Sie halten sich lediglich an das Gesetz, das der Schöpfer für Tiere und die Menschheit festgelegt hat. Daher ist es keine Art von Güte, wenn deine Eltern dich aufziehen. Auf dieser Grundlage kann man sagen, dass deine Eltern nicht deine Gläubiger sind. Sie erfüllen dir gegenüber ihre Verantwortung. Es spielt keine Rolle, wie viel Herzblut sie für dich aufwenden und wie viel Geld sie für dich ausgeben, sie sollten keine Gegenleistung von dir verlangen, denn als Eltern ist das ihre Verantwortung. Da es eine Verantwortung und eine Verpflichtung ist, sollte es unentgeltlich sein, und sie sollten nicht von dir verlangen, es ihnen zurückzuzahlen. Indem sie dich aufziehen, erfüllen deine Eltern lediglich ihre Verantwortung und Verpflichtung; es sollte unentgeltlich geschehen, nicht als ein Handel. Daher brauchst du keine Einstellung der Rückzahlung zu haben, wenn es darum geht, wie du deine Eltern behandelst oder die Beziehung zwischen dir und ihnen handhabst. Wenn du deine Eltern mit einer solchen Einstellung behandelst, es ihnen mit einer solchen Einstellung zurückzahlst und die Beziehung zwischen dir und ihnen mit einer solchen Einstellung handhabst, dann ist das eigentlich unmenschlich. Gleichzeitig wirst du dadurch dafür anfällig, von deinen fleischlichen Gefühlen eingeschränkt und gefesselt zu werden, und es ist schwierig für dich, aus diesen Verstrickungen herauszukommen, so sehr, dass du vielleicht sogar vom Weg abkommst“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Wie man nach der Wahrheit strebt (17)). Durch Gottes Worte wurde mir klar, dass meine Schuldgefühle meiner Mutter gegenüber und meine Unfähigkeit, meine Pflicht ohne Sorge um sie zu tun, daher rührten, dass ich meine Mutter als meine Gläubigerin betrachtete. Ich glaubte, dass ich alles, was sie mir gegeben hatte, vollständig zurückzahlen musste. Also spürte ich immer diese Dankesschuld, und wann immer ich es versäumte, für meine Mutter zu sorgen, fühlte ich mich ihr gegenüber schuldig. Besonders jetzt, da meine Mutter Krebs hatte, dachte ich, dass ich, wenn meine Mutter sterben würde, ihre Güte in diesem Leben nie vollständig zurückzahlen könnte. In Wirklichkeit hatte meine Mutter ihre Verantwortung und Pflicht als Mutter erfüllt, als sie gut zu mir war und für mich sorgte. Weil sie mich zur Welt gebracht hatte, war es ihre Pflicht, mich großzuziehen – das war keine „Güte“ ihrerseits. Das ist genau wie bei Tieren, die sich nach der Geburt um ihre Nachkommen kümmern müssen: Das ist instinktiv und Teil von Gottes Prädestination. Oder wenn man zum Beispiel Katzen oder Hunde zu Hause hält: Als deren Besitzer ist man genauso für Futter, Wasser und ihre täglichen Bedürfnisse verantwortlich. Das ist keine Güte, die man erweist, sondern nur die Erfüllung einer Verantwortung. Außerdem kommt mein Leben von Gott. Er ist es, der mir diesen Lebensatem geschenkt hat und der mich bis heute behütet und beschützt. Ich erinnerte mich daran, dass ich einige Male beinahe von Autos angefahren worden wäre, aber dank Gottes Schutz kam ich immer unversehrt davon. Ein anderes Mal duldete mein Freund nach meiner Scheidung nicht, dass ich mich um mein Kind kümmerte. Als ich nicht auf ihn hören wollte, versuchte er, mich zu erwürgen. Ich flehte Gott inständig um Hilfe, und es gelang mir, ihn wegzustoßen und der Gefahr schließlich zu entkommen. Mir fielen Gottes Worte ein: „Sobald Gott für dich eine Familie ausgesucht hat, wählt Er anschließend ein Datum, an dem du geboren wirst. Dann beobachtet Gott dich, während du geboren wirst und weinend auf diese Welt kommst. Er beobachtet deine Ankunft, beobachtet, wie du lernst zu babbeln, beobachtet dich, wie du Schritt für Schritt stolpernd Laufen lernst. Jetzt kannst du rennen, springen, sprechen und deine Gefühle ausdrücken … Während die Menschen heranwachsen, richtet sich Satans Blick auf jeden von ihnen, wie ein Tiger, der seine Beute anvisiert. Doch Gott ist bei der Ausführung Seines Werkes niemals Einschränkungen unterlegen gewesen, die sich aus irgendeinem Menschen, irgendeinem Ereignis oder Ding ergeben, aus Raum und Zeit. Er tut, was Er tun soll und was Er beabsichtigt. Während du heranwächst, triffst du vielleicht auf viele nicht wünschenswerte Dinge, einschließlich Krankheit und Rückschlägen. Aber während du diesen Weg gehst, befinden sich dein Leben und deine Zukunft unter der engen Zuwendung Gottes. Gott bietet dir eine wahre Garantie für dein ganzes Leben, denn Er steht direkt an deiner Seite, beschützt dich und kümmert sich um dich“ (Das Wort, Bd. 2, Über Gotteskenntnis: Gott Selbst, der Einzigartige VI). Durch meine eigenen Erfahrungen haben sich Gottes Worte in meinem Herzen noch mehr gefestigt. Es ist wirklich so, dass Gott mich von Geburt an bis heute im Verborgenen beschützt hat. Gott hat für mich den Preis Seines Herzbluts bezahlt, doch ich war Ihm nicht dankbar und gab mich stattdessen meinen Schuldgefühlen gegenüber meiner Mutter hin. Ich war meiner Pflicht nicht treu, was den Arbeitsfortschritt beeinträchtigte. All dies kam daher, dass ich die liebevolle Fürsorge meiner Mutter nicht richtig einordnen konnte.
Während meiner Andachten las ich eine weitere Passage aus Gottes Worten: „Die meisten Menschen entscheiden sich, ihr Zuhause zu verlassen, um ihre Pflicht auszuführen, in einer Hinsicht aufgrund der umfassenderen objektiven Umstände, die es erforderlich machen, dass sie ihre Eltern verlassen, und dazu führen, dass sie nicht an der Seite ihrer Eltern bleiben können, um sich um sie zu kümmern und sie zu begleiten. Es ist nicht so, dass sie sich freiwillig entscheiden, ihre Eltern zu verlassen. Das ist ein objektiver Grund. In einer anderen Hinsicht gehst du subjektiv gesehen nicht deshalb von zu Hause fort, um deine Pflicht auszuführen, damit du deine Verantwortlichkeiten gegenüber deinen Eltern meiden kannst, sondern weil du von Gott dazu berufen wurdest. Um mit dem Wirken Gottes zu kooperieren, Seine Berufung anzunehmen und die Pflicht eines geschaffenen Wesens ausführen zu können, blieb dir keine andere Wahl, als deine Eltern zu verlassen; du konntest nicht an ihrer Seite bleiben, um sie zu begleiten und dich um sie zu kümmern. Du hast sie nicht verlassen, um dich deinen Verantwortungen zu entziehen, richtig? Sie zu verlassen, um dich deinen Verantwortungen zu entziehen, und sie verlassen zu müssen, um Gottes Ruf anzunehmen und deine Pflicht auszuführen – ist die Natur dieser beiden Gegebenheiten nicht völlig verschieden? (Ja.) In deinem Herzen sorgst du dich um deine Eltern und vermisst sie; deine Gefühle sind nicht leer. Wenn die objektiven Umstände es erlauben und du in der Lage bist, an ihrer Seite zu bleiben und gleichzeitig deine Pflicht auszuführen, dann wärst du bereit, ihnen Gesellschaft zu leisten, um dich regelmäßig um sie zu kümmern und deinen Verantwortungen nachzukommen. Aber wegen objektiver Umstände musst du sie verlassen und kannst nicht an ihrer Seite bleiben. Es ist nicht so, dass du deinen Verantwortungen als ihr Kind nicht nachkommen willst, sondern dass du es nicht kannst. Ist das nicht von anderer Natur? (Ja.) Wenn du dein Zuhause verlassen hast, um dich deinen Verantwortungen und der Notwendigkeit zu entziehen, deine Eltern zu ehren, dann ist das respektlos und unmenschlich. Deine Eltern haben dich großgezogen, aber du kannst es kaum erwarten, flügge zu werden und schnell allein loszuziehen. Du willst deine Eltern nicht sehen, und wenn du von Schwierigkeiten erfährst, auf die sie gestoßen sind, schenkst du der Sache keinerlei Beachtung. Selbst wenn du die Mittel hast, um zu helfen, tust du es nicht; du tust nur so, als ob du es nicht hörst, und lässt andere über dich sagen, was sie wollen – du willst deinen Verantwortungen einfach nicht nachkommen. Das bedeutet es, seine Eltern nicht zu ehren. Ist das aber jetzt der Fall? (Nein.) Viele Menschen haben ihre Landkreise, Städte, Provinzen oder sogar ihre Länder verlassen, um ihre Pflichten auszuführen; sie sind bereits weit weg von ihren Heimatstädten. Außerdem ist es für sie aus verschiedenen Gründen nicht zweckmäßig, ihre Familien zu kontaktieren. Gelegentlich erkundigen sie sich bei Leuten, die aus der gleichen Heimatstadt stammen, nach der aktuellen Situation ihrer Eltern und fühlen sich erleichtert, wenn sie hören, dass ihre Eltern gesund sind und gut zurechtkommen. In Wirklichkeit ist es nicht so, dass du deine Eltern nicht ehrst. Es ist nicht so, dass du den Punkt erreicht hast, an dem du keine Menschlichkeit hast und du dich nicht einmal um deine Eltern kümmern oder deinen Verantwortungen ihnen gegenüber nachkommen willst. Es liegen verschiedene objektive Gründe vor, weshalb du deine Verantwortlichkeiten nicht erfüllen kannst – das bedeutet nicht, dass du deine Eltern nicht ehrst“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Wie man nach der Wahrheit strebt (16)). Als ich über Gottes Worte nachdachte, verstand ich, dass niemand auf die Welt kommt, um für seine Eltern zu leben. Jeder hat seine eigene Mission zu erfüllen, und als geschaffenes Wesen habe ich Pflichten, die ich tun muss. Dass ich in den letzten Jahren meine Pflicht fern von zu Hause erfüllt habe, bedeutete, dass ich meine Verantwortung und meine Pflichten als geschaffenes Wesen wahrgenommen habe, und das war vollkommen normal und gerechtfertigt. Außerdem musste ich aufgrund der Umstände mein Zuhause und meine Mutter verlassen, weil ich von der Polizei gesucht wurde. Das ist keine Undankbarkeit ihr gegenüber. Ich hatte jedoch immer geglaubt, dass es undankbar von mir war und von einem Mangel an Menschlichkeit zeugte, mich während ihrer Krankheit nicht um meine Mutter kümmern zu können. Aber diese Sichtweise stimmte nicht mit der Wahrheit überein. Man ist dann undankbar und besitzt keine Menschlichkeit, wenn man die Möglichkeiten hat, für seine Eltern zu sorgen, sich aber weigert, dies zu tun, sie völlig vernachlässigt oder sie sogar als Last ansieht. So jemand drückt sich vor seiner Verantwortung und zeigt einen wahren Mangel an Menschlichkeit und schändliche Undankbarkeit. Als ich über mein eigenes Verhalten nachdachte, sah ich, dass ich mich in der Vergangenheit, als die Umstände es zuließen, nach ihrem Autounfall aufmerksam um meine Mutter gekümmert hatte. Ich war auch zu Hause rücksichtsvoll und fürsorglich zu ihr und erfüllte meine Pflichten als Tochter. Jetzt hatte meine Mutter Krebs, und ich konnte nicht nach Hause zurück, weil die Polizei mich immer noch suchte. Wenn ich es riskieren würde, könnte ich verhaftet werden. In diesem Fall wäre ich nicht in der Lage, für meine Mutter zu sorgen, und hätte zudem auch die Gelegenheit verspielt, meine Pflicht zu tun. Als mir das klar wurde, hatte ich kein schlechtes Gewissen mehr, weil ich mich nicht um meine Mutter kümmern konnte.
Später las ich eine weitere Passage aus Gottes Worten: „Wenn du nicht von Zuhause fortgegangen wärst, um deine Pflicht woanders zu tun, und an der Seite deiner Eltern geblieben wärst, hättest du garantieren können, dass sie niemals krank werden? (Nein.) Kannst du kontrollieren, ob deine Eltern leben oder sterben? Kannst du kontrollieren, ob sie reich oder arm sind? (Nein.) Woran auch immer deine Eltern erkranken, der Grund dafür ist nicht, dass es sie erschöpft hat, dich großzuziehen, oder dass sie dich vermissen; vor allem bekommen sie nicht deinetwegen irgendwelche schweren, schlimmen oder tödlichen Erkrankungen. Es ist ihr Schicksal, und es hat nichts mit dir zu tun. Egal, wie sehr du deine Eltern ehrst oder wie rücksichtsvoll du dich um sie kümmerst, du kannst höchstens ihre körperlichen Leiden und Bürden ein wenig mindern. Aber wann sie krank werden, welche Krankheit sie bekommen, wann und wo sie sterben – haben diese Dinge irgendetwas damit zu tun, ob du an ihrer Seite bist und dich um sie kümmerst oder nicht? Nein, das haben sie nicht“ (Das Wort, Bd. 6, Über das Streben nach der Wahrheit: Wie man nach der Wahrheit strebt (17)). Als ich über Gottes Worte nachdachte, bekam ich ein gewisses Verständnis Seiner Herrschaft. Selbst wenn ich nicht von Zuhause weggegangen wäre, um meine Pflicht zu tun, und bei meiner Mutter geblieben wäre, um sie zu pflegen, hätte ich nicht garantieren können, dass sie nicht krank geworden wäre. Wie viel Leid oder welche Rückschläge jeder Mensch erleben muss, liegt außerhalb menschlicher Kontrolle, und das Schicksal eines Menschen liegt vollständig in Gottes Händen. Zum Beispiel ist meine Mutter jetzt in ihren Sechzigern, und in diesem Alter sind Gesundheitsprobleme normal. Selbst wenn ich nach Hause gefahren wäre, um sie zu pflegen, mich hingebungsvoll um sie zu kümmern und ihr gutes Essen zu kochen, hätte ihr das höchstens etwas seelischen Trost gespendet, aber ich hätte ihr nichts von dem Schmerz ihrer Krankheit abnehmen können. Ich dachte daran, wie manche Kinder ihren Eltern gegenüber besonders viel Dankbarkeit zeigen, sie zu sich nach Hause holen und sich aufmerksam um sie kümmern, und trotzdem werden ihre Eltern krank. Das zeigt, dass Eltern nicht unbedingt gesund bleiben, nur weil ihre Kinder da sind, noch garantiert die Anwesenheit ihrer Kinder, dass sie sich von einer Krankheit erholen werden. Diese Angelegenheiten werden vollständig von Gottes Herrschaft und Prädestination bestimmt. Als zum Beispiel diesmal bei meiner Mutter Krebs diagnostiziert wurde, schien es ernst zu sein, und es war ungewiss, ob die Krankheit geheilt werden konnte. Meine Schwägerinnen sagten sogar barsch, dass sie die Behandlung meiner Mutter nicht bezahlen würden, wenn ich nicht nach Hause käme. Doch am Ende waren es die Frau meines jüngeren Bruders und die Ehefrauen meiner beiden älteren Cousins, die Geld beisteuerten und sich abwechselnd im Krankenhaus um meine Mutter kümmerten. Der Zustand meiner Mutter hat sich dabei nicht verschlechtert. Im Gegenteil, sie erholte sich sogar sehr gut. Das zeigte mir, dass Menschen wirklich keine Kontrolle über ihr eigenes Schicksal haben und dass alles in Gottes Händen liegt. Ich musste meine Sorgen um meine Mutter loslassen und sie in Gottes Hände legen.
Eines Tages im November 2023 erhielt ich einen Brief von meiner Mutter. Darin stand: „Dein Bruder hat mir ein neues Haus gekauft, und ich helfe bei der Betreuung seines Kindes, während ich meine Pflicht tue. Ich bin auch bei guter Gesundheit, also kannst du dich unbesorgt um deine Pflicht kümmern.“ Diese paar kurzen Worte meiner Mutter zu lesen, war genug, um mir Freudentränen in die Augen zu treiben. Ich hätte nie erwartet, dass sie weiterhin so gut leben würde – und sogar ihre Pflicht tat –, ohne dass ich bei ihr war und mich um sie kümmerte. Dies stärkte meinen Entschluss, und ich wusste, dass ich mich, ganz gleich, ob ich nach Hause zurückkehren oder meine Mutter wiedersehen konnte oder nicht, nicht länger schuldig fühlen durfte, weil ich mich nicht um sie kümmern konnte. Ich beschloss, mein Herz zur Ruhe zu bringen, um meine Pflicht zu erfüllen. Das ist das Ziel, das ich mein Leben lang verfolgen sollte.
Durch diese Erfahrungen erkannte ich, wie tief ich von den traditionellen Vorstellungen, meine Eltern zu ehren, gefesselt war, und dass mich diese Vorstellungen, wann immer ungünstige Umstände auftraten, daran hinderten, die Wahrheit zu praktizieren und meine Pflicht zu tun. Es war die Führung von Gottes Worten, die mir half, diese traditionellen Vorstellungen zu durchschauen, nicht mehr von ihnen beeinflusst und eingeschränkt zu werden und mein Herz bei meiner Pflicht zur Ruhe zu bringen. Diese Ergebnisse wurden durch Gottes Worte erzielt. Dank sei Gott!